Konzert in Oberreifenberg

Trio erweckt alten Jazz zum Leben

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Zum ersten Mal war die Kirche in Oberreifenberg richtig voll, als das International Trio spielte. Es hat sich herumgesprochen, welche renommierten Jazz-Größen der Burgverein jedes Jahr in die Feldberggemeinde holt. Selten hört man den klassischen alten Jazz so authentisch und gleichzeitig so lebendig.

Echte Fans des traditionellen Jazz versäumen es nicht, wenn das International Trio einmal im Jahr am Ende seiner Europa-Tournee in der katholischen Kirche St. Georg in Oberreifenberg auftritt. Jedes Jahr kann der Burgverein ein paar neue Zuhörer für diese Weltklasseformation begeistern. Kaum jemand hat nämlich den klassischen alten Jazz so verinnerlicht und spielt ihn so frisch wie Klarinettist Reimer von Essen und Schlagzeuger Trevor Richards.

Seit 36 Jahren holen sie jedes Jahr für eine Tournee als Trio die besten Jazzpianisten nach Europa, zum 19. Mal machten sie Station in der Feldberggemeinde. Der Erlös des Benefizkonzertes kommt weiteren Restaurierungsarbeiten an der Burganlage zugute.

Die großen Pianisten der ersten Stunde leben nicht mehr, aber schon im vorigen Jahr hatte Paul Asaro aus Chicago gezeigt, dass er zu den aufeinander abgestimmten Ausnahmemusikern passt, auch wenn er einer anderen Generation angehört. Dass das Trio als Quartett auftritt, liegt an Dauer-Stargast Olivier Franc, der das Sopransaxofon so unvergleichlich spielt, dass er als einziger Europäer regelmäßig nach New Orleans eingeladen wird. Ein solches Aufgebot musste einen besonderen Abend bereiten.

Schon der Auftakt mit dem Jazzklassiker „Dinah“ machte klar: Hier sind nicht nur Profis am Werk, sondern echte Vollblutmusiker, die ihre Musik lieben und leben und gerne auch mit den Zuhörern teilen. Das International Trio, das ist mehr als nur kraftvolle Rhythmen und gefühlvolle Harmonien. Durch blindes Verstehen im Zusammenspiel und geniale Soli machen die Musiker erst den Facettenreichtum dieser Musik hör- und spürbar. Wer sich nicht so gut in dieser Musikrichtung auskannte, dem halfen die Informationen, die Reimer von Essen zu den Stücken lieferte.

Am besten ließ man sich aber einfach mitreißen, wenn Franc und von Essen ihren heiß geliebten Jazz zelebrierten, wenn Richards mit seinen unnachahmlich melodiösen Schlagzeug-Improvisationen Glanzlichter setzte und Asaro beinahe cool zu solistischen Meisterwerken ansetzte. Aus der Schatzkiste des frühen Jazz holte das Trio so manches selten gehörte Stück. Den meisten Applaus gab es aber für Renommierstücke wie „That’s a Plenty“ und Sidney Bechets „High Society“. Einfach nur unbeschreiblich schön war Francs Interpretation von Gershwins legendärem „Summertime“.

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