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Noah und Nicola versorgen die Läufer in Emmershausen mit Wasser.

Selbstfindung im Taunus

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Rhythmisches Sambatrommeln, Zuschauermassen und Lautsprecherbeschallung in Häuserschluchten – die gibt es beim Weiltal-Marathon nicht. Und genau deshalb lieben die Teilnehmer auch den Landschaftsmarathon, der sie in aller Ruhe quer durch den Taunus führt.

Boston, Frankfurt, Rom, Paris und viele andere Metropolen dieser Welt hat Sima Fern bereits auf der 42,195-Kilometer-Distanz bei manch großem Stadtmarathon durchquert. Dennoch ist die 61-Jährige jedes Jahr aufs Neue beim Landschaftsmarathon durch das Weiltal am Start – auch bei der gestrigen 13. Auflage. Damit ist sie die einzige Läuferin, die seit 2003 an allen Marathonläufen im Naturpark Taunus teilgenommen hat.

„Eigentlich laufe ich jeden Marathon nur einmal. Der Weiltal-Marathon ist der einzige, an dem ich regelmäßig teilnehme“, sagt Sima Fern, die vor 20 Jahren den Ausdauersport für sich entdeckt hat. „Die Leute sind hier so nett. Ich kenne kaum einen anderen Marathonlauf, bei dem sich die Organisatoren so engagiert um jede Kleinigkeit kümmern.“ Und nicht zuletzt ist es auch die herrliche Landschaft, wegen der die Frankfurterin immer wieder gerne zum Laufen ins Weiltal kommt.

Vor dem Start hört man unter den Läufern in Arnoldshain meist ähnliche Gründe, die sie zur Teilnahme an der Veranstaltung motivieren: „Das ist eine so wunderbare Stimmung hier unter den Läufern“, sagt Katja Friedlander-Tiller aus der Nähe von Aschaffenburg. Bereits die Busfahrt mit den anderen Läufern von Weilburg an den Start in Arnoldshain beschreibt sie als besonderes Erlebnis. Überhaupt wolle sie ihren ersten Marathon in diesem Jahr entspannt genießen, weshalb sie sich bewusst zu diesem Landschaftsmarathon angemeldet habe.

Seit 20 Jahren geht die Aschaffenburgerin bei Marathonrennen an den Start. Doch bei den großen Stadtläufen ist ihr der Druck nach Bestzeiten mittlerweile zu groß geworden, weshalb es sie längst zu Läufen raus aufs Land zieht. „Der Marathon ist und bleibt für mich als Läuferin ein Mythos“, erklärt die Sportlerin in diesem Zusammenhang. „Doch ich will die Königsdisziplin nicht mehr verbissen angehen, sondern beim Laufen einfach abschalten können.“

Susanna und Beatrix vom „Schnauftreff Oberursel“ beschreiben den Charakter des Weiltal-Marathons als anspruchsvoll, weil man die Distanz zumeist für sich alleine absolviert. Tatsächlich verteilten sich auch gestern die Läufer gleich nach dem Start in eine lang auseinandergezogene Reihe. „Der Weiltal-Marathon ist eine Möglichkeit zur Selbstfindung“, beschreibt Beatrix die Besonderheit des Laufes für sie persönlich. „Weil keine Zuschauer am Wegesrand stehen, die einen anfeuern, sind die Läufer hier dann auch viel mehr auf sich selbst konzentriert. Man muss mehr mit dem Kopf laufen, und man muss sich viel mehr selbst pushen.“

Ähnlich empfinden es auch Monika Fischer und Alexander Demandt, die für den TSV Ober-Erlenbach an den Start gegangen sind. „Das ist hier manchmal eine richtig einsame Angelegenheit. Man läuft wie mit Autopilot. Doch Marathonläufer lieben die Einsamkeit, dafür entschädigt die Landschaft mehr als genug. Der Lauf in den beginnenden Frühling ist doch einmalig“, sagt der 45-jährige Demandt. Für den Bad Homburger Läufer war der gestrige Start bereits die elfte Teilnahme im Weiltal. Überhaupt ging er den Traditionslauf von Schmitten an die Lahn sehr ambitioniert an, denn bereits bei der Hälfte der Marathon-Distanz in Emmershausen lag Demandt auf dem zweiten Platz des Gesamtklassements.

Wie ihr Vereinskamerad gehörte auch Monika Fischer in den Vorjahren in ihrer Altersklasse am Ende der Marathondistanz meist zu den Bestplatzierten. „Ich melde mich immer wieder gerne hier an, weil ich das Teilnehmerfeld und die Organisatoren wie eine große Familie erlebe“, lobt die 51-Jährige den Weiltal-Marathon und das ganze Team drum herum. „Die ganze Veranstaltung ist bestens organisiert. Das Organisations-Team ist sehr flexibel und geht auch immer gerne auf die Wünsche der Teilnehmer ein.“

Mehr zum Weiltal-Marathon lesen Sie im Sport auf Seite 24.

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