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Schläge und Tritte im Wohnheim

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Von: Heinz Habermehl

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Vor dem Georgier hatten in dem Flüchtlingsheim alle Angst. Jetzt stand der Asylbewerber wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Wegen gefährlicher Körperverletzung in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber ist ein 45 Jahre alter Georgier vor dem Amtsgericht Bad Homburg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

In den nächsten Jahren muss sich der Mann, der seit 20 Monaten in Deutschland lebt, einem Bewährungshelfer unterstellen. Der Mann werde aber, so räumte Richter Martin Gierke ein, von der Strafe gar nichts spüren. Wenn er sich in der Bewährungszeit nichts zuschulden kommen lasse, sei die Sache danach zudem ausgestanden.

Auf eine Bewährungsauflage, die in der Regel aus einer Geldzahlung oder aus gemeinnützigen Arbeitsstunden besteht, hatte Richter Gierke verzichten müssen. „Der Mann hat kein Geld, es gibt nur eine geringe finanzielle Unterstützung, und außerdem ist er krankheitsbedingt nicht arbeitsfähig.“

Groß und kräftig

Doch trotz der angeführten Erkrankung wurde der große kräftige Angeklagte während seines Aufenthaltes in der Westerfelder Unterbringung von allen gefürchtet, wie sich beim Prozess herausstellte. „Es gab niemand, der sich traute, ihm zu widersprechen, er war der Boss“, erkläre das 21 Jahre alte Opfer im Gericht. Der junge Afrikaner aus Somalia hatte auf Grund seiner körperlichen Unterlegenheit keine Chance gegen den Georgier, der früher an der Grenze zur Ukraine wohnte.

Für die Brutalität des Angeklagten habe es gar keinen Grund gegeben, erzählte der junge Mann zudem. Am 3. April dieses Jahres sei eine Mitbewohnerin mit ihrem Kleinkind zu der Wohnung für Flüchtlinge gekommen. Da sie keinen Schlüssel dabei gehabt hatte, habe er ihr die Tür geöffnet. Diese sei dann vom Angeklagten grundlos wieder geschlossen worden. Da er, das Opfer, seinen eigenen Schlüssel in der Wohnung liegengelassen hatte, habe er geklopft, damit jemand öffnet. Das habe dann der Angeklagte getan, jedoch nicht so, wie erhofft. Der 45-jähriger Mitbewohner habe ihm ohne jegliche Vorwarnung einen Glaskrug auf den Kopf geschlagen, woraufhin er zu Boden gefallen sei. „Ich war vollkommen benommen“, sagte der 21-Jährige. „Doch der Mann hat mir noch zahlreiche Tritte vor allem gegen Kopf und Genick versetzt.“

In Ohnmacht gefallen

„Ich konnte auf dem Boden liegend meine Handy-Taste drücken und Mama anrufen.“ Damit meinte er eine pensionierte 68 Jahre alte Frau, die sich um die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft kümmert. Diese traf laut eigener Aussagen acht bis zehn Minuten später dort ein. Da habe der junge Somalier noch auf dem Boden gelegen. Sanitäter hätten ihn dann zum Notarztwagen gebracht, wo er mehrere Minuten in Ohnmacht gefallen sei.

Das Opfer musste dann noch vier Tage im Krankenhaus bleiben, zwei davon auf der Intensivstation. „Hätte nicht ein dort lebender Albaner den Angeklagten von mir weggezogen, hätte ich wahrscheinlich gar nicht überlebt“, sagte er im Gericht. Diesem sei er deshalb unendlich dankbar.

Der Angeklagte bestritt die Tat. Er habe den anderen an der Tür nur ein wenig zurückgeschoben. Der sei dann ausgerutscht und zu Boden gefallen. Dabei habe der sich auch die Verletzungen zugezogen. Doch diese Version wurde ihm bei Gericht nicht geglaubt.

Dem verurteilten Georgier ist zwischenzeitlich ein Platz in einem Heim in Bad Homburg zugewiesen worden. Dort wohnt er jetzt.

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