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Thomas Pauli in Neu-Anspach gewählt

Wie sich der neue Bürgermeister auf seinen Job vorbereiten will

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Der Wechsel im Rathaus ist zwar erst in drei Monaten, der künftige Bürgermeister möchte sich aber schon jetzt intensiv auf seinen neuen Job vorbereiten. Dabei ist er auf Hilfe angewiesen.

 

Am Tag nach seiner Niederlage wurde Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) im Rathaus von seinem gesamten Team empfangen. Alle Abteilungsleiter waren da, und so mancher hat feuchte Augen gehabt. Aber was hilft’s? „Das ist Demokratie“, erklärt der Verwaltungschef – eine Nacht hinter sich, in der er „einigermaßen gut“ geschlafen hatte und einen Tag vor sich, der das übliche Geschäft mit sich brachte: Sitzungen, Gespräche, ein Abendtermin.

Wahlgewinner Thomas Pauli (SPD) dagegen hat beim Gespräch mit der TZ kaum noch Stimme. Zu anstrengend waren die zurückliegenden Wochen, und am Wahlabend wurde mit der Familie natürlich auch noch gefeiert: „Sie sind alle sehr stolz auf mich.“ Mit der Arbeit wird es nun, da er gewählt ist, natürlich nicht weniger. „Die nächsten drei Monate bis zum Amtsantritt werde ich mich intensiv vorbereiten“, sagt der Anspacher und erzählt, dass für den Abend ein Gespräch mit dem Parteivorstand anstand. In der nächsten Woche will er dann seine Mitstreiter von b-now und Linken treffen. Dass die Positionen von SPD und Bürgerliste nicht immer zusammengehen, irritiert Pauli nicht. „Wir werden uns in den Sachthemen wie der Geschwisterkind-Regelung abstimmen, aber sicher auch mal unterschiedlicher Meinung sein.“ Zudem wolle er mit allen anderen Fraktionen sprechen. „Ich will ein Bürgermeister für alle sein, und das gilt auch fürs Parlament.“

Noch vor dem 1. Juli will er ein Gespräch mit den Vereinen führen, um die höhere Beteiligung von 20 Euro pro Mitglied und Jahr abzuwenden, und auch der Kämmerei in Usingen einen Besuch abstatten. Er wolle jede Position des Etats durchgehen und jeden Euro zur Not auch vier Mal umdrehen. „Wir müssen auf der Ausgabenseite anfangen“, kündigt Pauli an. „Denn wenn wir das Defizit umrechnen in die Grundsteuer B, sind wir bei 1000 Punkten.“ Er wisse, dass die Erwartungen an ihn hoch seien.

Der künftige Rathauschef setzt dabei auch auf den alten: Gestern habe er nicht gleich anrufen wollen, sagt Pauli, er hoffe aber auf eine ordentliche Übergabe. Dem wird Hoffmann nicht im Wege stehen, wie dieser versichert. Dies habe er schließlich selbst so mit seinem seinerzeitigen Vorgänger Gerd Hillen (parteilos) erlebt.

Hoffmann, der am Wahlabend auch auf Facebook noch einmal seinem Herausforderer gratuliert, seinem Team gedankt und angekündigt hatte, seine Arbeitskraft bis zum letzten Arbeitstag für Neu-Anspach einzusetzen, will nun in den nächsten drei Monaten alles abarbeiten, was noch abzuarbeiten ist. Dazu gehört jetzt auch, in die nächste Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses mit einem Alternativvorschlag des Stadtelternbeirates zu gehen, wo noch einmal die Abschaffung der Geschwisterkind-Regelung auf der Tagesordnung steht. „Ich werde dort aber nicht für eine bestimmte Lösung kämpfen“, erklärt Hoffmann – wohl wissend, dass Pauli sich während des Wahlkampfes für eine Aufhebung des Beschlusses stark gemacht hatte.

Er frage sich aber in Richtung b-now, wie Pauli die Geister, die er gerufen habe, nun wieder loswerden wolle. Und deshalb sei er letztlich auch gar nicht so traurig, dass er die Wahl verloren habe. „Ich wäre doch ohnehin nur weiter für alles der Sündenbock gewesen“, so Hoffmann. Jetzt müssten sie sich dafür einen anderen suchen. „Ich wünsche ihnen allen jetzt gute Verrichtung“, sagt der 63-Jährige und bereitet sich schon einmal gedanklich auf sein Rentner-Dasein vor. An einem anderen Job denkt er derzeit nicht. Er werde sich nicht aktiv bemühen. „Aber man weiß ja nie, was einem über den Weg läuft.“

Pauli, der gestern noch frei hatte, muss heute mit seinem Arbeitgeber im Eschborner Rathaus über seine Kündigung sprechen. Seit Februar 2009 arbeitet er dort, und der Abschied fällt ihm auch nicht leicht. Die Freude aber, nach Neu-Anspach zurückzukehren, wo er bis 2009 gearbeitet hat, überwiegt natürlich. „Ich freue mich schon sehr auf die Arbeit.“

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