Steffen Wernard geht im Februar alleine in die Wahl ums Bürgermeisteramt.
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Steffen Wernard geht im Februar alleine in die Wahl ums Bürgermeisteramt.

Usinger Bürgermeisterwahl mit einem Kandidaten

Steffen Wernard (CDU) geht alleine ins Rennen

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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"Ich werbe für eine hohe Wahlbeteiligung"Gestern, 18 Uhr, war sozusagen Bewerbungsschluss. Und weil es nur einen Kandidaten gibt, ist der Ausgang der Bürgermeisterwahl im Februar vorgezeichnet. The "one and only" ist Amtsinhaber Steffen Wernard (CDU). Er gab gestern TZ-Redakteur Andreas Burger noch ein Interview, nachdem die Bewerbungsfrist endete.

Und nun ist es doch passiert: Sie gehen als alleiniger Kandidat ins Bürgermeister-Rennen. Erleichtert?

Erleichterung ist vielleicht nicht das richtige Wort. Einerseits gehört es zum Wesen der Wahl, dass man zwischen mehreren Kandidaten auswählen kann. Andererseits ist es ja auch bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl so, dass die Wählerinnen und Wähler die Wahl zwischen "Ja" oder "Nein" haben. Für mich bedeutet das, dass ich mich im Wahlkampf zwar nicht mit einem Gegenkandidaten auseinandersetzen muss, dass es aber darum geht, möglichst viele Wähler davon zu überzeugen, an der Wahl teilzunehmen. Ich freue mich über jede Ja-Stimme, weil ich diese als eine Bestätigung meiner Arbeit empfinde. Daher werde ich in den nächsten Wochen dafür werben, dass viele Wähler an die Wahlurne gehen oder sich per Briefwahl an der Wahl beteiligen.

Wie Sie richtig sagen, kann man zwischen "Ja" und "Nein" wählen, und den Wahlzettel auch ungültig machen.

Das stimmt so nicht, eine "Nein"-Stimme macht den Wahlzettel nicht ungültig, sondern ist ein Votum, dass derjenige, der mit "Nein" stimmt, mich als Bürgermeister nicht wählen will. Wenn die "Nein"-Stimmen überwiegen, bin ich also abgewählt. Kommt es demzufolge zu einer nur sehr geringen Wahlbeteiligung, und die Erfahrungen bei Direktwahlen mit nur einem Kandidaten zeigen, dass dies durchaus der Fall sein kann, und beteiligen sich im Wesentlichen die Bürgerinnen und Bürger an der Wahl, die mit "Nein" stimmen wollen, so kann es zu einer Abwahl kommen. Daher ist auch oder vielleicht sogar gerade bei einer Direktwahl die Frage der Wahlbeteiligung enorm wichtig. Für mich aber nicht nur aus dem genannten Grund, sondern weil ich mich sehr darüber freuen würde, wenn diejenigen Bürgerinnen und Bürger, die mit meiner Arbeit als Bürgermeister zufrieden sind, dies durch ein positives Wahlvotum zum Ausdruck bringen würden. Ein solches Votum wäre für mich nicht nur die Bestätigung meiner Arbeit. Eine hohe Wahlbeteiligung, respektive Unterstützung seitens der Bürger, würde auch die Position des direkt gewählten Bürgermeisters gegenüber der Politik festigen.

Da dürften Sie aber mit der CDU-SPD-Mehrheit keine Probleme haben.

Nicht alle Themen sind immer einmütig, es gibt durchaus unterschiedliche Auffassungen zu Sachfragen. Dies gilt nicht nur in der Koalition, sondern manchmal auch innerhalb der Partei. Nur weil man eine Koalition eingegangen ist oder einer Partei angehört, muss man ja nicht alles vom gleichen Standpunkt aus sehen. Aber ja: Mit einer Mehrheit im Rücken ist der Job deutlich einfacher. Da hatte es mein Amtsvorgänger Matthias Drexelius in der Zeit ohne CDU und FWG im Stadtparlament deutlich schwerer.

Sie betonen oft, dass der Job Spaß macht, man etwas bewegen kann, gestalten. Bewegt sich ein Bürgermeister Wernard eventuell auch mal in die größere Politik?

Das scheint Ihre Standardfrage zu sein . . .

. . . was daran liegt, dass viele erfolgreiche Bürgermeister den Job als Sprungbrett in die Landes- oder Bundespolitik genutzt haben.

Mag sein. Aber ich bin mit diesem Job absolut zufrieden. Wir haben in meiner letzten Amtszeit - und der davor (schmunzelt) - so viel angestoßen, dass ich diese Themen alle auch beenden möchte.

Ruhm und Ehre?

Es wäre gelogen, dass man nicht zufrieden ist, wenn man Erfolg in Sachfragen und Themen hat. Wie sagte einst ein Fußballtrainer: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert." Aber es geht hier nicht allein um eine persönliche Bestätigung, der Grund ist auch ein anderer. Viele Themen schlagen sich sehr deutlich im Haushalt nieder, wir haben einen nicht ausgeglichenen Haushalt und müssen an die Rücklagen, weil wir kräftig investieren. Und diese Investitionen sind sinnvoll, sie bringen die Stadt einen riesigen Schritt nach vorn. Aber ich will einem möglichen Nachfolger keine Schulden hinterlassen, nach dem Motto verbranntes Feld. Sollte ich irgendwann nicht mehr Bürgermeister sein, dann möchte ich eine saubere Übergabe haben und ein bestelltes Feld hinterlassen. Das ist aber im Moment überhaupt nicht in Sicht. Ich liebe den Job als Bürgermeister von Usingen, ich brenne darauf, Usingen weiter zu entwickeln und zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zu gestalten. Eine schönere und vor allen Dingen interessantere Aufgabe kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen.

Schauen wir noch mal auf die Wahl im Februar. Den Wahlkampf können Sie locker angehen.

Könnte ich vielleicht, werde ich aber aus den genannten Gründen nicht. Klar ist, dass die Pandemie größere persönliche Veranstaltungen verbietet, eventuell sogar Hausbesuche. Ich denke an Wahlstände im Freien und, was das Gebot der Stunde ist, auch Online-Debatten mit den Bürgern und der Politik. Es würde mich wirklich sehr freuen, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger die entsprechenden Angebote, die ich - auch zusammen mit der CDU - machen werde, annehmen und es zu einer möglichst breiten und fruchtbaren Diskussion kommen würde. Unterschiedliche Sichtweisen, die einem präsentiert werden, haben immer zur Folge, dass man über diese und auch über die eigene Vorstellung nachdenkt. Im Gespräch miteinander kann man meines Erachtens nur klüger werden. Ich werde jedenfalls um jede Stimme kämpfen, bis zum Schluss. Und vor allem um eine hohe Wahlbeteiligung.

Wann startet denn der Feldzug?

Jetzt gehen wir erst einmal in die Adventszeit und dann in die Weihnachtsferien. Gerade am Ende eines so fordernden Jahres haben die Bürgerinnen und Bürger es verdient, dass sie in der Adventszeit zur Ruhe kommen und sich auf ein hoffentlich schönes Weihnachtsfest und einige Ruhetage vorbereiten können. Da halte ich es für nicht sinnvoll, mit Wahlkampfangeboten die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest zu stören. Aber im neuen Jahr starte ich dann mit meinem Wahlkampfteam durch. Und ich freue mich darauf.

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