Der Verein Pro Uganda aus Usingen hat nun eine Fußballmannschaft: Karsten Schulz als Chef des Vereins (mit Hut) hat die Trikots persönlich vorbeigebracht.
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Der Verein Pro Uganda aus Usingen hat nun eine Fußballmannschaft: Karsten Schulz als Chef des Vereins (mit Hut) hat die Trikots persönlich vorbeigebracht.

Usinger Verein Pro Uganda sponsert Fußball-Elf

Spieler mit Amputationen weisen Werkstatt-Team in die Schranken

  • VonAndreas Burger
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Karsten Schulz organisiert Trikots und wagt sich mit einem Team der Werkstatt auf den Sportplatz

Der Verein Pro Uganda, inzwischen im afrikanischen Staat fest verwurzelt und seit 2013 für die Bevölkerung mit Amputationen tätig, hat sozusagen unfreiwillig einen "Seitenarm" entwickelt.

Ausgegangen ist das neue Projekt von einem jungen Mann. 2018 wurde der Patient namens Mario, dessen Arm amputiert war, in der Pro-Uganda-Prothesen-Werkstatt mit einer älteren Armprothese versorgt. Darüber war er so glücklich, dass er von nun an zu einem freudigen Patienten-Vermittler für die ganze Werkstatt wurde.

Das Pro Uganda Team staunte nicht schlecht, als Mario zudem mitteilte, dass er Torwart einer Amputierten-Fußball-Mannschaft in Kampala sei und sich von Herzen Torwart-Handschuhe wünschte. Dieser Wunsch wurde ihm vom Team erfüllt. Schließlich brachte Mario nach und nach einen großen Teil seiner Mannschaft zur Prothesen-Versorgung in die Pro-Uganda-Werkstatt und es begann eine freundschaftliche Beziehung.

2019 besuchte das Pro-Uganda-Team die Fußball-Mannschaft bei einem Trainingsspiel in Kampala. Alle waren sichtlich überrascht, mit welcher Kraft und Schnelligkeit das Team gegen eine Mannschaft ohne Behinderung Fußball spielte. Das brachte Karsten Schulz, Gründer von Pro Uganda und Lehrer in Usingen, auf die Idee, dieser Mannschaft Trikots von Pro Uganda zu spenden.

Am 8. April war es dann so weit. Die befreundete Amputierten-Mannschaft aus Kampala besuchte die Prothesen-Werkstatt von Pro Uganda. Alle waren in guter Stimmung und freuten sich auf das bevorstehende Fußballspiel gegen das Werkstatt-Team. Nach einer freudigen Begrüßung fuhren alle zu dem nahe gelegenen Dorf Kiyunga, indem es einen Fußballplatz in einigermaßen guten Zustand gab. Als sich alle beteiligten Spieler auf dem Platz einfanden, sprach sich im Dorf schnell herum, dass wohl ein Fußballspiel stattfinden werde - und so kamen immer mehr Zuschauer.

Aus Lächeln wird Beifall

Diese belächelten zunächst die Amputierten-Elf, und keiner konnte glauben, dass diese überhaupt einen Ball kicken konnten. Doch bevor das Spiel begann, hielt Karsten Schulz eine kurze Rede, in der er seine Wertschätzung für den Amputierten-Sport darlegte und in diesem Rahmen offiziell die gespendeten Pro-Uganda-Trikots an die Mannschaft übergab.

Mit den neuen Trikots ging es anschließend zum gemeinsamen Gruppenbild. Danach folgte die Aufwärmphase der beiden Teams. Dabei konnte man schon schnell erkennen, dass das Amputierten-Team durch das regelmäßige Training eine eingespielte Routine hatte, während das Pro-Uganda-Werkstatt-Team noch nie gemeinsam gespielt hatte. Aber ihnen war dennoch die Freude und der Spaß ins Gesicht geschrieben.

Unmittelbar vor Spielbeginn sprach der Schiedsrichter mit den zwei Mannschaftskapitänen. Aus Fairness und Solidarität sollte der Torwart des Werkstatt-Teams ebenfalls nur mit einem Arm spielen, so wie Torwart Mario bei der Amputierten-Mannschaft. Dann eröffnete der Schiedsrichter das Spiel. Rege ging es los, und kurzzeitig hatte man den Eindruck, dass das Werkstatt-Team das Spiel dominierte. Doch das täuschte, denn schon ein wenig später zeigte der Gegner, was er draufhatte. Bereits nach sechs Minuten fiel das 1:0 für die Amputierten. Die Zuschauer applaudierten, jubelten und lachten. Jetzt hatte es sie so richtig gepackt, und sie staunten, welche Leistung gezeigt wurde.

Verdientes Unentschieden

Weiter ging es recht ausgeglichen hin und her, bis schließlich das Werkstatt-Team ausgleichen konnte. Danach erfolgte mit dem 2:1 die erneute Führung des Amputierten-Team. Aber bis zur Halbzeit-Pause konnte das Werkstatt-Team wieder den Ausgleich machen. In der brennenden Nachmittagssonne ging es zur zweiten Halbzeit. Nach vielen Zweikämpfen und einige guten Tormöglichkeiten von beiden Seiten gelang es dem Werkstatt-Team, das erste Mal in Führung zu gehen. Das hielt sich jedoch nicht allzu lange. Nach einem sauberen Passspiel der Gegner gelang ihnen der Ausgleich. Mit jeder weiteren Minute bis zum Abpfiff schwand die Kraft des Werkstatt-Teams deutlich. Einige Spieler quälten sich am Boden mit Wadenkrämpfen. Doch dann kam der erlösende Abpfiff mit dem 3:3-Endstand. Die Dorfbewohner waren sichtbar begeistert von der Leistung der Amputierten. Dieses außergewöhnliche Spiel wird ihnen noch lange in Erinnerung bleiben! Die beiden Teams klatschten sich freundschaftlich ab und genossen danach auf dem Gelände von Pro Uganda kühle Getränke. bur

Torwart Mario bekam viel Applaus für seinen Einsatz.

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