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Die exzellenten Musiker von Opus 4 schlüpften in die Rollen der Bremer Stadtmusikanten und waren so ein Genuss für die Ohren, Augen und Lachmuskeln der Zuhörer.

Posaunen bei Opus 4

Ein tierisches Vergnügen

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Die vier Posaunisten aus Leipzig sind in Wehrheim schon fast zu Hause. Dieses Mal hatte Opus 4 sogar die Bremer Stadtmusikanten mitgebracht.

Eine Posaune sorgt meist nicht für große Furore. Doch die Posaunisten von Opus 4 beweisen, dass in dem Instrument mehr steckt als klassische Werke – das laute „I-aah“ eines Esels etwa, das „Wauwau“ eines Hundes, eine miauende Katze und ein krähender Hahn erklangen fast naturgetreu.

Die mehr als 100 Besucher in der evangelischen Kirche hätten jedoch auch ohne Posaunen-Stimmen erraten, dass es im Werk von Jan Koetsier (1911 bis 2006) um die Bremer Stadtmusikanten geht, denn der Bassist Hans-Martin Schlegel steckte unter einem Eselskopf, die beiden Tenorposaunisten Stephan Meiner und Dirk Lehmann hatten sich in Hund und Katze verwandelt, während Jörg Richter, der das Quartett zusammen mit Dirk Lehmann im Jahr 2004 gegründet hatte, unter dem Hahnenkopf schwitzte.

Sie übertrugen gefühlvoll und dramatisch die Traurigkeit der Tiere, den Streit der Räuber und die Freude von Esel, Hund, Katze und Hahn am neuen Heim. Jörg Richter ist seit 1984 erster Soloposaunist des Gewandhausorchesters Leipzig, und er hat viele Stücke passend für vier Posaunen umgeschrieben. Der Auftritt war ihr vierter im Apfeldorf, und Richter versicherte, dass Opus 4 gerne wieder komme.

Vor allem, wenn die Musiker von Organistin Regine Strasburger so exzellent an der Orgel begleitet würden. Schon beim ersten Stück, der „Toccata Athalanta a 8“ von Aurelio Bonelli für Posaunen und Orgel, war das Publikum begeistert. Die Orgel auf der Empore, die Posaunisten ihr gegenüber – der Klang mag bei so manchem Gänsehautgefühl ausgelöst haben. Nicht minder festlich das „Multiplicanti sunt“ von Ascanio Trombetti, und das dritte der Reihe italienischer Komponisten des frühen Barock, „Gloria“ von Claudio Monteverdi – gespielt auf passenden Barock-Posaunen.

Das deutsche Magnifikat von Heinrich Schütz war ursprünglich für vier Stimmen komponiert, aber Richter erklärte schmunzelnd: „Da wir des Singens nicht so mächtig sind, haben wir es für Posaunen umgeschrieben.“

Das war indes nicht die einzige Gelegenheit, für das Publikum kräftig zu klatschen, aber auch herzhaft zu lachen. Klar, dass ein Konzert von Leipziger Musikern nicht ohne eine Komposition von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) geht, und so stand die Kantate „Wachet auf, ruft die Stimme“ auf dem Programm. Nach Anton Bruckners (1824 bis 1896) dreiteiligem „Ave Maria“ und dem zeitgenössischen Stück von Kurt Grahl, geboren 1947, mit dem Titel „B-A-C-H“, folgte die unglaubliche Verwandlung der Musiker in die Stadtmusikanten.

Gerade an dieser so leicht anmutenden musikalischen Posse wurde das Können der Musiker deutlich. Nach einem exzellent intonierten Medley bekannter Stücke von George Gershwin (1898 bis 1932) wollten die Zuhörer noch lange nicht gehen, aber mit der vierten Zugabe ging die Ausdauer der Musiker denn doch zu Ende – und das teilten sie dem Publikum auf ihre Weise mit: mit dem Bach-Choral „Es ist genug.“

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