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Für viele Pfaffenwiesbacher ist dieses Bild ein Horrorszenario: Die vom Bundesforst geplanten Anlagen am Winterstein. Auch die beteiligten Kommunen wollten dort Windräder bauen, jetzt hat sich aber der Wehrheimer Gemeindevorstand gegen eine Bebauung ausgesprochen. Visualisierung: FNP

Diskussion über Windkraft-Vorrangflächen

Sturm der Entrüstung zeigt Wirkung

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Die FDP hat sich schon länger dem Kampf gegen Windräder verschrieben. Eine Diskussionsveranstaltung im Bürgerhaus zeigt: Die Bedenken sind groß. Das Interesse am Thema auch – mittlerweile.

Sven Carstens brachte es auf den Punkt: „Kurz vor der Kommunalwahl gab es hier, im selben Raum, schon einmal eine Info-Veranstaltung der FDP zum Thema Windkraft in Wehrheim“, führte der stellvertretende FDP-Chef aus. „Wie viele Leute waren damals da? Zehn? Fünf?“

Am Dienstag gab es im Saal 2 des Bürgerhauses ein gänzlich anderes Bild. Stühle wurden geschleppt, Tische nach draußen getragen – dass zwischen 130 und 150 Leute Steinbachs Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) zum Thema Windkraft hören wollen würden, hatten selbst die Organisatoren nicht erwartet.

Doch das Thema pressiert in Wehrheim. Mittlerweile, muss man offenbar ergänzen. Denn weniger als zwei Monate vor Ablauf der Frist zur Einreichung von Stellungnahmen zur 2. Offenlage des Teilplans Erneuerbare Energien – übersetzt heißt das: Das Werk ist auf der Zielgeraden – drängt es die Bürger nach mehr Informationen. Wobei einige Zuhörer in der anschließenden Diskussion teilweise lautstark, monierten bislang zu wenig informiert worden zu sein. Auch die Bürgerinitiativen bekamen Kritik ab: Sie hätten sich bisher zu sehr zurückgehalten, seien zu wenig an die Öffentlichkeit gegangen. Das löste barschen Widerspruch bei anderen Anwesenden aus. Die Infos gab es in der Vergangenheit bereits zu genüge und auch die Bürgerinitiativen waren nachweislich aktiv. Man müsse sich auch selbst informieren und dürfe nicht erwarten, dass an jeder Tür einzeln geklingelt wird, so der Tenor.

Naas, Mitglied der Verbandskammer des Regionalverbandes und der Regionalversammlung Südhessen, präsentierte das Thema Windkraft in einem größerem Kontext.

Interessiert lauschten die Gäste, darunter Mitglieder der BI Winterstein und zahlreiche Besucher aus dem benachbarten Neu-Anspach, den Ausführungen. Naas erklärte die Historie und den ursprünglichen Sinn hinter dem Ziel, zwei Prozent der Fläche des Landes für Windkraft zu reservieren. Zwar kritisierte er das Konzept, betonte aber, dass ein Widerstand derzeit nur unter Berücksichtigung der geltenden rechtlichen Spielregeln möglich sei. Naas verdeutlichte seine Position zu möglichem Widerstand außerhalb dieser Regeln: „Wir ketten uns nicht an Bäume. Wir nutzen die Mittel des Rechtsstaats.“

„Diese Regeln zu ändern ist Sache der nächsten Bundes- und Landesregierung“, warb er für ein starkes liberales Ergebnis im September. Eine „Verhinderungsplanung“, also das Zusammenstreichen der Vorrangflächen auf einen zu niedrigen Wert, sei rechtlich angreifbar. Wobei er bei den derzeit vorgesehenen Flächen im aktuellen Plan für Südhessen noch Luft nach unten sieht, ohne dass eine solche Verhinderungsplanung unterstellt werden könne.

Während Nord- und Mittelhessen ihre Pläne bereits unter Dach und Fach hätten, hinke Südhessen nach. Das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet nehme jedoch in der Praxis eine Sonderrolle ein. Windkraft sei dort schlicht keine Lösung. „Wir brauchen die Flächen anderweitig, etwa für Infrastruktur – Schiene, Straße, Flughafen. Das sind, wie die Windkraft, auch Dinge, die die direkten Anwohner belasten“, aber für das Funktionieren der Gesellschaft nötig seien. Ganz ohne Kompromisse gehe es eben nicht. Was die Energie angeht, könne die Lösung nur in einem Mix liegen, bei dem die Windkraft ein Bestandteil von vielen ist.

Bei den Regelungen für Windkraftanlagen forderte Naas mehr Flexibilität. „Die festen Abstandsregeln zu Siedlungen stammen aus einer Zeit, in der die Anlagen noch kleiner waren. Sinniger wäre die Faustformel: Kleine Anlage, kleiner Abstand – große Anlage, großer Abstand“.

Naas forderte die Anwesenden auf, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, Stellungnahmen einzureichen („ein Tipp, machen Sie es am besten handschriftlich, dann wird es auf jeden Fall gelesen“), beziehungsweise sich politisch oder in einer Bürgerinitiative zu engagieren.

Für die Wehrheimer Teilfläche Süßeberg hatte Naas eine gute Nachricht: „Wenn die Fläche in Gemeindeeigentum ist, brauchen Sie nur ein Parlament, das richtig abstimmt. Dann kann da keiner Anlagen bauen.“ Beim Winterstein, wo neben gemeindlichen Flächen auch der Bundesforst mitmischt, sei es anders. „Da wird es nach Inkrafttreten des Plans schwerer, geplante Anlagen zu verhindern.“

Deswegen sollten sich die Bürger zusammentun und selbst nach fundierten und fachlich anerkannten Gründen suchen, warum sich ein bestimmter Standort nicht eignet. „Der bloße Verdacht, dass da ein Rotmilan ist, reicht da leider nicht“, nannte er ein Beispiel. Besser wäre es da, ein Nest mit Ei präsentieren zu können.

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