Die Rehe haben den Schutz des Waldes verlassen und äsen mit Blick auf Wehrheim.
+
Die Rehe haben den Schutz des Waldes verlassen und äsen mit Blick auf Wehrheim.

Im Usinger Land bekommt das Wild große Probleme

Tiere sind wegen Trockenheit und Borkenkäfer ohne richtige Heimat

  • vonEvelyn Kreutz
    schließen

Besucherdruck nimmt zu und lässt auch die letzten Rückzugsorte schwinden

Im Taunus haben sich die Lebensbedingungen für das Wild stark verändert. Denn Wildtiere finden immer weniger Rückzugsflächen, weil gleichzeitig immer mehr Wanderer und Freizeitsportler die scheuen Tiere verjagen. Und weil der Wald in seiner Fläche durch Dürre und Schädlinge ausgedünnt werden musste. Der Wert der von den Jägern gepachteten Flächen sinkt.

"In meinem Revier in Arnoldshain und Reifenberg bis hoch zum Feldberg habe ich den Abschuss nicht erfüllt", berichtet Jagdpächter Heinz Vest. Er stellt fest: "Das Revier ist schon lange nicht mehr seine Pacht wert." Auch die Verbisspauschale, die in der Pacht enthalten sei, erscheine ihm zu hoch. "Es ist ja inzwischen nur noch die Hälfte der Bäume da". Seit drei Jahren räche sich, dass der Forst früher zu sehr auf die schnellwachsende Fichte gesetzt habe. "Monokulturen waren noch nie gut für den Wald", ist er überzeugt.

Tiere verlassen das Revier

Aktuell zieht viel Wild aus seinem Revier ab, weil die Tiere weder genug Nahrung noch ausreichend Schutzzonen haben.

Seit Corona hat vor allem unterhalb des Feldbergs der Besucherdruck deutlich stärker zugenommen als in den meisten anderen Revieren. "Die Besucher aus der Stadt haben kein Verständnis dafür, dass das Wild Ruhe braucht und bevölkern nicht nur die Wege, sondern laufen überall im Wald herum", ärgert sich Vest. Er plädiert dafür, den Zugang zu Nebenwegen zu versperren, damit die wenigen noch vorhandenen Rückzugszonen für das Wild erhalten bleiben.

Von Verhandlungen zur Reduzierung der Jagdpachten hält Vest nichts. "Wir sind ja alle betroffen", meint er und geht davon aus: "In zwei bis drei Jahren werden wir hoffentlich wieder Dickungen haben." Und wenn mehr Laubholz gepflanzt werde, verbesserten Eicheln und Eckern nachhaltig das Nahrungsangebot für das Wild.

Ähnlich wie Vest sieht das auch Jagdpächter Klaus Pöhlmann. In seinem Revier in Merzhausen ist der Besucherdruck nicht ganz so hoch. Der 72-Jährige weiß: "Solange Radfahrer und Wanderer auf den Wegen bleiben, können sich die Tiere damit arrangieren."

Hochsitze ohne Wald

Doch die Kahlflächen haben auch seinem Revier die Situation maßgeblich verändert. "Etliche Hochsitze werden dort, wo sie stehen, nicht mehr gebraucht, weil das Wild sich verzogen hat."

Stattdessen sollen neu bepflanzte Flächen verstärkt bejagt werden, damit das Rehwild die frischen Spitzen der zarten Pflänzchen nicht vernascht. Dafür hat Pöhlmann erst kürzlich vier neue Hochsitze errichtet. Die mobilen Ansitze braucht er im Sommer im freien Feld um landwirtschaftliche Flächen vor Wildschäden zu schützen.

Pöhlmann Resümee: "Es wird immer schwieriger das Wild zu bekommen. Die Tiere kommen zu anderen Zeiten an andere Orte, und wir haben deutlich mehr zu tun, um die festgelegten Abschusszahlen zu erbringen." Auch er ist nicht für eine Reduzierung der Jagdpachten und meint: "Die Stadt hat schon genug zu bezahlen." So laufe derzeit im Stadtwald in seinem Revier ein Pilotprojekt. Dort werden neben neuen Baumarten zusätzlich Verbissgehölze angepflanzt, um das Wild von der eigentlichen Pflanzung abzuhalten.

"Die Jagdpachten zu reduzieren oder auszusetzen wäre das falsche Signal", sagt auch Frank Cernic, der Vorsitzende der Jägervereinigung Usingen. Er hat beobachtet: "Es brechen durch das Fichtensterben auch für das Wild ganze Lebensräume weg." Wenn angelegte Äsungsflächen nur noch von Kahlflächen umgeben seien, bleibe das Wild aus. Und er stellt fest, dass die sensiblen Tiere die Wiederaufforstungsflächen zusehends meiden, wenn sie verstärkt bejagt werden.

Kontraproduktiv sei es jedoch, wenn ein extra aufgestellter Hochsitz später in einem Gatter stehe.

Die Jäger wollen laut Cernic ihren Beitrag zur Lösung des Problems leisten, seien aber auf die Zusammenarbeit mit den Verpächtern, dem Forst und dem Naturpark Taunus angewiesen. Die Verpächter seien gefordert Wildruhezonen einzurichten und diese auch vor den Besuchern zu schützen. "Der Freizeitdruck auf den Wald hat enorm zugenommen", so Cernic. Er kann nicht nachvollziehen, dass Mountainbikestrecken ausgewiesen werden, die durch den weniger werdenden Restwald führen, wo es die wenigen Einstände für das Wild gibt. "Wir brauchen eine Besucherlenkung, damit die Leute nicht länger zu den Zufluchtsecken des Wildes durchdringen", so Cernic.

Er hofft, dass sich in den nächsten fünf Jahren neue Biotope bilden und spricht sich für eine gemeinsame Strategie mit Waldbesitzern und Forst aus. Evelyn Kreutz

Jagdpächter Klaus Pöhlmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare