Sie sind beim UCV ganz ausgezeichnet (von links): Maximilian Böttrich, Roman Streifinger, Heike Anders, Carmen Herzog, Dietmar Zörkler und Wolfgang Pippinger.
+
Sie sind beim UCV ganz ausgezeichnet (von links): Maximilian Böttrich, Roman Streifinger, Heike Anders, Carmen Herzog, Dietmar Zörkler und Wolfgang Pippinger.

Usinger Karneval auf Sparflamme

UCV speckt wegen Unsicherheit und fehlender Vorbereitung kräftig ab

  • VonTatjana Seibt
    schließen

Buchfinkenzug könnte stattfinden - aber die Planungen sind sehr vage

Usingen "Ich habe mir drei Tage lang überlegt, was ich euch erzählen soll", sagte Vlado Katrusa, Vorsitzender des Usinger Carneval-Vereins (UCV). Das Ergebnis: ein weißes Blatt Papier mit rein gar nichts. Doch ganz so düster wie man es vielleicht auf den ersten Blick meinen könnte, ist es dann doch nicht.

Doch das weiße Blatt Papier hat in der Tat symbolträchtige Wirkung. Der Fasching 2020 war weitgehend ausgefallen - bis auf die digitale Plattform "Närrischer Taunus", die der UCV gemeinsam mit dem Kransberger Narren-Club (KNC) und TuS Merzhausen ins Leben gerufen hatte.

Tänzer nicht im Training

Nun, fast zeitgleich ein Jahr später, sieht es ähnlich aus. Wieder ist alles offen, wieder ist das Papier, auf dem vielleicht die Namen einer künftigen Hoheit stehen könnte, leer. "Ich will euch da nichts vormachen", sagte Katrusa, "die Chance, dass wir eine Sitzung stemmen könnten auf dem Niveau wie vor Corona, ist nicht da."

Im Klartext heißt das für die Jecken: Keine Saisoneröffnung, keine Hoheit, keine Prunksitzung und kein Kreppelkaffee in 2022. Das mag auf den ersten Blick ein Schlag ins Gesicht sein für jeden Karnevalisten, doch dazu gab's auch eine lange und sehr ausführliche Erklärung des Vorsitzenden. Und die lautet: Es fehlt an Akteuren die schnell genug fit wären, um eine Sitzung zu meistern.

"Normalerweise steht die kommende Saison weitgehend schon Aschermittwoch", erläuterte Katrusa. Denn die Kampagnen gehen für die Jecken quasi nahtlos ineinander über. Doch dieses Mal gab's nichts zum Übergehen. Fasching fand von 2019 auf 2020 durch Corona ausschließlich im Internet statt. "Da haben wir sehr viel dazu gelernt", betonte der Vorsitzende.

Aber digital ersetze nun mal nicht das Live-Erlebnis, die Atmosphäre und das Gemeinsame. Was den Akteuren vor allem fehlt, sind das Training und die Macher, die sich in all den Jahren verausgabt haben, sie sind mental ebenfalls sehr entschleunigt. "Wir müssen also erst wieder den Motor zum Laufen bringen", brachte Katrusa die Situation auf den Punkt. Denn die lange Corona-Pause habe niemandem wirklich gut getan.

"Bei den Tänzern fehlt es jetzt an der Grundfitness", sagte Isabell Katrusa, eine der aktiven Trainerinnen im Verein. Das, was im vergangenen Jahr im Sommer trainiert wurde, reicht nun mal für dieses Jahr nicht aus. Außerdem wollen Tänzer, die ein Trainingspensum wie Hochleistungssportler haben, häufig auch neue Tänze einstudieren. Das funktioniere realistisch betrachtet nach der langen Pause nicht. Und auch andere Programmpunkte würden nicht gerade auf den Bäumen wachsen, weshalb sich die Verantwortlichen des Vereins derzeit eher zurückhaltend geben.

Perspektive fehlt

"Wir können doch derzeit gar keine sichere Perspektive geben, dass irgendjemand auftreten kann", sagte Katrusa. Nein, angesichts wieder steigender Inzidenzzahlen in der Corona-Pandemie, der aktuell grassierenden Delta-Variante in der Riege der Corona-Mutationen und der Ungewissheit, ob es nicht im Herbst Welle vier und einen neuerlichen Lockdown gebe, wollte der Vorstand keine Auftritte in Aussicht stellen.

Die Lage ist ernst, so viel steht fest. Denn der Verein muss nun mit allem von Null an wieder starten.

Ernst, aber nicht hoffnungslos. Für 2022 soll es nämlich anstelle der Prunksitzung einen Maskenball und den Buchfinkenumzug geben. Wenn es möglich ist, auch Kinderfasching. Doch mehr gibt es nicht. "Wir haben bei anderen Vereinen nachgefragt, und da ist man auch sehr zurückhaltend", berichtete Katrusa.

Fasching fällt also auch in 2022 wieder einmal weitgehend aus. Doch wie motiviert man Menschen eines Vereins, wieder zusammenzukommen und sich zu engagieren? Zwei Möglichkeiten hat der Vorstand dazu ersonnen. Das "Petit Rouge", eine gemeinsames Frühstück im Rosengarten, das eigentlich vergangenen Sonntag stattfinden sollte, wetterbedingt aber ausfiel. Dazu sollten sich die Narren ganz in Rot gekleidet im Rosengarten treffen, Speisen und Getränke mitbringen, während der Verein für die passende Dekoration sorgen wollte.

Auch Freunde und Nichtmitglieder wären dazu eingeladen gewesen, denn Platz war für zehn Personen am Tisch. Das ist aber nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Und dann ist da noch das UCV-Kino im Herbst. "Wir haben alle alten Filme digitalisieren lassen", sagte Vlado Katrusa. Und die soll es dann in einem Kinoabend mit Popcorn und Getränken zu sehen geben. Selbstverständlich mit Ticketreservierung und Vorverkauf. Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare