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Geht der Kranich fremd, nimmt es ihm Frau Kranich richtig übel.

Ornithologe Ernst Paul Dörfler

Treue ist nicht jedervogels Sache

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Der Frühling lockt sie hervor: Die starken Frühlingsgefühle. Das ist auch bei den Vögeln nicht anders und beginnt mit dem ersten Lustgeträller, bis es für einige wieder ab in den Süden geht. Dann ist meist Schluss mit Liebe und Beziehungen. Doch dazwischen passiert so allerlei.

Die Stühle reichten am Donnerstag nicht aus – es mussten zusätzliche gestellt werden, als der BUND zum Vortrag ins evangelische Gemeindehaus eingeladen hatte. So interessant erschien das Thema über „Liebeslust und Ehefrust“ der Vögel, das Ernst Paul Dörfler, ostdeutscher Natur- und Umweltschützer der ersten Stunde, vortrug.

Ja, der Mensch käme alleine nicht viel weiter als bis zum Kühlschrank, erklärte der Referent. Also heiße es: Suchen und finden, nämlich den geeigneten Partner. Dann starte das Näherkommen. Wie? „Na ja, entweder man unternimmt einen gemeinsamen Ausflug oder man isst zusammen“, sagte Ernst Paul Dörfler. Gerade das Essen sei ein Geschenk – und das zeige der Frau die Qualität des Mannes, die sich auf seine Fitness, seinen Ernährungszustand und auch seinen Immunstatus beziehe. Denn nur qualitativ gute Männer können auch genügend Nachkommen zeugen.

Dörfler ging noch weiter. Die Qualität des Mannes zeige sich auch in der Brillanz seiner Farben und natürlich in der Länge seines Schwanzes. Hoppla! Wo waren die Zuhörer denn hier gelandet? Keine Bange, es handelte sich nicht um obszöne Abgründe, sondern um das Liebesleben der Vögel. Ein Thema, an das sich bisher noch niemand so recht herangetraut habe, wie Dörfler erklärte.

Mit seinen humorvollen Kommentaren, seinem Sachverstand und imposanten Tierbildern führte der Tier- und Naturschützer, sowie Autor vieler Naturbücher in die vielschichtigen Beziehungsmodelle der Vögel ein, die tatsächlich so manches mit den menschlichen Bedürfnissen gemein hatten.

Da umschwärmt das Männchen das Weibchen, macht schließlich den Heiratsantrag und wird gegebenenfalls, wenn alles stimmt, erhört. Bis dahin versucht er seiner Holden zu imponieren, legt jede Menge Farbe auf, singt herzzerreißend bis schluchzend und schmetternd. Und bleibt still, sobald das Ziel erreicht ist, wie das Beispiel der Nachtigall zeigte.

Der Star bevorzuge die Saison-Ehe und lege, um diese zu erreichen, sogar die Bruthöhle mit Apfelblüten aus. „Kleine Männchen wollen besonders imponieren“, sagte Ernst Paul Dörfler. Wie der Zaunkönig, der gleich viele „Immobilien“ anlege. Ja, die Ehe sei in der Vogelwelt ein erfolgreiches Modell. Aber der Konkurrenzdruck sei enorm. Es komme eben nur der Beste und Fitteste zum Zuge und in den Genuss, seine Gene weitergeben zu dürfen.

Da sei ein Hahnenkampf nicht selten unter den Männchen. „Doch das Weibchen schaut dabei zu und paart sich nur mit dem Sieger“, erklärte Dörfler.

Die Heckenbraunelle bevorzuge hingegen flexible Verhältnisse bis hin zum Quartett. Monogam seien dagegen die Schwäne, die besonders Kopf- und Halskraulen lieben. Eine gleichberechtigte Beziehung leben die Kraniche. „Entdeckt der Partner, dass der andere ihn betrügt, fliegen Federn“, sagte Ernst Paul Dörfler. Am treuesten seien jedoch Kauze und Eulen. Und, auch recht überraschend: Es gebe unter Vögeln gleichgeschlechtliche Beziehungen. Einen Tipp gab Dörfler seinen Zuhörern mit auf den Weg. Der Rabe sei der klügste Vogel. Und der bevorzuge erst einmal eine monogame Beziehung. Die jedoch stelle er nach einem Jahr auf den Prüfstand und entscheide sich dann neu – entweder für oder aber auch gegen den jeweiligen Partner.

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