Günter Schwemmlein, einer der Umpas-Koordinatoren mit der fertigen Kippen-Mess-Station. FOTO: umpas
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Günter Schwemmlein, einer der Umpas-Koordinatoren mit der fertigen Kippen-Mess-Station.

Schmitten startet große Aktion gegen Kippen auf dem Feldberg

Umweltpaten appellieren an alle Raucher

  • VonEvelyn Kreutz
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Natur soll sauber werden - Eine Zigarette verseucht 40 Liter Wasser

Der Feldberg und die Ortsteile der Feldberggemeinde sind seit Jahren beliebte Ausflugsziele. Corona hat Outdooraktivitäten noch verstärkt. Entsprechend zugemüllte sind öffentliche Parkplätze, Bushaltestellen, Wanderwege und Ruhebänke. Ein besonderer Dorn im Auge sind den ehrenamtlichen Müllsammlern der Schmittener Umweltpaten (Umpas) die unzähligen Zigarettenkippen. Deshalb rufen sie jetzt dazu auf: "Wir machen Schmitten und den Feldberg kippenfrei"

Marco Kattwinkel vom Orgateam der Umpas hat sich mit dem Thema genauer beschäftigt und fragt: "Wussten Sie, dass eine Zigarettenkippe rund 40 Liter Grund- und somit Trinkwasser verseucht und es bis zu 15 Jahre dauern kann, bis ein Zigarettenfilter auf natürlichem Wege komplett verrottet ist?" Viele Raucher aber auch Nichtraucher machten sich über den giftigen Inhalt einer Zigarette keine Gedanken.

Er weiß: "Zigarettenstummel werden oft ausgetreten oder achtlos weggeworfen." So landeten weltweit geschätzt 4,5 Billionen Zigarettenfilter, was etwa 80 Prozent aller gerauchten Zigaretten entspricht, jährlich in der Umwelt. In der EU seien es rund 580 Milliarden pro Jahr. Das führe mehrfach zu Problemen.

Langsamer Zerfall

Laut Kattwinkel bestehen Filter aus Celluloseacetat, einem Kunststoff, der nach langer Zeit zu Mikroplastikpartikeln zerfällt. Diese gelangen durch Regen über Kanalisationen, Bäche und Flüsse in die Weltmeere. "Plankton nimmt diese Partikel als Nahrung auf und wird selbst zur Nahrung von anderen Meeresbewohnern, die dann bei uns auf dem Speiseplan stehen." Auch auf direktem Wege gelangten die Filter in die Meere. Laut BUND-Meeresschutzbüro ist jedes dritte Stück Müll in den Ozeanen ein Zigarettenfilter. Allein in der Ostsee seien über 53 Prozent des Mülls Zigarettenkippen.

Zudem enthalten Zigarettenfilter bis zu 7000 verschiedene Giftstoffe wie Nikotin, Cadmium, Blei und Arsen, die beim Rauchen im Filter hängen bleiben. Vom Regen herausgespült, verschmutzen diese Schadstoffe das Grundwasser. Ein Filter könne 1000 Liter stehendes Wasser mit 24 Mikrogramm Nikotin verunreinigen.

"Die Filter sind besonders gefährlich für Kinder und (Haus-)Tiere, weil sie schnell verschluckt werden", so Kattwinkel. Auf Kinderspielplätzen sollte nicht geraucht und schon gar keine Kippen entsorgt werden, fordert er. Auf dem Wasser schwimmend sähen Kippen für Vögel und Fische wie Leckerbissen aus. Die toxischen Inhaltsstoffe der Zigarettenstummel hemmten auch das Pflanzenwachstum.

Schnell entfache man auch mit einer weggeworfenen Kippe einen Waldbrand. Von den vielen Baumfällungen der letzten Monate liege noch viel trockenes Unterholz im Wald. Auch die Feldberggemeinde habe im vergangenen Jahr unter Wasserknappheit gelitten. Um so wichtiger sei es das wenige Wasser vor Schadstoffen zu schützten. "Daher gehören Zigarettenfilter unbedingt in den Restmüll", fordert Kattwinkel.

Dokumentation mit Mess-Station

Die Umpas möchten mit einer großen Kippen-Sammel-Aktion auf diese Thematiken aufmerksam machen. Alle gesammelten Zigarettenstummel sollen in die neu erworbene "Kippen-Mess-Station" gefüllt werden. Die 1,40 Meter große Plexiglasröhre ist laut Kattwinkel schon bei Umweltgruppen in anderen Kommunen im Einsatz. "Sie zeigt eindrucksvoll die Menge der gesammelten Kippen und gleichzeitig die daraus resultierende Menge Grundwasser, die durch die Giftstoffe verunreinigt werden in Liter an."

Am Infostand der Umpas gibt es nicht nur einiges über die Auswirkungen der Kippen in der Natur zu erfahren, sondern auch über die Arbeit der Umpas. Vor allem versuchen die Umpas auch schon die Jüngsten dafür zu interessieren. "Kleine Sammler erhalten für ihr Mitwirken an der Kippen-Sammel-Aktion eine Urkunde als Umweltheld. Er wirbt auch für die Aktion "#dasmeerbeginnthier" und will mit Jugendlichen während der Sommerferien wieder Gullys bemalen.

Weitere Informationen auf der Homepage unter www.umpas-schmitten.de. Die Kippen-Sammel-Aktion der Schmittener Umweltpaten (Umpas) findet am Sonntag, 11. Juli, von 10 Uhr bis 13.30 Uhr auf dem Feldberg und in den Ortsteilen statt. Pinzetten, Handschuhe, Grillzangen und ein Behältnis sind mitzubringen. Gesammelt wird auf öffentlichen Parkplätzen, an Bushaltestellen, Wanderwegen, Ruhebänken und wo es nötig ist. Die Kippen können am Infostand der Umpas neben dem Gipfelkreuz in die "Kippen-Mess-Station" gefüllt werden. Vom Betreiber des Kiosks am Kinderspielplatz erhalten Helfer, die einen Chip der Umpas vorweisen, gratis ein Eis.

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