Usingen ist zu laut

Tempo 30 kommt für die ganze Innenstadt

  • vonAndreas Burger
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Der Lärmaktionsplan schreibt konkrete Maßnahmen vor - betroffene Bürger können Zuschüsse beantragen

Es ist ein umfangreiches und sich über Jahre hinziehendes Werk, der Lärmaktionsplan Hessen. In ihm werden für alle Kommunen des Landes exakt die Stellen definiert, die durch jede Art von Verkehr oder Industrie besonders stark beeinträchtigt sind. Begonnen wurde mit der "Krachkarte" 2017, eine Öffentlichkeitsbeteiligung fand bis Anfang 2018 statt, gleiches noch einmal Anfang des Jahres, da dann die Stellungnahmen eingearbeitet worden waren.

Im Mai schließlich kam das Werk dann in der Abschlussfassung in die Öffentlichkeit. Für Usingen könnten die Ergebnisse deutliche Auswirkungen haben, denn in der Stadt ist es an vielen Stellen deutlich zu laut.

Da sich die Bundesstraßen 275 und 456 mitten in der Buchfinkenstadt kreuzen, ist entsprechend Verkehr zu verzeichnen. Zudem kommt auch die Taunusbahn nicht geräuschlos daher. Der Plan gibt sogar die Zahl der betroffenen Bürger an - in der Neutorstraße, Kreuzgasse, Zitzergasse, Wilhelmjstraße, Untergasse und Nauheimer Straße sind tagsüber 437 Bewohner von Krach zwischen 65 und über 75 Dezibel (etwa Lautstärke eines Saxofonspielers) betroffen. An der B 456, Weilburger Straße und Obergasse sind es 463 Menschen, die diesen Geräuschpegel ertragen müssen.

Damit ergab die Berechnung der Lärmaktionsplanung eine Überschreitungen der Werte, um straßenverkehrsrechtliche oder bauliche Projekte anzuordnen, der Straßenbaulastträger, also Hessen Mobil, wurde um Erstellung einer Lärmberechnung gebeten. Im vollständigen Abschnitt Neutorstraße 1 bis 9 und in der Kreuzgasse sowie in der kompletten Zitzergasse werden die Werte, die Umbauten rechtfertigen, sowohl tagsüber als auch nachts überschritten.

In den Bereichen Obergasse und Untergasse werden die Richtwerte der Lärmschutzrichtlinie an fast allen geprüften Immissionsorten überschritten. In der Untergasse wurden Lärmpegel bis zu 77 Dezibel gemessen. Hier bleiben trotz der geprüften Geschwindigkeitsreduzierung an neun Gebäuden Überschreitungen der Richtwerte am Tag und in der Nacht bestehen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer zeigt eine überwiegende Pegelminderung von bis zu drei Dezibel.

Im Bereich der B 275 sind zudem an 70 Gebäuden die Lärmsanierungswerte überschritten. Haus- und Wohnungseigentümer können daher bei Hessen Mobil Anträge auf Prüfung der Bezuschussung von passivem Schallschutz (in der Regel Schallschutzfenster und Belüftungseinrichtungen) stellen. Das gilt auch für die Obergasse und Teile der Weilburger Straße.

Die Konsequenz: Usingens Innenstadt wird zur großen Tempo-30-Zone, wie auch Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) bestätigte. Die Anordnung der Tempo-Reduzierung ganztags ist laut des Plans erforderlich und auch geeignet, um die Geräuschimmissionen wirksam zu reduzieren und so die Richtwerte der Lärmschutz-Richtlinien einzuhalten.

Wann nun die Anordnung vom Kreis für die Temporeduzierung kommt, das steht laut Wernard noch nicht fest. Denn derzeit sind die Behörden mit der Pandemie gut ausgelastet, zudem hat ein Personalwechsel in diesem Zuständigkeitsbereich Auswirkungen, wie Wernard sagte. Denn zuständig ist für eine solches Vorhaben nun einmal die Straßenverkehrsbehörde, also der Kreis.

Besserung ist laut des Plans sowieso in Aussicht, denn die Nordostumgehung wird im Plan als Heilmittel für den Krach definiert. Mit der Umgehungsstraße werde die Verkehrssituation in Usingen deutlich entlastet und führe durch eine erhöhte Verkehrssicherheit, abnehmende Lärm- und Abgasbelastung sowie einer dann möglichen umweltfreundlichen städtischen Gestaltung zu einer erhöhten Lebensqualität im Stadtbereich.

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