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Zeigen wollen sich die Kunden von ?Aufgetischt? nicht, wenn sie zwei Mal pro Woche Lebensmittel beim DRK abholen. Fragen nach Nationalitäten stellen sich hier nicht.

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Tafel: Nicht nur Deutsche auf der Warteliste

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Die Essener Tafel möchte bis auf weiteres nur noch deutsche Kunden aufnehmen und verhängte in der vergangenen Woche deshalb für alle anderen einen Aufnahmestopp. Die Empörung schlägt derzeit Wellen. Und wie sieht’s dazu in Usingen aus? Wir haben bei der Lebensmittelausgabe nachgefragt.

Ein eisiger Wind pfiff gestern Morgen über das Gelände des DRK in der Hattsteiner Allee. Im Stundentakt rollten die Kleintransporter auf den Hof, um Körbe mit Lebensmitteln in den kleinen Bau zu schleppen. „Aufgetischt“ ist an der Tür zu lesen, ein Name, den sich der Usinger Ortsverein des DRK selbst überlegt hat, weil man sich bewusst nicht der Tafel und ihrem Regelwerk anschließen wollte.

Faktisch betrachtet, ist „Aufgetischt“ aber nichts anderes, als

eine Ausgabestelle für Menschen mit Hartz IV oder für jene, die ihr Einkommen aufstocken müssen, weil es trotz Verdienst zum Leben nicht reicht.

„Derzeit haben wir 125 Bedarfsgemeinschaften“, schildert Birgit Hahn auf Nachfrage. Weitere 100 stehen auf der Warteliste. Hahn, die auch nach der Abgabe ihres Vorstandsamtes immer noch Ansprechpartnerin in Sachen Lebensmittelausgabe ist, hat in ihrer Zeit als Vorsitzende des DRK bereits die Lebensmittelausgabe initiiert und kann sich über die Nachfrage nicht beschweren. Im Gegenteil. „Wir hatten in der Vergangenheit für die Nachrücker bis zu 12, 13 Monate Wartezeiten, derzeit müssen neue Kunden aber immer noch mit einer Wartezeit von neun bis zehn Monaten rechnen“, sagte Hahn.

Immer noch eine lange Zeit. Warten, ist in der Tat auch das Stichwort, wenn es um die Entscheidung der Tafel in Essen geht, die derzeit für massive Empörung in den Medien sorgt. So hat sich die Tafel entschieden, bis auf weiteres keine neuen Bedürftigen ohne deutschen Pass anzunehmen.

In Usingen sieht Hahn das sehr kritisch. „Die Entscheidung der Tafelverantwortlichen in Essen halte ich für äußerst brisant und unvernünftig, auch wenn ich deren Organisation nicht kenne“, sagt sie. „Ein

gerechter Umgang mit allen

Teilnehmenden an solchen Einrichtungen und den Anfragenden auf

der Warteliste ist für uns Ehrenamtliche in Usingen eine Selbstverständlichkeit.“

Wer sich bei „Aufgetischt“ in Usingen anmeldet, der werde in der Reihenfolge der Anmeldung angenommen, unabhängig von Nationalität, Alter oder Größe der Bedarfsgemeinschaft. Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger sei sicherlich am Größten, diejenigen die ihren Grundbedarf aufstocken hingegen würden maximal zehn Prozent ausmachen.

Um Stress beim Abholen zu vermeiden, haben die Usinger feste Uhrzeiten zum Vergeben. „Das vermeidet Stress und wir halten das auch sehr konsequent ein, denn sonst gibt es ein unangenehmes Gedrängel“, sagte Hahn. Das kam in der Tat in der Vergangenheit schon vor, doch die Situationen waren „vollkommen unabhängig von irgendwelchen Nationalitäten nicht schön“.

Dass maximal sechs Kunden binnen eines festgelegten Zeitraums zum Abholen kommen dürfen, verhindert das Drängeln in dem winzigen Vorraum. Durch die festen Abholzeiten soll aber auch sicher gestellt werden, dass die Kunden auch wirklich kommen. „Wer früher kommt, muss draußen warten“, sagt Hahn. Wer pünktlich ist, kann rein. Diese Regelung verhindert die Enge und gibt den Ehrenamtlichen die Sicherheit, dass, wer zu spät kommt, an diesem Tag offenbar keine Lebensmittel braucht.

„Wer später kommt oder es nicht schafft, muss anrufen, sonst geben wir die Lebensmittel weiter“, so Hahn. Bis auf wenige Ausnahmen funktioniere das in der Praxis auch sehr gut. Allerdings eben auch nur, solange die Ehrenamtlichen konsequent an der Vereinbarung festhalten, dass die jeweiligen Körbe nur binnen der festgesetzten Uhrzeit abzuholen sind. Maximal eine halbe Stunde Zeit haben die Kunden, danach werden die Lebensmittel für andere frei gegeben, „denn wir können hier nichts lagern“, betont Hahn. Spätestens um 17 Uhr muss der Raum der Ausgabe sauber sein, damit die Ehrenamtlichen am Mittwoch zu einer neuen Ausgabe-Runde starten können.

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