+
Viele Exemplare des Stinktierkohls hat Stefan Villmer vom Forstamt Königstein schon ausgegraben.

Unerwünschte Monokultur

Der Stinktierkohl kann nicht im Hochtaunus bleiben

  • schließen

So ein eigentlich hübsches Gewächs ist der Stinktierkohl. Nein, er stinkt nicht, er riecht bloß ein bisschen süßlich-modrig. Sein Name stammt aus dem Herkunftsland der Pflanze, dem amerikanischen Kontinent. Dort findet der gelb blühende Aronstab von Kalifornien bis Alaska reichlich sumpfige Standorte, und dort hätte er eigentlich bleiben sollen.

So ein eigentlich hübsches Gewächs ist der Stinktierkohl. Nein, er stinkt nicht, er riecht bloß ein bisschen süßlich-modrig. Sein Name stammt aus dem Herkunftsland der Pflanze, dem amerikanischen Kontinent. Dort findet der gelb blühende Aronstab von Kalifornien bis Alaska reichlich sumpfige Standorte, und dort hätte er eigentlich bleiben sollen.

Hierzulande indes verdrängt der Stinktierkohl mit seinem kräftigen und dichten Wuchs die heimische Flora, so dass anstelle von natürlicher Vielfalt eine unerwünschte Monokultur entsteht – der Tod eines jeden Biotops. Und unter dem Verschwinden heimischer Pflanzenarten leidet die gesamte Lebensgemeinschaft an Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren, die nicht mehr genügend Nahrung oder Unterschlupf findet.

Hierzulande betrifft dies im Falle des Stinktierkohls die Feldbergregion. Denn genau dort, an den Ufern kleiner Bäche, hat Dr. Beate Albert-ernst vor mehreren Jahren erstmals den Neophyt, die Pflanze, die sich in Gebieten ansiedelt, in denen sie zuvor nicht heimisch war, entdeckt. Die Biologin ist Expertin für invasive Pflanzen, studiert deren Verbreitung und sucht nach geeigneten Vernichtungsmöglichkeiten.

„Der Stinktierkohl ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Alberternst, die mit Hans-Jörg Sommer vom Forstamt Königstein und Volker Grüner von der Oberen Naturschutzbehörde nach Niederreifenberg gekommen ist. Dort, wo ein Quellbach der Weil durch ein als Flora-Fauna-Habitat (FFH) geschütztes Gebiet sprudelt, hat sich der invasive Aronstab am sumpfigen Ufer eingenistet.

Die Biologin hat etwa 50 Meter des Bachlaufs mit dem Neophyten entdeckt. Dieser Tage war ein Trupp vom Forstamt angerückt, der sich über den kräftigen Kohl hermachte und jede Pflanze mit Stumpf und Stiel aus dem Boden zog.

„Das hilft in diesem Fall“, freute sich Alberternst über den Erfolg der Aktion, die sie 2004 gestartet hatte. Damit auf der geschützten Feuchtwiese seltene Orchideen, Seggen und Moose weiterhin gedeihen können, zählt die Biologin alljährlich den aktuellen Bestand und leitet eine entsprechende Vernichtungsaktion ein. Bei der aktuellen Aktion hat Alberternst nur noch etwa 50 Exemplare des Stinktierkohls gefunden. Seit 2004 wurden schon mehr als 83 000 Pflanzen vernichtet. Und das allein auf einem etwa 85 Quadratkilometer großen Gebiet rund um den Feldberg.

Die Biologin plädiert an die Vernunft der Bevölkerung, besonders im Hinblick auf die Entsorgung von Gartenabfällen. Sie gehörten nicht in die Landschaft, wo sich so manches aggressive Gewächs unkontrolliert verbreiten könne. Außerdem werden Spaziergänger gebeten, eventuelle Funde des Stinktierkohls zu melden unter b.alberternst@online.de oder unter der Nummer (0 60 31) 1 60 92 33.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare