Parken

Die teuersten Knöllchen in der Stadt

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Parken in Usingen kann teuer werden, unterschiedlich teuer: Wer in der Neutorstraße länger als eine Stunde parkt, muss mit 36 Euro rechnen. Bei Edeka ist es deutlich billiger – drei Stunden umsonst, danach 20 Euro. Die Stadt nimmt sogar nur zehn Euro.

Viele Jahre stand der „alte HL“ an der Neutorstraße leer. Jetzt ist dort der Discounter „Action“ eingezogen, es gibt den Zahnarzt, seit kurzem ein Physiotherapiezentrum, „Momo“, den Bio-Markt, sowie den „Goldie-Markt“. Alle brauchen Parkplätze, und damit sie die bekommen, hat Grundstücksbesitzer Kadir Furat einem Unternehmen für Parkraumbewirtschaftung, „Parkwatcher 365“, die 80 Stellplätze überlassen.

„Die Parkplatzsituation war ein Problem, viele glaubten, es sei ein öffentlicher Parkplatz. Schilder haben nichts gebracht, die Wildparkerei ging weiter“, sagt Furat. Als Notlösung habe er sich an „Parkwatcher“ gewandt. Jetzt herrsche Ordnung, bei Missachtung der Hausordnung gebe es „Knöllchen“. Dadurch sei die kostenlose Nutzung der Parkplätze für die Kunden gewährleistet, eine Parkscheibe vorausgesetzt. Furat will seinen Mietern Parkplätze bieten: „Sonst würde ich eine Vertragsstrafe riskieren.“ Natürlich habe er Parkwatcher angehalten, Kulanz walten zu lassen.

Caglar Auer, Geschäftsführer bei Parkwatcher, hält 30 Euro als „erhöhtes Parkentgelt“ für angemessen, man bewege sich im rechtlichen Rahmen: „Was wir nehmen dürfen, ist nirgendwo geregelt.“ Auch dass zu den 30 Euro noch 6 Euro „Auslagen“ kommen, sei okay, „das kostet uns die Halterabfrage“. Dass eine fehlende oder überzogene Parkscheibe beim Usinger Ordnungsamt nur 10 Euro, noch dazu ohne Gebühr kostet, weiß Auer auch. Er sagt aber: „Die Stadt hat einen Steuerzahler im Rücken und kann bei der Ahndung von Verstößen anders kalkulieren, wir brauchen das Geld, um unsere Mitarbeiter bezahlen zu können.“ Warum die Konkurrenz, der 100 Meter Luftlinie entfernte Edeka mit 20 Euro auskommt, wisse er nicht.

Im Übrigen betont Auer die Kulanz seine Mitarbeiter: „Wir sind nicht die böse Parkraumüberwachung.“ Sein Auftrag sei es, Fremdparker höflich zu bewegen, woanders zu parken. Wer sich nicht daran halte und die freundliche Ansprache ignoriere, müsse eben zahlen. Man sei auch nicht kleinlich, wenn die Parkzeit um ein paar Minuten überzogen oder mit einem Rad auf der Trennlinie geparkt werde.

Von dem in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) erwähnten Rauchverbot auf dem Parkplatz weiß Auer indes nichts. Er habe die AGB nicht selbst formuliert, sondern ein Anwaltsbüro. Eine Stunde kostenloses Parken sei genug, schließlich gelte das ja nur für die Kunden der Anliegergeschäfte. Verbringe man mehr als eine Stunde beim Zahnarzt, müsse man sich vom Behandler auf einem Zettel ein „Alibi“ geben lassen.

Falsch parke aber, wer nach Einkäufen bei Momo oder Action innerhalb der gebuchten Stunde noch rasch auf den Markt oder in die Apotheke geht. Wenn der Kontrolleur das sehe, gebe es ein „Knöllchen“.

Freundlich war der Mann, der am Donnerstag auf dem Parkplatz für Ordnung sorgte, in der Tat. Parkende wurden höflich gebeten, die Parkscheibe auszulegen. Wer keine hatte, bekam eine geschenkt.

Das will auch Edeka-Chef Bernd Reckelkamm machen. Auch er hat unter Fremdparkern auf dem Gemeinschaftsparkplatz am Fachmarktzentrum, oft bis zu 30 am Tag, zu leiden. Handwerkerautos hätten dort oft mehrere Tage geparkt. Reckelkamm, der die Parkbewirtschaftung beim Grundstückseigentümer angeregt hat – wer länger als drei Stunden parkt, muss mit einem 20-Euro-„Ticket“ rechnen – , sagt jedoch, dass man den Bogen nicht durch kleinliche Aufschreiberei überspannen dürfe: „Wir wollen keine Kunden verärgern, ihnen aber jederzeit Parkplätze anbieten.“

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