Schutz für Wildkatze gefordert

  • schließen

Man muss schon wissen, worauf man achten muss, will man eine Wildkatze von einer Hauskatze unterscheiden. Falls man überhaupt jemals einem wild-lebenden Exemplar begegnet.

Die Europäische Wildkatze gehört zu den scheuesten Wildtieren überhaupt, so dass sie kaum jemand mit eigenen Augen zu sehen bekommt. Dr. Dr. Dieter Selzer indes kennt sie. Als Fachbereichsleiter der Unteren Naturschutzbehörde Hochtaunus mit Universitätslehrstuhl und in allerhand Forschungen involviert sogar ziemlich gut. Wie er allerdings einem solchen Tier überhaupt habhaft werden kann, schilderte er in seinem Referat, das er auf Einladung der Vogel- und Naturschutzgruppe am Donnerstag präsentierte.

Vereinsvorsitzender Horst Wolff, der den hochkarätigen Referenten in der rund zwanzigköpfigen Runde begrüßte, erinnerte sich an die ersten Jahre seiner Ausbildung zum Forstwirt. Schon damals habe er die Chance gehabt, Wildkatzen zu begegnen, erzählte er und räumte ein, als junger Mensch von diesen Tieren immens gerührt worden zu sein. Das dürfte auf Wolff heute noch immer zutreffen, und spätestens gegen Ende des Abends müssten sich die positiven Empfindungen gegenüber Wildkatzen auf die Zuhörerschaft ausgeweitet haben.

Das war wohl nicht immer so. Mit relativ großem Erstaunen erfuhr das Publikum von Dieter Selzer, dass es im 18. und 19. Jahrhundert regelrechte Kopfgeldprämien für erlegte Wildkatzen gegeben habe. „Das war der einzige Grund, warum man diesen Tieren erbarmungslos nachgestellt hat.“ Mit Fangeisen wurden die Tiere so lange gejagt, bis sie im europäischen Raum nahezu ausgestorben waren. Zur Rechtfertigung wurde ihnen nachgesagt, als gefräßige Raubtiere den Wildbestand zu gefährden.

Jetzt gibt es die scheuen Katzen wieder. In kleinen inselartigen Gebieten haben sie laut den Forschungsergebnissen hauptsächlich den Rheingau-Taunus-Kreis besiedelt. Durch Haarproben an Lockstöcken, mit Fotofallen und Fährtenlesen sowie Totfunden und mitunter auch mal einer Lebend-Sichtung sowie per Telemetrie lassen sich die Größen der Bestände ermitteln, erläuterte Selzer.

Demnach leben die Katzen mit dem gedrungenen Kopf, den charakteristischen Streifen im Fell und dem Ringelmuster im Schwanz, das mit einer schwarzen Spitze endet, auch in zwei Populationen in der Taunusregion, unter anderem um Grävenwiesbach. „Den größten Teil ihrer Nahrung bestreiten sie durch Wühlmäuse“, sagte Dr. Selzer, was sie ja geradezu zu einem Liebling der Gärtner und Landwirte machen müsste. Da sie Unterholz zur Deckung und trockene Höhlen zur Aufzucht ihrer Jungen benötige, ausgeräumte Landschaften und stark frequentierte Gegenden meide, habe es die Wildkatze nicht gerade leicht, zwischen all den Siedlungen und Straßen zu überleben. Deshalb plädierte Dr. Selzer für vernünftige Maßnahmen zum Schutz der europäischen Wildkatze in den hessischen Wäldern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare