Schöne Stimmung

  • schließen

Weil es in Treisberg kein Gotteshaus gibt, haben sich Kirchengemeinde und Posaunenchor etwas einfallen lassen. Ein musikalischer Freiluft-Gottesdienst sollte es werden, aber es kam etwas anderes dabei heraus.

Der Wettergott machte der Kirchengemeinde Weilnau zwar einen Strich durch die Rechnung, aber die Organisatoren waren gerüstet. Denn wenn in Treisberg ein großer Gottesdienst mit viel Musik und Gästen aus den Nachbarorten geplant ist, sollte der auf keinen Fall ausfallen.

Der mit 180 Einwohnern kleinste Ortsteil der Feldberggemeinde hat nämlich keine eigene Kirche. Die Gottesdienste finden entweder in der Alten Schule statt oder die Treisberger gehen wie die Finsternthaler nach Altweilnau in die Kirche, wo regelmäßig der Posaunenchor Weilnau spielt. Weil für den in der Alten Schule aber nicht genug Platz ist, hatte Trompeter Reiner Blumer die Idee zu einem Freiluft-Gottesdienst auf einer Wiese auf dem Treisberg.

Weil die Treisberger aber nicht sicher waren, ob der für die Nacht angekündigte Regen tatsächlich aufhören würde, richteten Rolf und Antje Blumer vorsorglich die geräumige Scheune her, stellten Stühle und bauten den Altar mit Holzkreuz und Wiesenblumen auf. Und das war gut so. Obwohl es anfangs noch recht feucht war, kamen rund 80 Besucher aus allen Orten der Kirchengemeinde. Sie erlebten einen Gottesdienst der besonderen Art. Neben klassischen Chorälen stimmte der 15-köpfige Posaunenchor auch moderne Kirchenlieder und Spirituals an. Außergewöhnlich war auch die Predigt von Prädikant Holger Kötz, der den Gottesdienst hielt.

Aus gutem Grund appellierte er daran, jeden so anzunehmen, wie er ist, und niemanden nach seinem Aussehen zu beurteilen. Mit seinen Tätowierungen und angezogen wie ein Rocker – Rebellion stand auf seinem T-Shirt – hätten ihm die, die ihn nicht kennen, wohl nicht zugetraut, dass er sich für Toleranz und Rücksichtnahme einsetzt. Weil er sie aber selbst lebt, kann er andere gut dazu auffordern – und auch seiner zwölfjährigen Tochter Sharon Vorbild sein. Sie brachte sich in den Gottesdienst mit einem modernen Glaubensbekenntnis ein.

Dem Posaunenchor war es wichtig, dass die Gemeinde nach dem Gottesdienst nicht auseinanderging. Daher hatte Rolf Blumer im Freien schon den Grill bestückt. Auch Posaunenchorleiter Erhard Reuter und die Bläser trugen dazu bei, dass viele bei immer besserem Wetter gerne länger blieben. Mit Volksliedern, aber auch „Über den Wolken“ von Reinhard Mey und einem Geburtstagsständchen für Kötz, der sich auch über kleine Präsente vom Kirchenvorstand und den Musikern freute, klang der stimmungsvolle Vormittag aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare