Das Clubhaus des Usinger THC am 21. Mai 1984: Sponsor Hans Jochen Schulz, Organisator Matthias Uhrig und UTHC-Vorsitzender Erhard Wenzel (stehend, von links) empfangen die russischen Spieler. Rechts vorne der spätere Sieger Alexander Zverev, Vater des aktuellen Weltklassespielers.
+
Das Clubhaus des Usinger THC am 21. Mai 1984: Sponsor Hans Jochen Schulz, Organisator Matthias Uhrig und UTHC-Vorsitzender Erhard Wenzel (stehend, von links) empfangen die russischen Spieler. Rechts vorne der spätere Sieger Alexander Zverev, Vater des aktuellen Weltklassespielers.

Seit 61 Jahren ist der Usinger THC eine Talentschmiede

Tennisverein holt die ausgefallene Jubiläumsfeier nach

  • VonGerhard Strohmann
    schließen

Spieler aus dem Verein haben es bis an die Weltspitze gebracht

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - und wer Dirk Rabis kennt, der weiß, dass sich der umtriebige Vorsitzende des Usinger Tennis- und Hockeyclubs (UTHC) eine Gelegenheit zum Feiern nur schwerlich entgehen lässt.

Das Coronavirus hat den Usinger Rückschlagsportlern bei den Planungen für das 60-jährige Vereinsbestehen im vergangenen Jahr einen kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht. Den Vorstand des Tennisclubs vom Hattsteinweiher ficht das allerdings nicht weiter an: Dann findet die Feier halt 2021 statt und soll - Stand heute - am Abend des 2. Oktober in prächtigem Rahmen auf dem Clubgelände über die Bühne gehen.

Boris Becker und Steffi Graf waren noch nicht geboren, als einige Usinger Bürger am 4. Juli 1960 einen Tennisverein aus der Taufe gehoben haben. Initiator des mutigen Projekts war Studienrat Dr. Heinz-Wilhelm "Jacky" Hill, ein überaus beliebter Pädagoge an der Christian-Wirth-Schule. Dessen Begeisterung für die Idee und dessen Engagement ist es zu verdanken, dass am 23. September 1961 im Schlossgarten zwei Tennisplätze eingeweiht werden konnten.

Im Jahr 1965 kam am Friedhofsweg ein Clubhaus hinzu, in dem später der Usinger Carneval-Verein seine Heimat gefunden hat und das aktuell als Impfzentrum dient.

Schnell an die Grenzen gestoßen

Der rasch wachsende Verein stieß mit nur zwei Plätzen schnell an seine Grenzen, und deshalb musste bezüglich der Neuaufnahmen eine Warteliste angelegt werden, auf der sogar der Name von Olympia-Teilnehmerin Dagmar Fuhrmann stand. Auch dem Chronisten war wegen dieser Beschränkungen seinerzeit der Beitritt verwehrt worden.

Bei der Suche nach einem besseren Standort mit mehr Möglichkeiten zur Expansion kam dem UTHC ein Windbruch zu Hilfe, durch den ein großes Gelände in der Nähe des Hattsteinweihers freigepustet wurde. 1982 erfolgte der Umzug des Tennisclubs auf die neue Anlage, auf der den Mitgliedern nun vier Plätze und ein "Center Court" zur Verfügung standen.

Hockey als kurzes Intermezzo

Durch ein Clubhaus mit sanitären Einrichtungen und die Tennishalle ist die Infrastruktur erheblich verbessert worden und durch den Anschluss des Tennis-Vereins Hattsteinweiher sind Synergie-Effekte entstanden, die der gemeinsamen Sache im Sinne des Sports zuträglich waren.

Dass die Hockeyabteilung, die 1977 durch die persönlichen Initiative eines CWS-Lehrers entstanden ist, nicht lange existierte, war wegen des fehlenden Spielfelds und wenig Interesse an dieser Sportart keine sonderlich große Überraschung. Im Vereinsnamen der Usinger THC ist das "H" aber bis auf den heutigen Tag enthalten und verleiht dem Club in der hessischen Tennis-Szene eine Art Alleinstellungmerkmal - sieht man einmal vom Hanauer THC ab.

In den 1980er Jahren ist die Anlage am Hattsteinweiher sogar Austragungsort von Profi-Turnieren mit großer medialer Beachtung gewesen, wobei 1983 unter der Regie der Organisatoren Matthias Uhrig und Siegfried Steinmetz auf dem "Center Court" um den Cando-Cup und in den beiden nachfolgenden Jahren um den "alfa-Systemküchen-Cup" gespielt wurde.

1984 wurde sogar das mit 20 000 Mark dotierte Masters eines ATP-Circuits in Usingen ausgetragen, wobei das Endspiel von einem gewissen Alexander Zverev gewonnen wurde. Dabei handelte es sich bei dem damals 24-jährigen um den Vater des heutigen Weltklasse-Spielers mit dem selben Namen, dessen Herr Papa in seiner aktiven Zeit 16 Daviscup-Spiele für Russland bestritten hat. Im Finale hat sich Zverev senior vor 37 Jahren gegen Karl Meiler übrigens glatt durchgesetzt.

Sind es damals die Spieler der Weltelite gewesen, die den Namen der Buchfinkenstadt über Hessens Grenzen hinaus bekannt gemacht haben, so sind es aktuell zwei heimische Tennis-Cracks, die dafür sorgen, dass Usingen und sein UTHC auf internationaler Ebene einen exzellenten Ruf genießen.

Zum einen der 33-jährige Profi Tim Pütz, der seit einigen Wochen mit seiner Familie wieder unweit der Buchfinkenhalle wohnt und bei den Olympischen Spielen in Tokio an der Seite von French-Open-Sieger Kevin Krawietz zum Einsatz gekommen ist. Und zum zweiten das 18-jährige Ausnahmetalent Mara Guth, das als Mitglied der deutschen Junioren-Nationalmannschaft am Samstag in Klosters in der Schweiz an der Seite von Julia Middendorf vom TV Visbek Jugend-Europameisterin im Damen-Doppel geworden ist.

Ungewöhnliche Doppel bei der Charity-Veranstaltung 2016: Azra Mann (von links), Jugend-Europameisterin Mara Guth, Steven Moneke und Olympia-Teilnehmer Tim Pütz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare