Stadtentwicklung

Die Umgestaltung Usingens scheint Bürger kaum zu interessieren

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Gleich zwei Fachbüros kümmern sich um das „Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK), das von der Mitarbeit der Bürger lebt. Doch wo sind sie, die Bürger, die endlich ihren Ort mitgestalten können?

Müssen eigentlich immer die Gleichen mitreden? Diese Frage stellte sich am Dienstag im Fachausschuss „Verkehr/Mobilität“. Denn viel zu wenige Bürger Usingens schienen sich für dieses Thema zu interessieren und nahmen die Gelegenheit wahr, in der Hugenottenkirche mitzusprechen und ihre Vorstellungen für ein liebens- und lebenswerteres Usingen einzubringen. Es waren wieder mal die Politiker, die sich interessierten. Die ihre Standpunkte auch als ganz normale Bürger einbrachten. Die aber eine ganz andere Vorbildung und auch eine andere Intention dabei haben. Wer da aber gebraucht wird, ist der Bürger.

Michael Heger vom Fachbüro Werk-Plan aus Kaiserslautern stellte am Dienstag die Ergebnisse der Auftaktveranstaltung zum Thema Verkehr vor, die bei dieser Veranstaltung vertieft werden sollten. Der Schlossplatz und das hohe Schüleraufkommen samt Verkehrschaos als Problempunkt konnte Bernhard Keth als direkter Anwohner gar nicht verstehen. „Da ist zehn Minuten bei Schulbeginn und Schulende Leben auf dem Schlossplatz“, sagte er.

Geplant sei eine völlig andere Gestaltung des Schlossplatzes mit Verlegung des Brunnens, wenn die Umgehungsstraße da ist, erklärte Bürgermeister Steffen Wernard (CDU). Der Abzweig von der Bahnhofstraße in den Westerfelder Weg solle durch einen Kreisel gesichert werden, hatten sich Bürger gewünscht. Ein Projekt, das Birgit Hahn (SPD) wegen des zu geringen Platzes als nicht realisierbar ansah. Doch der Bürgermeister berichtete, bei einer Verschiebung der Bushaltestelle sei der Kreisel durchaus denkbar. Die abknickende Vorfahrt in der Bahnhofstraße nahe der Post sah eine Bürgerin als besonders gefährlich an. Sie sei vor kurzem dort angefahren worden, berichtete sie.

Die Bahnhofstraße setzte Michael Heger also schon mal als markanten Punkt in die konzeptionelle Planung mit ein, was Bernhard Keth nicht gefiel. „Da ist doch kein historisches Gebäude mehr“, argumentierte er. „Die Bahnhofstraße sei eine sehr historisch wichtige Straße“, konterte Joachim Saltenberger (FWG).

Die Auftaktveranstaltung hatte auch Erkenntnisse darüber gebracht, dass zu viele Lastkraftwagen durch Usingen fahren, dass die Anwohner der Mozartstraße bei Festen durch den umgeleiteten Verkehr enorm belastet werden und dass es Radwege geben müsse. Die Bürger schlugen vor, mehr Kontrollen durchzuführen, die Innenstadt in eine 30er-Zone, die Scheunengasse zur Fußgängerzone umzuwandeln und für mehr Parkmöglichkeiten unter dem Schlossplatz eine Tiefgarage zu bauen.

Ja, es durften die verrücktesten Ideen genannt werden. Neue kamen allerdings am Dienstag nicht dazu, zieht man die Idee von Hansjörg Scheidler (Grüne) ab, die Erlenhoff-Kreuzung zu einem Kreisel auszubauen. Denn dieser Bereich liegt außerhalb des Fördergebietes. Eine Bürgerin stellte eine interessante und für Usinger Bürger wichtige Frage: „Wer zahlt eigentlich?“ „Die Fördermaßnahmen werden von Bund und Land und der Stadt bezahlt“, erklärte Steffen Wernard. Klar kämen da Steuergelder zum Einsatz. Es werde aber keine Bescheide an den Bürger geben, beruhigte er die Usingerin. Dies alles sei ein Stimmungsbild, das nach einer Bestandsanalyse zu Zielen verarbeitet werde, gab Michael Heger bekannt.

Daraus entwickelt sich dann das Konzept, das sinnvoll und passend für Usingen geschneidert werde, versprach Heger. Intern hat sich Bürgermeister Steffen Wernard bereits mit den Kindern in der Stadt umgesehen und bietet diese Möglichkeit auch noch den Jugendlichen.

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