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Stilberatung für Kandidaten: Steffen Wernard - Modisch mit authentischem Dialekt

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Steffen Wernard empfängt uns im blauen Anzug und der schwarz-gelben Usingen-Krawatte, die Stilberaterin Vera Eiselstein schon im Internet, sagen wir, außergewöhnlich fand.

Steffen Wernard empfängt uns im blauen Anzug und der schwarz-gelben Usingen-Krawatte, die Stilberaterin Vera Eiselstein schon im Internet, sagen wir, außergewöhnlich fand. Dem Autor fällt Biene Maja ein, was aber despektierlich wäre und er deshalb nicht laut sagt. Schwarze Schuhe, der Bürstenschnitt und als modisches Beiwerk gerade mal eine Uhr und der Ehering. So geht’s in die Stilberatung.

Was bei einem Mann auch einfacher ist als bei einer Frau. Denn ein Anzug gehört zum Amt dazu. „Klar, privat ziehe ich mich leger an, aber im Amt passt das einfach nicht“, sagt Wernard. Der übrigens maßgeschneidert trägt. „Ich bin nicht der Turnschuh-Typ.“

Bei der Frage Eiselsteins, ob er die Kleidung darauf auslegt, welche Wirkung er erzielen will, ist erst mal Redepause. Mode und Wirkung. Kennt auch der Autor nicht. Dafür hat er gelernt, wie man sich für welchen Anlass anzieht. Denn schon in der Ausbildung wurde bei ihm schnell klar: Kleider machen Leute.

„Ich musste in meiner Zeit im Kreishaus mal überraschend zu Landrat Jürgen Banzer ins Büro und hatte nur Jeans und T-Shirt an. Das passiert mir nie wieder.“

Viel auszusetzen hat die Stilberaterin nicht, zumal die Auswahl bei Männern nicht so groß ist. „Schwarzer Anzug zeigt Macht. Blau unterstreicht den Typ und blaue Krawatten passen zu den Augen“, schätzt sie den Bürgermeister ab. „Braune Farben schaffen mehr Nähe.“

Schmuck ist bei Männern in diesen Positionen tabu, eine Uhr mit Lederband ist edel. Ohrringe? „Tabu.“ Aber auch hellblau steht dem Kandidaten, sagt Eiselstein. Dazu gerne hellblaue Hemden oder rosa, auf jeden Fall einfarbig. „Die Kleidung ist immer darauf ausgelegt: Was will ich erreichen, was will ich ausdrücken? Aber Männer haben bei der Mode nicht so viel Spielraum. Natürlich geht im Alltag eines Bürgermeisters auch mal eine Stoffhose und ein Jackett ohne Krawatte.“

Bleibt noch ein Blick aufs Verhalten. Steffen Wernard lehnt sich beim Gespräch stets vor, die Arme fest auf dem Tisch. „Das zeigt: Ich höre zu, ich bin im Thema. Zurücklehnen heißt, ich verabschiede mich aus der Diskussion, ich bin unaufmerksam, das interessiert nicht“, sagt die Beraterin. Allerdings könne man so auch Distanz schaffen.

Auffällig: Der Usinger „Bub“ spricht Dialekt. Das s wird zum sch oder ch. Eiselstein betont, dass dies gerade bei Auftritten in der Öffentlichkeit Nähe schaffe. Zeigt: Ich bin einer von euch. „Aber bei Repräsentationsterminen würde ich darauf verzichten“ meint sie. Meint Wernard nicht. „Ich bin doch Usinger und rede eben den Dialekt. Alles andere wäre nicht authentisch.“

Was ist noch wichtig? Ein kurzer Blick Eiselsteins auf den Bürgermeister, und sie betont: „Der Auftritt muss gepflegt sein. Ausgetretene Schuhe zeigen Nachlässigkeit, ungepflegte Haare stoßen ab. Wer Bart trägt, muss diesen auch pflegen.“

Mode und Mann: Da muss die Frage gestellt werden. Wer kauft denn die Kleidung für den Mann ein? „Ich selbst. Und am liebsten die Anzüge maßgeschneidert, denn die sind kaum teurer als von der Stange, sitzen aber perfekt.“ Klar, seine Frau begleite ihn ab und an, aber was er trage, bestimme er selbst. Zudem hätten sie einen ziemlich deckungsgleichen Geschmack. Eiselstein: „Die getragene Mode muss immer authentisch sein. Aufgesetzt geht nicht und fällt negativ auf.“ Dies gelte auch für Gesten. Inhalte mit den Händen unterstreichen, bringe Bewegung in die Diskussion, wildes Fuchteln mache die Zuhörer aber nervös.

(bur)

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