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Die Samba-Jünger aus Neuenhain haben sich in diesem Jahr als Wichtel verkleidet.

Besucher in Kostümen

Tausende Biker auf dem Großen Feldberg

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Es werden immer mehr, denn den Partyspaß lassen sich die meisten, die einmal oben waren auf dem Taunus-Gipfel, nicht mehr entgehen.

Autopoiese oder Autopoiesis lautet der wissenschaftliche Begriff für die Selbsterschaffung und Selbstorganisation von Prozessen, und das trifft im Falle des Bikertreffens auf dem Feldberg den Nagel auf den Kopf.

Tausende waren auch am diesjährigen Heiligabend auf den Taunusgipfel gekommen, aber wer nach einem Verantwortlichen fragte, bekam höchstens Schulterzucken zur Antwort. Mit anderen Worten, es gibt keinen Organisator, das Ding, das einige Biker vor Jahrzehnten angestoßen haben, hat sich verselbstständigt, und so viele wie am jüngsten 24. waren schon lange nicht mehr oben, trotz des diesigen und nasskalten Wetters. Aber: „Es war schon kälter“, hörte man hier und da. Die meisten kommen immer wieder und müssen es wissen. Eiszapfen hingen schon an den Bäumen bei Minusgraden und frostigem Wind. Aber die hartgesottenen Feldbergfahrer schreckt dies nicht ab, und viele kommen zudem gut vorbereitet, haben Wärmequellen dabei, sei es den selbstgebauten Kanonenofen, den sie ebenso anzünden wie Schwedenfeuer, Schalenfeuer oder Grills. Hier und da bruzzelt eine Bratwurst, oder der Glühwein wird darauf warmgehalten.

Was als Bikertreffen begann, hat sich zum Treffen origineller Fahrzeuge und Vehikel entwickelt, und wenn auch die Zweiräder mit oder ohne Beiwagen noch die Mehrheit stellen, so machen die Schlepper- und Traktorfahrer denselben Konkurrenz. Quadfahrer kommen jedes Jahr auch mehr dazu, die Dreirad-ähnlichen Gärtnereifahrzeuge sind ebenfalls auf dem Vormarsch, einige Militärfahrzeuge sind darunter, wogegen sich die Oldtimer in diesem Jahr etwas rar gemacht haben. Wer etwas auf sich hält, hat den Gepäckträger mit weihnachtlichen Accessoires geschmückt, einen Nikolausmantel an oder zumindest eine rote Zipfelmütze auf. Kleine oder größere Weihnachtsbäume haben einige sogar auf den Maschinen oder Anhängern montiert, und schrille Outfits sind auch stets zu sehen. Besonders beliebt sind wärmende Faschingskostüme wie ein Hasen-Overall oder Eisbärfell.

Auch das Unterhaltungsprogramm organisiert sich stets selbst: Ein Alphornbläser postierte sich zum wiederholten Mal vor dem Feldberghof, aus Musikanlagen schallte es weihnachtlich oder rockig, und der Höhepunkt sind alljährlich die Samba-Jünger aus Neuenhain, die immer kostümiert den Gipfel erklimmen. Mit ihren Trommeln und Rasseln formierten sie sich diesmal als Wichtel vor dem Gipfelkreuz und trommelten brasilianische Rhythmen, bei denen das Ruhigstehen schwerfiel. Die vormittägliche Heiligabend-Fete auf dem Feldberg ist nicht nur Kult für Biker, sondern auch eine Attraktion für Schaulustige. Die mussten zumeist einen langen Anmarsch in Kauf nehmen, denn die Parkplätze rund um den Gipfel waren schon früh restlos belegt.

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