Um ein solches Gespinst sollte man einen großen Bogen machen. Das Eiweißgift in den Haaren der Raupen des Eichenprozessionsspinners reizt Haut, Schleimhäute und Augen und kann zu allergischen Reaktionen, Fieber und Schwindel führen.
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Um ein solches Gespinst sollte man einen großen Bogen machen. Das Eiweißgift in den Haaren der Raupen des Eichenprozessionsspinners reizt Haut, Schleimhäute und Augen und kann zu allergischen Reaktionen, Fieber und Schwindel führen.

Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner im Usinger Land

"Süßes Gift" soll den Schädling eindämmen

  • VonEvelyn Kreutz
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Forst setzt Zuckerlösung ein, um Brennhaare zu verkleben

Drei trockene Jahre in Folge haben die Vermehrung des Eichenprozessionsspinners (EPS) begünstigt. Noch nie haben sich so viele seiner Raupen durch die Eichenblätter in den Wäldern des Usinger Landes gefressen. Die giftigen Brennhaare der Raupen sind gefährlich für Menschen und Tiere.

Die Haare können zu Hautausschlägen, Juckreiz und Brennen führen. Weitere Folgen können Reizungen an den Schleimhäuten beim Einatmen der Haare, Bronchitis, Asthma, Schwindel, Fieber und im Extremfall bedrohliche allergische Schockreaktionen sein. Deshalb hängen im Bereich von Rad- und Wanderwegen an bekannten Befallsflächen im Wald Schilder. Diese sollen darauf hinweisen, dass das Betreten der Bereiche auf eigene Gefahr erfolgt.

Keine Pflicht, die Nester zu beseitigen

"Dieser Befall stellt eine typische Gefahr dar, die mit einem Waldbesuch verbunden ist. Aus diesem Grund besteht keine Pflicht zur Beseitigung der Nester. Darüber hinaus ist die Beseitigung aller Gespinste bei einem flächigen Befall im Wald gar nicht möglich", teilt Sebastian Gräf, Leiter des Forstamtes Königstein, auf Anfrage mit. Er weist darauf hin, dass der EPS-Spinner als Wärme liebendes Insekt vom Klimawandel profitiert und sich bei steigenden Temperaturen leichter ausbreiten kann.

In tieferen Lagen seien ganze Eichenbestände kahlgefressen. "Die höheren Lagen in den Schmittener Revieren sind weniger betroffen, hier zeigen sich nur einzelne Ansätze", sagt er und konkretisiert: "In diesem Jahr gibt es nach dem langen Winter im Wald noch kein Aufkommen des EPS, wir wissen nur von vereinzelten Stellen in der Bebauung." In der Nähe von Spielplätzen, Kindergärten, Schulen oder Friedhöfen ist das Absaugen der Nester möglich. Für die großflächige Anwendung sei das aber zu teuer. Der Einsatz von Chemie komme im Forst nicht in Frage.

Für Bereichsleiter Thomas Götz vom Forstamt Weilrod löst der Einsatz von Insektiziden und das Versprühen von Bazillus thunringiensis das Problem nicht, weil damit auch andere Insekten vernichtet werden. Das gelte auch für das nicht ungefährliche Abbrennen, wo bei großen Nestern die Raupen im Innern oft überleben. Er hat im vergangenen Jahr an stark frequentierten Stellen im Wald eine neue biologische Methode zur Bekämpfung ausprobiert.

Tiere werden bewegungsunfähig

Rund um Schutzhütten, an Waldlehr- und Erlebnispfaden sowie im Friedwald wurden die Plagegeister punktuell bekämpft. Konzentrierte Zuckerlösung hat die Brennhaare und die Raupen verklebt, die Tiere bewegungsunfähig gemacht und das Nest am Baum festgehalten. Das verklebte Gespinst bleibt als Klumpen bis zu viere Jahre hängen, zersetzt sich langsam und fällt dann ab. Vor allem werden in der Zwischenzeit die Gifthärchen nicht verweht werden. Das hat 2020 geholfen. Revierförsterin Birgit Wetzel hat im extrem betroffenen Bereich um den Winterstein festgestellt, dass im Boden oder in extremer Höhe viele Exemplare überlebt haben und sich wieder neue Populationen bilden. Sie sagt: "Es ist schlimmer als in allen Jahren zuvor."

Weilrods Forstamtleiter Jörg Deutschländer-Wolf meint zur diesjährigen Entwicklung: "Nach dem kühlen und feuchten Frühjahr und Frühsommer schien sich die Vermehrung des EPS in diesem Jahr etwas abgeschwächt zu haben." Nach nur wenigen Tagen mit über 30 Grad Celsius sei das Aufkommen des EPS regelrecht explodiert. "Im Verhältnis zum Vorjahr sind es in diesem Jahr schon deutlich mehr, auch in Bereichen, die vorher nicht betroffen waren." Er führt das auf geschwächte Eichen zurück. "Geschwächte Bäume sind immer anfällig für Schädlinge", weiß er.

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