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Am Tag der Trauung sprang das Auto nicht mehr an

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Von: Gerrit Mai

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Karin und Gerhard Wiesner sind seit 50 Jahren verheiratet. Sie leben gerne in Wehrheim und lieben ihren Garten.
Karin und Gerhard Wiesner sind seit 50 Jahren verheiratet. Sie leben gerne in Wehrheim und lieben ihren Garten. © Gerrit Mai

Dass Gerhard Wiesner seit 50 Jahren mit einer Amerikanerin verheiratet ist, ist kaum zu glauben, denn eigentlich ist seine Karin ein echt hessisches Mädchen. Den Pass, der sie an ihre Kindheit in den USA erinnert, möchte sie auch behalten.

Am Futterhäuschen auf dem Balkon von Karin und Gerhard Wiesner herrscht Hochbetrieb. Die Eheleute genießen es, die Meisen und Finken zu beobachten, wie sie Sonnenblumenkerne ergattern und auf den nächsten Baum flattern, um sie zu knabbern.

Heute werden sie sicher nicht so viel Zeit für die Vögel haben, denn die Eheleute feiern goldene Hochzeit. Vor 50 Jahren haben sie sich vor dem Standesbeamten in Bad Homburg das Ja-Wort gegeben. Mit großem Brimborium feiern wollen sie jedoch nicht, dafür gab es in letzter Zeit zu viele gesundheitliche Probleme. Aber erinnern möchten sie sich gerne – zum Beispiel daran, dass das Auto nach der standesamtlichen Trauung nicht anspringen wollte.

Besondere Begebenheiten

Der 1. Dezember 1967 war aber noch in anderer Hinsicht etwas Besonderes. An diesem Tag sind sie in ihr Haus in der Limesstraße eingezogen. Die 50 Ehejahre sind so schnell vergangen, dass es Karin und Gerhard Wiesner selbst noch nicht richtig begreifen können.

In Pohlheim hatte die gebürtige Frankfurterin den Mann aus Gießen kennen gelernt – und beide hatten sich verliebt. Damals war sie gerade aus Amerika zurück, wohin sie mit ihren Eltern nach dem Krieg gegangen war. Die Mutter hatte Heimweh, und so ging es nach 16 Jahren zurück nach Hessen.

Ein Erinnerungsstück ist der heute 75-Jährigen noch geblieben: der amerikanische Pass, und den möchte sie nicht hergeben. Die Kinder Frank und Gabi hatten die doppelte Staatsbürgerschaft, während sie sich für die amerikanische entschied.

In den 60er Jahren kam ihr die Sprache zugute, denn sie fand bei der US-Armee in Frankfurt Arbeit. Wehrheim hatte sich das Paar als neue Heimat ausgesucht, weil hier mit der Familie Himmelreich entfernte Verwandte lebten, und später arbeitete sie auch lange Zeit im Geschäft von Albert Allendörfer. Ehemann Gerhard war bis zum Ruhestand 2004 Kassenleiter im Bad Homburger Krankenhaus. Er spielt seit 62 Jahren Tischtennis, der Turn- und Sport-Gemeinde ist er fast ebenso lange treu wie seiner Frau: Im Januar werden es 50 Jahre.

Sport und Gemeinschaft

Er hat sich mehr als zwei Jahrzehnte im Vorstand engagiert, war Abteilungsleiter und Kassenwart. Gerhard Wiesner liebt Tischtennis, weil Sport gut tut. „Aber auch wegen der Gemeinschaft.“

Seit Karin Wiesner vor 17 Jahren einen Schlaganfall erlitt, ist das Leben schwieriger geworden, aber einige Tage in der Woche steht sie gerne ganz früh auf. Dann begleitet sie Tochter Gabi, die mit ihrem Mann Thomas in Köppern einen Blumenladen führt, zum Großmarkt nach Frankfurt. Und wenn die Tochter mittags zum Essen kommt, genießen sie das Zusammensein, denn Familie ist ihnen wichtig. Vor einigen Jahren ist sogar unverhofft noch mehr dazu gekommen, denn sie lernte drei Schwestern und einen Bruder kennen. Wie das kam? Ihre Eltern hatten Karin Wiesner adoptiert. Sie forschte aber erst nach dem Tod der Mutter nach den leiblichen Eltern, denn bessere Eltern kann sie sich nicht vorstellen, und die wollte sie nicht kränken. „Ich wollte nie ein Einzelkind sein, jetzt habe ich Geschwister, und die sind ganz lieb.“ Sie wohnen allerdings in Bayern, nicht gerade um die Ecke. Aber da das Jubelpaar gerne Urlaub im Allgäu gemacht hat, war ein Besuch schnell vereinbart.

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