Einzigartiges Modell in Schmitten

Straßensanierungen: Bürger werden fünf Jahre im Voraus informiert

  • schließen

Das neue Straßenbauprogramm liegt vor. Es verzeichnet genau, in welchem Zustand sich die Straßen in Schmitten befinden – und wann sie saniert werden müssen. Eine wichtige Information für den Bürger.

Seit 1997 erstellt die Gemeinde einen Prioritätenplan für den Straßenausbau. Darin werden alle 147 im Eigentum der Gemeinde befindlichen Straßen erfasst und nach ihrem Zustand bewertet. Alle fünf Jahre wird dieses Programm fortgeschrieben beziehungsweise aktualisiert, und jetzt ist es wieder so weit: Am kommenden Montag wird sich als erstes Gremium der Bauausschuss mit dem Straßenbauprogramm für die Jahre 2022 bis 2027 beschäftigen, am 15. Dezember die Gemeindevertretung. Sie wird entscheiden, wo ab 2022 eine Straße saniert oder ausgebaut wird – und die Bürger entweder Straßenbeitragssatzung oder Erschließungsbeitrag zahlen müssen (Lesen Sie dazu auch ZUM THEMA).

Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) und Bauamtsleiter Ulrich Ott bezeichnen den Plan stolz als „Vorzeigemodell“. Ermögliche er es doch, den Bürger im voraus gezielt über die Arbeiten zu informieren. Im voraus heißt in Schmitten schon fünf Jahre, bevor die Bagger anrollen. Denn dann liegt bereits die erste Information aus dem Rathaus im Briefkasten, zwei Jahre später gibt es dann noch einmal eine Erinnerung. „Das ist vorbildlich und einzigartig in ganz Hessen“, sagt Kinkel. „Zwar sind die Kosten zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau bekannt, wir sagen aber schon einmal: Achtung, da kommt was, legt schon einmal Geld zurück“, erklärt der Rathauschef. Dies habe sich bewährt und werde inzwischen von den Bürgern häufig sogar als fair beurteilt.

Doch zurück zum Prioritätenplan, für den zu 60 Prozent der Straßenzustand – gut, mittel, schlecht oder sehr schlecht – und zu 40 Prozent die Straßenart aufgrund ihrer Verkehrsdichte – Anlieger wenig/viel Verkehr, Zubringer wenig/viel Verkehr – anhand eines

Punktesystem

s (von eins bis vier) bewertet werden. So ergibt sich quasi von selbst eine Liste, bei der die Straßen, die aus der Gesamtbeurteilung mit der höchsten Punktzahl hervorgehen, als erste in Angriff genommen werden.

Dies sind die Straße „Im Eichenborn“ in Schmitten, die im nächsten Jahr gemacht werden soll, gefolgt vom Triebweg, der Schubertstraße, der Weilbergstraße, der Altkönigstraße, der Straße „Auf der Mauer“ sowie dem Haidgesweg (hinterer und vorderer Teil). Alle finden sich derzeit in dem Straßenabwicklungsplan 2017 bis 2020 wieder, der auch Gegenstand der Haushaltsberatungen ist.

Für die Jahre nach 2022 sieht der Plan als erste Maßnahmen „Am Lanzenboden“, Hegewiese (erster Bauabschnitt), Galgenfeld, Rauhecksweg, Eichfeldstraße und den unteren Teil des Brunhildenstegs vor. Verzeichnet werden dabei auch die geschätzten Baukosten.

Es ist die vierte Liste, die seit Beginn der Amtszeit von Bürgermeister Kinkel erstellt wird. Inzwischen sehe man, so findet er, Erfolge – auch wenn es noch schlechte Teilbereiche gebe. So befänden sich heute 73 Prozent der Schmittener Straßen in einem guten bis mittleren Zustand, nur 20 Prozent seien schlecht, der Rest sehr schlecht.

Kinkel und Ott weisen darauf hin, dass bei einer Sanierung immer auch Kanal- und Wasserleitungen mit gemacht werden. Oft sei deren Erneuerung sogar wichtiger als die eigentliche Straßendecke. Zudem kommen sie auf die gesetzliche Anforderung der Eigenkontrollverordnung zu sprechen, bei der bis 2025 alle 3400 Hausanschlüsse zu überprüfen sind und beim Straßenbau ebenfalls mit berücksichtigt werden.

Beide halten übrigens gar nichts davon, marode Straßen künftig einfach nur abzufräsen und eine Asphaltschicht aufzubringen, um Geld zu sparen, wie es die b-now in einem Antrag, der in der nächsten Gemeindevertretersitzung behandelt werden soll, vorschlägt. Zum einen würden diese Unterhaltungsmaßnahmen über den Haushalt auf alle Steuerzahler umgelegt, zum anderen sei dies ungerecht gegenüber den Bürgern, die schon einmal im Rahmen der Straßenbeitragssatzung zur Kasse gebeten worden seien und viel Geld hätten zahlen müssen.

Zudem kommt Ott auf die technische Komponente zu sprechen: Eine Straße müsse immer „von unten nach oben“ saniert werden. Sonst könnte es nämlich sein, dass eine frisch mit einer neuen Asphaltschicht versehene Straße wieder aufgerissen werden müsse, wenn ein Jahr später der Hausanschluss zu sanieren sei. „Das ist dann wesentlich teurer und unwirtschaftlich“, stellt Ott fest und betont gleichzeitig, dass die Straßen ohnehin immer wirtschaftlich günstig ausgebaut würden: „Es gibt keine Straßen mit goldenen Lampen und goldenen Kanaldeckeln.“

Der Verwaltungschef weiß aber auch: Wenn die Bürger die Straßenbeitragssatzung zahlen müssen, tut es für die meisten „sehr weh“. Die Summen reichten von 4000 bis 40 000 Euro – je nach Größe des Grundstücks – im Schnitt seien 10 000 bis 15 000 Euro zu zahlen. Allerdings sei es auch möglich, Ratenzahlungen mit der Gemeinde zu vereinbaren. „Wir haben noch immer eine Lösung gefunden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare