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Farbenfrohe Wundertüte. Solche Glasfaserkabel wünschen sich viele Bürger der Gemeinde.

Internet

Schnelligkeit ist relativ

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Weilrod ist bestens mit Internet versorgt. Das meinen jedenfalls die Netzwerkkoordinatoren von Land und Kreis. Dass das Bessere der Feind des Guten ist, meint dagegen die Weilroder Politik. Es gibt einfachere Ausgangspositionen.

Breitband ist Glasfaser und Glasfaser „hammer net“ – das ist in den meisten Ortsteilen sicher richtig, wenn auch nur zur Hälfte. Breit ausgebaute Zufahrten zur Datenautobahn gibt es auch abseits des von Experten „Königslösung“ genannten Kabelstrangs. Man muss sie nur finden. Im Bauausschuss wurden jetzt Wegweiser aufgestellt. Um Licht ins Dunkel der seit Jahren geführten Debatte um „schnelles Internet“ in Weilrod zu bringen, waren Experten der Netzbetreiber Telekom, Unity Media und TG Net sowie die Breitbandbeauftragten des Landes Hessen und des Kreises eingeladen worden.

Außer dem auf Funktechnik setzenden TG Net-Vertriebschef Norbert Casellini, sahen die Telekom- und Unity Media-Vertreter Hans Czomy und Andreas Gehrhardt im Glasfaser die „Königslösung“, die aber auch die teuerste Lösung ist. Czomy hob die sehr gute Versorgung in Rod hervor, räumte aber ein, dass mit wachsender Entfernung zum Knotenpunkt die Leistung nachlasse. Unbegrenzt Glasfaserkabel verlegen, so schön das auch sein möge, könne man als börsennotiertes und der Wirtschaftlichkeit verpflichtetes Unternehmen indes nicht – ohne Kooperation kein Ausbau.

Auch Gehrhardt sagte, dass seine Firma bei der Verlegung neuer Kabel zumindest 2016 trotz des Nachholbedarfs in einigen Ortsteilen auf der Stelle treten müsse, aber 500 Millionen Euro in die gesamte Netzertüchtigung investiere, was auch dazu führe, dass an allen Unity-media-Anschlüssen ab nächster Woche statt bisher 200 dann 400 mBit zur Verfügung stehen. Leider wüssten viele TV-Kabelanschlussinhaber nicht, dass sie damit auch den Zugang zum schnellen Internet bereits im Keller liegen haben.

Überhaupt kein Leitungsproblem hat TG Net, das witterungs- und entfernungsunabhängig das weltweite Netz per Funk mit hohen Datenraten zu den Kunden bringt. Einzige Bedingung: Sender und Empfänger müssen sich „sehen“, was in Weilrod zu 99 Prozent aber der Fall sei. Und wo es einmal nicht gehe, könne an einem Haus praktisch ein Spiegel montiert werden, der das Funksignal um die Ecke lenke.

So weit die Praxis, die erst einmal gut klingt. Die Theorie jedoch ist grau und wohl auch nicht so schnell aufzuhellen, wie die Weilroder Politik das gerne hätte. Breitbandkoordinator Thorsten Hartwig vom Hochtaunuskreis erläuterte eine 2014 durchgeführte Markterkundung, die für den Kreis eine Versorgung mit mindestens 50 mBit zu 92 Prozent nennt. Mit Breitband sei auch nicht zwingend Glasfaser gemeint, sondern ein Technologiemix.

Damit liege der Kreis landesweit mit an der Spitze. Hoffnungen der Weilroder, unter den restlichen acht Prozent und damit beim Ausbau förderfähig zu sein, zerstreute Hartwig. Schmitten und Grävenwiesbach ja, aber nicht Weilrod. Der Kreis sehe bei dieser Versorgung keinen Handlungsbedarf und dürfe ihn EU- und bundesrechtlich auch nicht sehen, denn das Netz der Förderfähigkeit sei sehr eng geknüpft, mit anderen Worten: Da fällt selbst Weilrod noch durch die Maschen. Landesbreitbandbeauftragter Michael Fladung gab Hartwig Recht, er sehe Weilrod sehr gut versorgt und deshalb auch kaum Chancen auf einen öffentlich geförderten, flächendeckenden Netzausbau. Einig war man sich jedoch darin, dass Kommunen wie Weilrod, Schmitten und Grävenwiesbach den Versorgungsbedarf ihrer Bürger bündeln, um so die „marktgetrieben“ arbeitenden Anbieter mit größeren Anschlusszahlen auf sich aufmerksam zu machen.

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