Bevor der geschredderte und zerkleinerte Bioabfall in der Biogasanlage vergärt wird, muss dieser von anderen Störstoffen getrennt werden, die nicht kompostierbar sind.
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Bevor der geschredderte und zerkleinerte Bioabfall in der Biogasanlage vergärt wird, muss dieser von anderen Störstoffen getrennt werden, die nicht kompostierbar sind.

Usinger Land: Fremdstoffe im Biomüll verursachen hohe Kosten

Sortierung des Müll nur mit großem Aufwand

  • vonMatthias Pieren
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Die Entsorgungsunternehmen müssen viel Geld in die Hand nehmen, um die vielen Fremdstoffe aus der Biotonne herauszuholen - und alle Bürgerzahlen den Aufwand

Die Verärgerung kennt man selbst: Immer, wenn abends die Bio-Tonne rausgestellt werden muss, sieht man beim Nachbarn Müll aus der Tonne lugen, der da sicher nicht reingehört. Statt Grünabfall oder Kompost in Papiertüten sind offensichtlich Plastiktüten mit Restmüll darin verstaut worden.

Mit wortlosem Kopfschütteln sieht man sich in dem seit langem gehegten Vorurteil bestätigt. Ansprechen will man die Nachbarn - um des lieben Friedens willens - dann trotzdem nicht. Die sogenannten Fehlwürfe in den Bio-Tonnen aber bereiten den Verantwortlichen bei der Rhein-Main-Deponie (RMD) ziemlichen Ärger und verursachen unnötige Kosten.

In der Biogas-Anlage auf dem Gelände des Deponieparks Brandholz werden Bio-Müll und Kompostabfälle aus dem gesamten Hochtaunuskreis vergärt. "Über die Verstromung des dabei erzeugten Biogases hat die RMD im Jahr 2019 etwa 6 460 000 kWh regenerativer elektrischer Energie erzeugt", teilt dazu RMD-Geschäftsführerin Beate Ibiß auf Anfrage mit.

Bessere Trennung, weniger Kosten

Doch die Biostrom-Produktion läuft wegen der besagten Fehlwürfe nicht so problemlos, wie es eigentlich erhofft war. Aufwand und Kosten bei der Stromproduktion könnten deutlich geringer sein - wenn die Haushalte und die Bürger verlässlicher mitziehen würden. "Die Fremd- und Störstoffproblematik bei Bioabfällen ist leider ein relativ konstantes Problem", bilanziert Ibiß die Jahre seit Inbetriebnahme der Biogasanlage im Jahr 2015.

Kunststoffe (Plastiktüten, Kunststoffverpackungen) landen dabei ebenso in der Bio-Tonne wie Glas, Steine und Metalle. Selbst kritische Abfälle wie Batterien oder Elektronikschrott finden sich im Kompost. All diese müssen den Bioabfällen entzogen werden. Manche Fremd- und Störstoffe werden bereits vor der Vergärung herausgefischt. Spätestens aus den hergestellten Komposten und Gärresten müssen sie separiert werden, weil diese sonst nicht wie gewünscht weiterverwendet werden können.

Anforderungen wurden verschärft

"Der Gesetzgeber und auch die Gütegemeinschaft Kompost geben ganz klare Qualitätsanforderungen vor", erklärt die RMD-Chefin. "Nur so können wir Landwirten, Firmen aus dem Bereich des Garten- und Landschaftsbaus und Bürgern eine garantierte Qualität für den abgegebenen Kompost zusichern."

Kurzum: Es muss mit vielfältigen Sortier- und Abscheidetechniken viel Aufwand betrieben werden, um den "Müll aus dem Bio-Müll" zu trennen, bevor daraus Öko-Strom wird. Bisher habe man durchgängig die Qualitätsanforderungen eingehalten. Umweltverträgliche Gärreste und Komposte können als Humusdünger und Dünger abgegeben werden.

"Da in den letzten Jahren die Anforderungen, besonders zum Schutz des Grundwassers und der Böden, deutlich verschärft wurden, mussten auch unsere technischen Maßnahmen zunehmend intensiviert und verstärkt werden", sagt Ibiß. Dies führe zu steigenden Kosten, die von der RMD an die Städte und Gemeinden und von diesen in Form höherer Abfall-Gebühren an die Bürger weitergegeben werden.

Ärgerlich: Trotz permanenter Information und Aufklärung besteht das Problem weiterhin. "Die tatsächliche Qualität der Bioabfälle schwankt immer wieder lokal und steht bekanntermaßen auch in einem Zusammenhang mit der Siedlungsdichte. Bioabfälle aus städtischen, baulich verdichteten Bereichen enthalten in der Regel mehr Fremd- und Störstoffe. Eine signifikante Änderung oder einen Anstieg bedingt durch die Corona-Problematik konnten wir nicht feststellen."

Erfreulicherweise sei seit 2015 für den Hochtaunuskreis, als die flächendeckende Bioabfall-Sammlung im Kreis eingeführt wurde, die Menge kontinuierlich gestiegen. Waren es anfänglich noch 55 Kilogramm Bio-Müll pro Einwohner und Jahr, so erwartet die RMD in diesem Jahr aller Voraussicht nach 75 Kilo Bio-Müll pro Einwohner.

Diese Entwicklung deute auf eine größere Sensibilität und ein besseres Trennverhalten der Bürger hin. Im Vergleich mit anderen Landkreisen - der Main-Taunus-Kreis rechnet 2020 mit einer Jahresmenge von 104 Kilo Bio-Müll pro Einwohner - wie auch im Vergleich der Städte und Gemeinden sieht die RMD ein weiteres Steigerungspotenzial. Matthias Pieren

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