Das ist The Sign (von links): David Kranz (Mischpult, Technik), Gabi Kranz (Gesang), Andreas Schwarze (Keyboards), Frank Krüger (Schlagzeug, Percussion), Georg Jörges (Bass, Gitarre, Gesang, Bluesharp), Agnes Eisele (Gesang, Flöten, Gitarre, Keyboard) und Andreas Becker (Gitarren, Technik).
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Das ist The Sign (von links): David Kranz (Mischpult, Technik), Gabi Kranz (Gesang), Andreas Schwarze (Keyboards), Frank Krüger (Schlagzeug, Percussion), Georg Jörges (Bass, Gitarre, Gesang, Bluesharp), Agnes Eisele (Gesang, Flöten, Gitarre, Keyboard) und Andreas Becker (Gitarren, Technik).

Usinger Kirchenmusiker der anderen Art

The Sign kann nach langer Pause wieder auftreten

  • Andreas Burger
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Das Interesse der Jugend für Pop-Gottesdienste lässt nach

Am kommenden Sonntag treten sie erstmals nach langer Corona-Pause wieder einmal auf: The Sign, als Sacro-Pop-Gruppe bezeichnet, gestaltet den Gottesdienst in der St.-Laurentius-Kirche (11 Uhr). Und auch den Musikern fällt ein Stein vom Herzen, dass sie endlich wieder einmal gemeinsam und live die Chance haben, Musik zu machen.

Andreas Becker als Kopf der Gruppe, Frank Krüger, Andreas Schwarze, Gabi Kranz, David Kranz, Georg Jörges und Agnes Eisele, das sind die sieben, die zwar nicht durch die ganze Welt kommen, aber immerhin durchs Rhein-Main-Gebiet und sich einen guten Namen gemacht haben.

Seit 1995 Sacro-Pop

Es war 1995, als eine Gruppe auf die Idee kam, beim Gottesdienst zur Erstkommunion vielleicht etwa mehr zu bieten als Orgelmusik und Gesang. So fanden sich Musiker zusammen, die diese Feier gestalteten, noch einige wenige Mal gemeinsam spielten, um sich dann wieder aufzulösen. Georg Jörges, bis 1996 ein Weilroder, heute in Oberursel sesshaft, blieb als einziger der damaligen Stammbesetzung "hängen". Denn die damalige Gruppe beschloss schon kurz nach der Auflösung, diese Auflösung wieder rückgängig zu machen und fortan als "The Sign" Gottesdienste und sogar Festivals zu bereichern.

Geprobt wird einmal die Woche (in Normalzeiten), ab und an kommt man auch zur Grillfete zusammen. "Wir haben jetzt nicht die ganz feste Struktur wie große Bands und sind auch kein Verein mit Satzung", sagt Jörges. Gespielt wird, weil es Spaß macht, ohne Satzungen und Vorgaben.

Sie haben eigentlich alle einen Bezug zur Kirche. Jörges etwa war im Usinger Kirchenchor aktiv. Agnes Eisele leitet mit ihrer musikalischen Ausbildung Kinderchöre, auch in der Diözese und organisierte einen Familienprojektchor. Becker hat im Kirchen-Verwaltungsrat und Gemeinderat Erfahrung, selbst bei der Kommunionvorbereitung haben die Musiker ihre Hände im Spiel. Und: Sie sind überzeugte Christen. "Sonst würden wir das ja nicht machen", schmunzelt Becker. "Und diese Musik ist ein Ausdruck des Glaubens", ergänzt Eisele.

Aber: Sie sehen die momentane Entwicklung in der Kirche mit Sorge. Nicht wegen der Pandemie, sondern weil das Interesse der Menschen an Kirche schwindet. Und sie stellen fest, dass auch der etwas andere Gottesdienst, gerade mit der Sacro-Pop-Gruppe, nicht die Wende bringt.

"Wir hatten mal bis zu 40 Auftritte im Jahr, waren bis in den Rheingau eingeladen, etwa nach Geisenheim. Aber die Zeiten sind vorbei, die Nachfrage und die Bereitschaft der Menschen, die Gottesdienste zu besuchen, gibt es nicht mehr", hat Becker festgestellt.

"Ich beschäftige mich seit den 70er Jahren mit der Kirche. Damals war es noch etwas besonderes, wenn eine Gruppe im Gottesdienst spielte. Und wir konnten auch Jugendliche erreichen. Heute funktioniert das nicht mehr. Selbst wenn man Gottesdienste anders gestaltet, erreicht man nicht mehr die Zahl von Menschen wie noch vor 40 Jahren", resümiert auch Becker.

Mehr Menschen erreichen

Könnte digital die Wende bringen - mehr Gottesdienste ins Internet übertragen? "Ich habe meine Zweifel", so Becker und wird von den anderen unterstützt. "Es gibt ja Übertragungen von Gottesdiensten, teils professionell gemacht. Natürlich erreicht der Gottesdienst dann mehr Menschen, weil sich noch welche zuschalten. Aber dass die Zukunft im Digitalen liegt, glaube ich nicht, selbst wenn es zusätzlich den Auftritt einer Musikgruppe zu sehen gibt." Aber es sei natürlich gut, wenn mehr Menschen so von der Kirche erreicht würden.

Jörges: "Der Trend ist insgesamt rückläufig. Hier in Oberursel etwa gibt es so etwas wie junge Gottesdienste gar nicht mehr, weil sie nicht nachgefragt sind." Es bleibe beim klassischen Gottesdienst.

Und wie kann dann aus Sicht der engagierten Band Kirche die Menschen mehr erreichen? "Das hängt wie in vielen Bereichen von den agierenden Menschen ab, von den Pfarrern sehr wesentlich. Sehen Sie, der Vorgänger von Paul Lawatsch, Pfarrer Paul, der hatte immer fast 100 Messdiener zusammen. Und hat so die Jugend erreicht. Direkte Ansprache, das war der Erfolg. Aber heute bei der Großgemeinde und dem wesentlich geringeren Personalschlüssel ist das gar nicht mehr möglich." Es fehlten so oft die persönlichen Beziehungen.

"Schon fürs Usinger Land ist die Struktur der katholischen Gemeinschaft zu groß geworden, zu unpersönlich."

Dennoch: "Alles steht und fällt mit den Personen, die an der Spitze stehen. Sind sie charismatisch, können mit Menschen und haben ein Ohr für alle Probleme, haben die Gemeinden Zukunft." Und so ist auch die logische Schlussfolgerung, dass sich die Kirche von Immobilien trennen wird.

Ohne eine feste Nutzung auch durch die Bürger, ohne den regelmäßigen Gottesdienstbesuch, würden Kirchentreffs und auch Kirchen einfach zu teuer, da nicht genutzt. Das Desinteresse sei Grundlage für diese Entwicklung.

Dennoch: The Sign bleibt am Ball respektive den Instrumenten. Am Donnerstag, 23. Dezember, treten sie um 20 Uhr in St. Laurentius im Schlagweg wieder auf. Das machen sie - bis auf 2020 - seit 20 Jahren und stimmen so die Besucher aufs kommende Fest ein.

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