Schon früh mit Kindern sprechen

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Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, wenn es darum geht, sprechen, lesen und schreiben zu lernen. Der Sprachförderung im Elternhaus und in der Montessori-Umgebung war ein Info-Vormittag gewidmet.

Ansgar ist nicht einmal vier Jahre alt, aber schon eifrig dabei, schreiben zu lernen. Wie er das macht, zeigte er voller Stolz. Katja Gapp, die pädagogische Leiterin der Montessori Eco-School brauchte nämlich für ihren Vortrag einen Assistenten. Also suchte Ansgar Buchstaben heraus und setzte damit Wörter zusammen, und er zeigte Übungen zur Stifthaltung und Linienführung.

Zum Einstieg in das Thema „Kinder zur Sprache bringen“ hatte zuvor Schulleiterin Hana Markus die Vorgehensweisen skizziert und dabei besondere Ansätze in der Einrichtung in Oberreifenberg hervorgehoben. Danach liegt der Fokus der Montessori-Pädagogik auf der Selbstständigkeit und dem selbstbestimmten Lernen des Kindes. So wird hier die mündliche und schriftliche Sprachentwicklung von Kindern altersübergreifend und in fließenden Übergängen von der Krippe über das Kinderhaus bis zur Grundschule gefördert. Dass das Elternhaus miteinbezogen wird, ist selbstverständlich.

Schon früh, beim Wickeln, Füttern oder Spielen, solle man mit den Kleinen sprechen, so Gapp. Die Sprache solle von Gestik und Mimik begleitet, kindgerecht, aber von Anfang an grammatisch korrekt sein, „das heißt kurze, aber keine unvollständigen Sätze“. Mit zwei Jahren explodiere die Entwicklung der Sprache, Lebensradius und Wortschatz erweiterten sich.

Nicht spezifisch Montessori, aber wichtig, um Sprachstrukturen zu erkennen, seien Lieder und Reime und das Vorlesen. Am besten eigneten sich konkrete Gegenstände, um die Wortbedeutung zu begreifen und zu erinnern, machte die Pädagogin deutlich. Vor allem über Sandpapierbuchstaben, die der Lautzuordnung dienten und die Feinmotorik übten, sowie das bewegliche Alphabet werde das „phonologische Bewusstsein“ trainiert. Mit diesen Methoden könnten Kinder unabhängig von der Intelligenz gute Rechtschreiber werden und Worte bilden, bevor die Schreibhand beweglich genug ist.

Spannend sei eine Woche zuvor für die Grundschulkinder die große Erzählung von der Entstehung der Schrift gewesen, berichtete Gapp. Die Mädchen und Jungs hätten nachvollziehen können, dass es schon für die Steinzeitmenschen überlebenswichtig gewesen sei, sich mitzuteilen, wo es was zu essen gibt und von was man Bauchweh bekommt. Wann Sprache zusätzlich zu Gesten überhaupt entstanden sei, sei unklar, aber die Entwicklung der Schrift lasse sich nachvollziehen aus Höhlenzeichnungen, der Bildsprache der Ägypter bis zum ersten von den Phöniziern erfundenen Alphabet. Auch dass Griechen und Römer dies verändert haben, während sich in China eine ganz andere Schrift entwickelt hat. Für Ansgar war ein Stichwort gefallen. Er sagte: „Ich möchte jetzt zu meinen Büchern.“ Dann verkrümelte er sich mit einem Buch über die Römer. Mitarbeiter und Eltern standen den Besuchern für weitere Fragen zur Verfügung.

(evk)

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