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Neue Seniorenwohnanlage in Arnoldshain

Schlechte Verbindung

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Blut, heißt es, ist dicker als Wasser. Was allerdings derzeit die Verbindung zwischen Bürgermeister Marcus Kinkel und dem Arzt Dr. Thomas Lattke betrifft, die immerhin die gleiche Großmutter vorweisen, nähert sich das Blut mehr dem Wasser an. Die Verstimmung hat einen Grund: das Umfeld der neuen Seniorenwohnanlage in Arnoldshain.

Da staunte er nicht schlecht: Als am Freitag Dr. Thomas Lattke zum Gespräch mit der TZ an der Sporthalle Arnoldshain eintraf, hatten Heinzelmännchen – er vermutet hinter der Aktion den Bauhof – die kleine Verbindungsstraße zwischen neuer Seniorenwohnanlage und Schwimmbad per lockerer Steinaufschüttung und einer Walze geglättet.

Dass damit die Forderung des engagierten Mediziners erfüllt wären – mitnichten. Denn Lattke will, dass die Bewohner des Hauses nicht nur auf dem kleinen Parkplatz ihre Runden per Rollator oder Rollstuhl drehen können, sondern auch weitere Wege möglich sind (wir berichteten).

Ein kleiner Abriss: Nach dem Bau des Wohnheims stellte Lattke fest, dass für gehbehinderte Senioren das angrenzende Umfeld unpassend ist. Wege mit Löchern und nicht befestigt, Hürden wie Kanten und Bordsteine sowie die Topographie forderten seiner Meinung nach dringend eine Handlung seitens der Gemeinde.

Bürgermeister Marcus Kinkel (FDWG), so Lattke, habe allerdings eher wenig Interesse gezeigt. Der Wohnhausbetreiber sei in der Pflicht. Aber: Lattke könne sich ja um die Aufnahme in das europäische Leader-Programm bemühen, um Zuschüsse zu erhalten. Lattke bemühte sich, eine Infoveranstaltung dazu gab’s im November 2015.

Im März stand dann ein Treffen an, bei dem Jürgen Windgasse vom Leadership-Programm, Bernd Waldvogel als Landschaftsplaner, Kinkel, Utta Dommes (damals noch für die FDP aktiv), Bauamtsleiter Ulrich Ott und Lattke sich an Ort und Stelle das Problem ansahen. Und der Arzt hatte bis zu diesem Treffen bereits einen Plan in der Tasche, den Waldvogel entworfen hatte. Von der Einfahrt zur Sporthalle bis zum Freibad hatte er einen Weg geplant mit Sitzgelegenheiten und kleinen Attraktionen, der zudem durch Erdbewegung und Serpentinen den steilen Abstieg etwas mildern soll (Lesen Sie bitte auch „Zum Thema“).

„Vom Leaderprogramm hätte es für die Kosten von 200 000 Euro einen Zuschuss von 120 000 Euro gegeben. Das bedeutet, die Gemeinde hätte noch 80 000 Euro zu tragen gehabt“, betont Lattke.

Dr. Uwe Ewerdwalbesloh als FDP-Fraktionsvorsitzender sieht darin auch nicht das ganz große Problem, denn „derzeit wäre Schmitten in der Lage, die Summe in den Haushalt einzustellen, vielleicht über zwei Jahre verteilt.“

Zu teuer, wie Bürgermeister Kinkel den Arzt bereits wissen ließ. Der übrigens, ebenso wie Planer Waldvogel, durchaus noch Streichmöglichkeiten bei der Planung sieht.

Inzwischen hat die AGO als Betreiber des Wohnheims bereits einen Brief erhalten, in dem um Unterstützung gebeten wird. Antwort offen.

Aber Lattke, Dommes und Ewerdwalbesloh geht es nicht nur um die Senioren. Denn der Weg hätte in ihren Augen für die Bürger, die Grundschule und den Kindergarten einen Nutzen. „Diese herausragende Lage, diese wunderbare Natur sollten wir nutzen“, unterstreicht Lattke, der natürlich darin auch immer den Gesundheitsaspekt sieht. Schließlich bietet er selbst Gesundheitssport an und ist im Zirkel Schmittener Ärzte dabei.

An der Hattsteinhalle selbst sieht das Trio zudem weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Die kleine Wiese etwa könne für

Freiluftsport

dienen. Die Umgestaltung dafür sei einfach.

Nicht vergessen werden dürfe die Zufahrt zur Halle und dem Wohnheim. „Zu eng, wenn wirklich ein Notfall eintritt und Rettungskräfte in den Einsatz müssen“, urteilen sie. Der Weg sei durch Wegnahme von einem Meter des Spielplatz-Areals recht einfach zu verbreitern. Und: „Die Parkplatzsituation ist unzumutbar. Schon jetzt sind die Pfleger des Wohnheims gezwungen, ihre Wagen an der Hattsteinhalle abzustellen, da am Gebäude selbst zu wenige Stellflächen bereitstehen.“

Inzwischen ist die Planung über einen Antrag auch in das Gemeindeparlament gewandert, von dort in den Ausschuss überwiesen worden – einstimmig. Denn: „Wir haben mit allen Fraktionen gesprochen, und diese fanden die Idee eines attraktiven Weges gut“, sagten Lattke und Dommes. „Nur der Bürgermeister nicht.“ Über diesen zeigte sich auch Ewerdwalbesloh erstaunt. „Wieso der Weg jetzt mit dieser lockeren Aufschüttung geebnet wurde, weiß die Politik nicht. Fest steht, dass dies höchstens eine Übergangslösung ist, wenn überhaupt. Denn wie man sieht, hinterlassen bereits Radfahrer tiefe Spuren, mit einem Rollator geht hier nichts.“

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