1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Usingen

„Taunusbahn muss eine Zukunft bekommen“

Erstellt:

Von: Matthias Pieren

Kommentare

Wie stehen die Chancen, die aktuell in Brandoberndorf (Foto) endenden Bahngleise der Taunusbahn auf einer alten Bahntrasse zur Lahn weiterzuführen?
Wie stehen die Chancen, die aktuell in Brandoberndorf (Foto) endenden Bahngleise der Taunusbahn auf einer alten Bahntrasse zur Lahn weiterzuführen? © map

Kontroverse zwischen RMV und Pro Bahn über Reaktivierung der Solmstalbahn. Hohe Kosten erwartet.

Usinger Land -Direkte Zugverbindungen von Wetzlar über das Lahntal, Albshausen, Braunfels, Brandoberndorf und Grävenwiesbach nach Usingen standen bis 1985 im Fahrplan der damaligen Deutschen Bundesbahn. Und in der vergangenen Woche hatte diese Zeitung über einen Vorschlag der Fahrgastlobby Hochtaunus berichtet, die ab Brandoberndorf zur Lahn führende Trasse der einstigen Solmstalbahn zu reaktivieren. Die Idee: Nach dem Betriebsstart der bis Usingen verlängerten S 5 solle der verbliebene Abschnitt der Taunusbahn von Usingen bis Grävenwiesbach und Brandoberndorf aufgewertet werden, indem man jene Bahnlinie wieder flottmache.

Die Deutsche Bundesbahn hatte nach der Stilllegung 1985 veranlasst, auf zwei Dritteln dieser Bahntrasse die Gleise und Infrastruktur abzubauen. Doch die eigentliche Bahntrasse zwischen Brandoberndorf und Albshausen sei unverändert erhalten geblieben und nicht überbaut worden.

„Es braucht nur guten Willen“

„Eine Reaktivierung der Bahntrasse wäre mit gutem Willen möglich. Die Taunusbahn muss eine Zukunft bekommen“, meint dazu Fahrgastlobby-Sprecher Bernd Vorlaeufer-Germer. „Es müsste lediglich ein längst verfüllter, etwa 100 Meter langer Tunnel bei Burgsolms freigelegt werden.“ Zudem seien zwei mittlerweile abgebaute Brücken über Landstraßen neu zu bauen und natürlich die alte Bahntrasse zu stabilisieren und mit neuen Gleisen auszustatten. Doch wundert es kaum: Genau diese bei einer Wiederaufnahme des Bahnbetriebs entstehenden Kosten sind offenbar zu hoch.

„Im März dieses Jahres hat ein Fachgutachten gezeigt, dass es keine Aussicht auf eine Bundesförderung für die Reaktivierung der Solmstalbahn gibt“, teilt die RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann auf Anfrage mit. Die Wiederherstellung und Unterhaltung einer betriebsbereiten Infrastruktur zwischen Brandoberndorf und Albshausen sei mit erheblichen Kosten verbunden, die in keinem ausreichenden Verhältnis zum Nutzen stünden. Deutliche Kritik am besagten und von der Hessischen Landesregierung in Auftrag gegebenen Fachgutachten übt nun der Fahrgastverband Pro Bahn. Dieser geht in einer Pressemitteilung sogar von bewussten Falschdarstellungen aus, um mögliche Strecken-Reaktivierungen zu verhindern.

In der Bestandsaufnahme des Gutachtens über die Reaktivierung der Solmstalbahn sei fälschlicherweise davon ausgegangen worden, es gebe Überbauungen dieser Bahntrasse. „Das ist eine Behauptung, der ausdrücklich widersprochen werden muss“, teilt Pro Bahn mit. „Die gesamte Solmsbachtal-Bahntrasse ist an keiner Stelle überbaut.“

Dadurch erfolge eine schlechtere Bewertung der Wirtschaftlichkeit, welches einem „Vorsatz zur Verhinderung der Schiene“ gleichkomme. „Für die Solmsbachtalbahn wurden viele Zugvarianten wie Direktzüge nach Frankfurt oder aus dem Taunus bis zum Unicampus in Gießen gar nicht einbezogen. Das Potenzial wurde nur rudimentär untersucht.“ An anderer Stelle spricht Pro Bahn sogar von einem „Vorsatz zum Scheitern“, welcher dem zitierten Gutachten zugrunde liege.

Neue Prüfung macht Sinn

„Die Landesregierung hat ein überaltertes Bewertungsverfahren angesetzt, obwohl die Bundesregierung längst ein neues angekündigt hatte.“ Durch dieses bewusste Vorgehen sei von vornherein klar gewesen, dass eine stillgelegte Bahnstrecke im ländlichen Raum niemals die alten Kriterien zur Reaktivierung erfüllen werde.

Tatsächlich räumt der RMV gegenüber dieser Zeitung ein, dass bei veränderten Rahmenbedingungen bei der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen eine erneute Prüfung durchaus sinnvoll werden könne. Falls sich die Dinge dahingehend ändern, würde der RMV in Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis als ÖPNV-Aufgabenträger seine solche Prüfung angehen. Von Matthias Pieren

Auch interessant

Kommentare