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Maxine, Jesse, Raoul, Michael, Sophie, Jasmin und Lena (von links) haben im Rahmen einer Geschichts-AG an der Christian-Wirth-Schule maßgeblich daran mitgearbeitet, dass am 17. Mai in Usingen die nächsten Stolpersteine verlegt werden.

Verlegung neuer Stolpersteine

Schicksale Usinger Juden: "Das lässt einen nicht kalt"

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Anfang vergangenen Jahres wurden erstmals Stolpersteine in Usingen verlegt. In der nächsten Woche wird mit weiteren Pflastersteinen dem Lebensweg und Schicksal ehemaliger jüdischer Mitbürger gedacht, die während der NS-Zeit aus Usingen vertrieben oder ermordet wurden.

Eleonore und Oliver Marshall werden in einer Woche aus ihrer Heimat in den USA in den Geburtsort ihrer Mutter reisen. Liselotte Rosenberg lebte in den 1930er Jahren mit ihren Eltern im heutigen Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde am Fuße der Laurentiuskirche.

„Liselotte wurde eines Tages von anderen Jugendlichen mit Steinen beworfen und beschimpft, weil sie Jüdin war. Sie wurde dabei schwer verletzt“, berichtet die 16-jährige Maxine. „Danach wurde sie von ihren Eltern in die Schweiz in eine Klinik geschickt, in der sie wegen einer chronischen Erkrankung schon einmal behandelt wurde. Sie blieb bis nach dem Krieg in der Schweiz.“

Ein Ereignis, das den ganz normalen Alltag jüdischer Familien in Usingen noch vor der Reichspogromnacht beschreibt. „Wenn man heute liest, was Usinger Jugendliche seinerzeit getan haben und was jüdische Jugendliche in Usingen erdulden mussten, dann wird man sehr nachdenklich“, beschreibt Lena ihre Empfindungen.

Die beiden Schülerinnen aus der 10N1 der Christian-Wirth-Schule haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten im Rahmen der AG Stolpersteine an ihrer Schule intensiv mit dem Lebensweg und Schicksal der in den 1930er Jahren in Usingen lebenden Juden beschäftigt. Insgesamt sechs Schüler aus der 10N1 und eine Schülerin aus der Oberstufe wollten unbedingt mehr über die Ereignisse während der NS-Zeit wissen als im offiziellen Lehrplan steht. Sie haben sich seit Februar regelmäßig mit CWS-Lehrerin Dr. Mirjam Andres getroffen und sich mit geschichtlichen Dokumenten und Quellen aus Usingen in Zeiten des Nazi-Regimes auseinandergesetzt.

Neben der Geschichtslehrerin sind der ehemalige KLS-Lehrer Hannes Schiller sowie Birgit Hahn und Pfarrerin Gundula Guist beim Projekt federführend. Neben der persönlichen Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der deutschen Geschichte vor nunmehr 80 Jahren ermöglichten sie die Verlegung weiterer zwölf Pflastersteine in Usingen. „Im normalen Geschichtsunterricht lernt man immer nur Fakten oder man hört etwas von Anne Frank“, sagt Jasmin. „Das, was wir aus den Büchern sowie Schrift- und Bilddokumenten aus Usingen erfahren haben, ist hingegen so unglaublich lebendig. Das lässt einen nicht kalt. Da kann man sich nicht wie bei einem Film zurücklehnen und abschalten.“

Für Raoul ist es auch etwas Besonderes, dass die Schüler die vom ehemaligen CWS-Geschichtslehrer Stephan Kolb in einem Buch („Die Juden aus Usingen“) zusammengefassten Forschungsergebnisse als Grundlage nehmen können. „Die Eltern von Liselotte Rosenberg sind 1937 in die USA geflohen, wo sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Tochter wieder getroffen haben“, berichtet Maxine. „Das ist wirklich etwas Besonderes, dass ihre in den USA geborenen Nachfahren nun zur Verlegung der Stolpersteine vor dem Wohnhaus ihrer Mutter in deren Heimatstadt zurückkehren.“

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