Schmitten soll schöner werden

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Die Gemeinde Schmitten leistet sich so gut wie nichts mehr, gemacht wird nur noch das Nötigste. Bürgermeister Marcus Kinkel setzt deshalb auf das Engagement und den Einsatz der Bürger.

Mit dem Ausbau der Stichelwiese und der Gartenstraße in Arnoldshain und dem neuen Löschfahrzeug für Arnoldshain ist der Investitionshaushalt in Schmitten im neuen Jahr in der Tat recht überschaubar. Kein Wunder, dass Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) mit Blick auf die kommenden Monate sagt: „Wir sparen uns allmählich tot.“ Alles stehe in der Gemeinde im Zeichen einer konsolidierenden Haushaltsführung.

„Ein paar Euro“, so sagt er, sollen aber in die Entwicklung der Ortskerne gesteckt werden. Der Rathauschef möchte sich dafür einsetzen, dass sich Schmitten, genauso wie die Nachbarkommune Weilrod, um die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen bewirbt. Bei diesem werden nicht nur öffentliche, sondern auch private Sanierungsmaßnahmen unterstützt, und das ist Kinkel wichtig: „Die Gemeinde möchte nämlich nichts bauen.“ Denn schließlich müsse auch bei einer Förderung Geld in die Hand genommen werden. „Und das haben wir nicht.“ Ihm gehe es vielmehr darum, die Bürger zu motivieren, Ideen zu entwickeln und – beispielsweise durch die Sanierung ihrer Häuser – zu einer Verschönerung des Ortsbildes beizutragen. „Als Kommune haben wir da ja sonst keinen Einfluss drauf.“

Im Gegensatz zu früheren Programmen, als bei der Dorferneuerung einzelne Ortsteile wie seinerzeit Arnoldshain gefördert wurden, ist heute die ganze Kommune im Blick. Dabei sollen dörfliche Lebensformen in ihrer Vielfalt bewahrt und weiterentwickelt werden. Und dafür soll sogar Geld locker gemacht werden: 15 000 Euro sind im – noch nicht verabschiedeten – Etat eingestellt. Vorausgesetzt, die Gemeindevertreter stimmen Kinkels Plänen zu, will er ein Büro mit der Moderation beauftragen, gemeinsam mit den Bürgern die Ortschaften begehen und sehen, wie sich diese entwickeln ließen. „Dann können die Reifenberger mal sagen, was sie wollen“, meint der Rathauschef. Apropos schöneres Ortsbild. Noch immer ist nicht entschieden, wie es mit der Alten Schule in Niederreifenberg weitergeht.

Interessenten, die aus dem Objekt etwas machen möchten, gibt es nach Informationen des Bürgermeisters genug. Allerdings: „Nur ohne Denkmalschutz.“ Vor einem Dreivierteljahr hatte die Gemeinde deshalb gegen die Entscheidung des Landesamtes für Denkmalpflege geklagt und wartet nun noch immer auf einen Gerichtstermin.

Dafür tut sich bereits etwas beim ehemaligen Hotel Ernst in Schmitten. Auch wenn die Abrissarbeiten derzeit ruhen, weil erst noch eine oberirdische Stromleitung verlegt werden muss, wird dieser Schandfleck wohl bald beseitigt sein. Was der Besitzer mit dem Gelände anfängt, steht, so weiß Kinkel, noch nicht fest. „Hauptsache, es ist erst einmal weg.“

Erledigt ist für den Bürgermeister auch erst einmal das Thema Rodelbahn: „Die Nordbahn geht nicht, der Standort Windeck ist gescheitert, der Investor lässt das Projekt ruhen.“ Jetzt müsse schon eine Fraktion erneut aktiv werden.

Was die Windkraft angeht, so heißt es nun, auf die Genehmigung des einen Windrades auf dem Treisberg durch das Regierungspräsidium zu warten. Kinkel, bekanntlich kein Freund der Windenergie, bedauert immer noch, dass die Gemeindevertreter der Vertragskündigung nicht zugestimmt haben. Der ehemalige Landgerichtspräsident Eberhard Kramer hatte der Gemeinde bekanntlich empfohlen, aus dem Vertrag auszusteigen: „Und so eine klare Aussage eines Juristen sehe ich selten.“ Unverständlich ist die Entscheidung für den Verwaltungschef vor allem deshalb, weil die politische Mehrheit dieses eine Windrad eigentlich gar nicht mehr wolle. Kinkel: „Aber auch da gibt es ja keine Einigkeit bei CDU und Grünen.“

Eine Erneuerung würde der Gemeindevertretung vielleicht ohnehin gut tun. Konfrontationen bringen eine Kommune nämlich nicht weiter, wie kürzlich die Auseinandersetzung um die Verabschiedung des Haushaltes gezeigt hat, die unnötigerweise in das neue Jahr geschoben wurde. Anfang 2016 ist Kommunalwahl, ein Neuanfang könnte gemacht werden.

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