Matthias Schmidt will zeigen, was im Holz steckt

Skulptur regt zum Nachdenken an

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„Hoffnung“ heißt eine Holzskulptur von Matthias Schmidt, die zwischen der evangelischen Laurentiuskirche und dem Gemeindezentrum in Arnoldshain hin und her wechselte. Inzwischen ist die beeindruckende Plastik vor dem Gotteshaus fest verankert, dem Betrachter lässt sie viel Freiheit.

Ein Baum muss wachsen, eine Idee auch. Wenn ein Baum stirbt, nährt er etwas Neues. Es gibt ungeahnte Kräfte, die sind unsterblich. Solche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man sich in Ruhe auf die Betrachtung der Holzskulptur einlässt, die vor der evangelischen Kirche in Arnoldshain steht.

Beim Vorbeigehen und flüchtigen Anschauen mag man denken: „Ach, nur ein verkohlter Stumpf.“ Erst wenn man drumherum geht, entdeckt man einen Seitentrieb, der aussieht wie ein Blatt. Das alles könnte so von Natur aus sein, wären nicht manche Flächen ungewöhnlich glatt und schimmerten manche Stellen nicht blau und rot – oder ist es lila? In der Hoffnung, dass sich der Betrachter seine eigenen Gedanken macht, hat der in Arnoldshain lebende freiberufliche Holzgestalter Matthias Schmidt diese Skulptur „Hoffnung“ genannt. Sein aus Holz geschaffenes Werk solle Impulse zum Nachdenken geben, er selbst wolle eine mögliche Interpretation nicht vorwegnehmen, sagt er.

Eine Freundin hat für die Skulptur ein Gedicht geschrieben, er selbst drückt es so aus: „Ein Baum wird abgesägt. Ein Stumpf bleibt zurück, und nichts erinnert an seine frühere Größe und Schönheit. Doch dann regt sich in dem totgeglaubten Holz neues Leben. Ein Blatt sprießt hervor. Ein Sinnbild für Lebenskraft, unbeugsamen Willen, Erneuerung und Hoffnung.“

Die Urwüchsigkeit der Skulptur, die solche Ansätze zulässt, sagte auch dem Kirchenvorstand zu, der sie über Spenden, zu denen laut Schmidt maßgeblich Utta Dommes und der inzwischen verstorbene Jürgen Schulz beitrugen, schon 2009 geworben hatte. Einen festen Platz hatte das Kunstwerk lange Zeit nicht, bis Schmidt es jetzt mit Unterstützung von Peter von Ometzinski vor der Kirche aufgestellt und sicher einbetoniert hat.

Einen alten Baum soll man nicht verpflanzen, aber die bereits 2006 im Krötenbachtal gefällte Fichte hat jetzt quasi neue Wurzeln bekommen. Der Holzbildhauer hatte sich auch erlaubt, dem Nadelgehölz, das aus zwei zusammengewachsenen Bäumen bestand, ein sinnbildliches Blatt anzufügen, in dem er einen Seitentrieb bearbeitete. Die dezente Farbgebung, die sich bei entsprechendem Lichteinfall vom schwarzen Grund abhebt, hat Schmidt nicht zufällig gewählt. „Rot und Blau wird zu Lila, der Kirchenfarbe“, verriet er.

Dass er den Beruf des Holzbildhauers ergriffen hat, sei ihm in die Wiege gelegt worden, erzählt er. Seine Wurzeln liegen im Erzgebirge mit seiner reichen Tradition der Holzbearbeitung, die auch in seiner Familie seit Generationen gepflegt wird. Zur modernen Holzbearbeitung kam er durch ein Abendstudium im Fach Holzgestaltung noch in Schneeberg im Erzgebirge. Im Taunus ist er seit 1990 freiberuflich als Holzgestalter tätig. Durch seine zum Teil archaische Arbeitsweise werde Holz nicht zerstört, beschreibt er seine Art zu arbeiten: „Ich mache sichtbar, was in ihm steckt. Ich gebe also dem Willen des Holzes nach und spüre seine Struktur auf.“ Seine Skulpturen entstehen also sozusagen „in Zusammenarbeit“ mit dem Holz.

Mit Beil, Holz oder Metallkeilen und Hammer spaltet Schmidt Holzstämme, um aus ihnen moderne Kunstwerke zu gestalten. Auch die Motorsäge kommt zum Einsatz. „Die Struktur des Holzes gibt vieles vor, durchkreuzt oft meine Vorstellungen“, verrät er. Ob traditionell oder modern, jedes Kunstwerk ist ein Unikat, so wie die Stele am Ortseingang von Oberreifenberg.

Schmidt ist in der ganzen Region auch für seine Krippenfiguren und kraftvollen Engel bekannt, die jetzt, wo es schon die ersten Lebkuchen zu kaufen gibt, auch bald wieder Saison haben. Jedes Jahr kommen neue Figuren zur heiligen Familie dazu. Ganz traditionell stellt er mit der Schablone und der Laubsäge die Silhouetten her, mit Schnitzwerkzeugen haucht er ihnen dann Leben ein. Bald ist er damit wieder unterwegs bei vorweihnachtlichen Märkten und Ausstellungen.

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