Je nach Standort ist die Getreideernte unterschiedlich gut gewesen.
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Je nach Standort ist die Getreideernte unterschiedlich gut gewesen.

Licht und Schatten bei Landwirten

Die Trockenheit lässt nur eine mäßige Ernte zu, aber die Qualität ist gut

  • vonEvelyn Kreutz
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Betriebe stellen fest, dass die Regenmenge auf den Flächen völlig unterschiedlich ausfällt, obwohl sie eng beieinander liegen.

Die Temperaturen fallen, der langersehnte Regen fällt (teils), am nächsten Sonntag ist Erntedank. Nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes lagen die diesjährigen Ernteergebnisse beim Getreide unter dem Vorjahr und dem mehrjährigen Durchschnitt, die Rapsernte war jedoch etwas besser als in den Vergleichsjahren. Schlecht sah die Situation beim Futteranbau aus. Dabei habe es generell regional und sogar kleinräumig sehr große Unterschiede gegeben. Grund genug, bei einzelnen Bauern nachzufragen.

Bernd Bierwirtz vom Utenhof in Heinzenberg resümierte: "Das Erntejahr war nicht so toll, aber es gibt keinen Grund zu jammern." Auf Nachfrage konkretisierte er und sagte: "Die Erntemenge war eher unterdurchschnittlich, aber wir haben überall sehr gute Qualitäten, die sich gut absetzten lassen." Dieses Jahr seien die Lastwagen bei ihm blind rausgegangen. In feuchten Jahren werde die Ware nämlich zum Teil gar nicht angenommen und zum Beispiel wegen Pilzbefall zurückgeschickt.

Viel zu wenig Grünschnitt

Diese Gefahr bestand in dem erneut trockenen Jahr nicht. Aber da die Felder von Bierwirtz über verschiedene Gemarkungen verteilt sind, hat er auf verschiedenen Anbauflächen unterschiedliche Niederschlagsmengen verzeichnet.

"Die Äcker im Bereich Limburg, Weilmünster und im westlichen Hochtaunuskreis haben extrem wenig Regen abbekommen, aber in Richtung Usingen und Königstein sah es besser aus", berichtete er und ergänzte: "Je nachdem, wie die Gewitter runtergekommen sind."

Abhängig vom Standort und davon, was er dort angebaut hat, war dann auch die Ernte. So habe er deutlich weniger Wintergerste eingefahren. "Die Sommergerste ist toleranter und braucht weniger Wasser". Die Rapsmengen waren für den Landwirt noch akzeptabel. Und die Weizenernte war von der Menge her für ihn in Ordnung. Der Weizen stand in Gemünden, seinem höchstgelegenen Standort. "Ein paar Kilometer weiter wäre das in einer Katastrophe gemündet", meinte Bierwirtz.

Ein großes Problem war auch für ihn in diesem Jahr das Grünland. Er spricht von einer echten Katastrophe. Denn es gab nur einen Schnitt, weil nichts nachgewachsen ist. "Die Wiesen waren seit Mai braun", so Bierwirtz. Vor 14 Tagen hat er zum Abschluss noch auf allen Grünflächen einen sogenannten Schröpfschnitt durchgeführt und ein paar Ballen gepresst, damit die Wiesen wenigstens sauber sind.

Futter muss zugekauft werden

"An die Pferdehalter kann ich in diesem Jahr nur halb so viel abgeben wie sonst." Die müssten jetzt aus der ganzen Republik Futter zukaufen und hätten enorme Transportkosten, denn in der Nähe sehe es überall genauso schlecht aus.

Wie das Erntejahr 2020 für Bierwitz unterm Strich war, kann er erst im nächsten Jahr sagen, wenn die Kosten gegengerechnet sind. Über den Daumen geht er davon aus, dass das Gesamtergebnis gar nicht so schlecht wird. Denn bei relativ normaler Getreide- und Rapsernte gab es in diesem Jahr keine Pilzkrankheiten und keine Schnecken zu bekämpfen. "Deshalb war in diesem Bereich der Aufwand nur halb so hoch." Und wenn es trocken sei, werde auch weniger gedüngt, weil das ohnehin nichts bringe, wenn das Wasser fehle.

Nebenerwerbslandwirt Dirk Schäfer aus Eschbach, der ebenfalls Getreide und Raps anbaut, hat auch auf engstem Raum Unterschiede auf den einzelnen Feldern festgestellt. In Hanglage und im Schutz des kleinen Wäldchens ist jetzt beim Pflügen dort, wo er bereits Pferdemist aufgebracht hat, der Boden nach dem ersten Regen ein wenig feucht. Keine zwei Kilometer weiter ist noch alles staubtrocken. Schäfer schätzt, dass er in diesem Jahr knapp dreißig Prozent weniger geerntet hat als im Durchschnitt. (Evelyn Kreutz)

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