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Immer wieder wurde auf dem Firmengelände von Müller & Co. erweitert, jetzt ist die Grenze erreicht. Foto: Kreutz

Brombacher Firma braucht mehr Platz

Umzug nach Wehrheim wahrscheinlich: Fenster-Müller will wachsen

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Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Die Firma Müller & Co. überlegt, Schmitten zu verlassen und sucht einen zukunftsfähigen Standort. In den Wehrheimer politischen Gremien ist inzwischen klar, dass sich das Brombacher Traditionsunternehmen für Flächen im Bereich des Gewerbegebietes Wehrheim-Süd interessiert.

„Keiner weiß im Moment, wohin die Reise geht“, meint Bernd Müller, der Geschäftsführer von Müller & Co, auch Fenster-Müller genannt. Nur eins ist klar: Das Gelände in Brombach, wo sein Vater Theo 1961 auf 1800 Quadratmetern mit der Fensterproduktion anfing, ist inzwischen auf 22 000 Quadratmeter angewachsen und platzt förmlich aus allen Nähten.

Eine Erweiterung der Produktion ist in Brombach nur schwer möglich, obwohl es dort Flächen gibt. „Aber die baulichen Auflagen wegen der Hanglage sind nur schwer zu erfüllen.“ Vorhandene Freiflächen sind nur mit großem Aufwand zu bebauen.

Versucht hat er es trotzdem zweimal. Der erste Bauantrag sei wegen eines Bodengutachtens verworfen worden, der zweite wegen des starken Gefälles und der Anbindung an die Straße.

Aber warum muss der Mittelständler überhaupt expandieren? „Wir können uns nicht nur auf unserer Qualität ausruhen, der Wettbewerb und die weitere Technisierung – Stichwort „Industrie 4.0“ – gibt die Schlagzahl in der Produktion vor“, erläutert der Geschäftsführer.

Seitdem Müller & Co in die Produktion von Kunststofffenstern eingestiegen ist, sei das noch deutlicher geworden. Vor 40 Jahren haben wir 20 Fenster am Tag produziert, heute sind es 100 und das mit der gleichen Mitarbeiterstärke in der Fertigung.“ Vor 35 Jahren habe es noch 12 000 Fensterproduzenten gegeben. „Heute sind es gerade noch 3000 und wir gehören zu den Top 100 Betrieben in Deutschland.“ Im Rhein-Main-Gebiet betreibt Müller & Co. sein Kerngeschäft.

Um mithalten zu können, müsse der Betrieb auch zukünftig wachsen, so Müller. Der 55-Jährige macht den Unterschied zur Großindustrie klar und sagt: „Mir liegen unsere 130 Mitarbeiter am Herzen, dazu kommen noch 40 aus Subunternehmer im Montagebereich.“ Denen gegenüber habe er eine soziale Verantwortung. Zumal die Nachfolge in der Familie Müller geregelt scheint. Der mittlere Sohn Fabian absolviert derzeit in Berlin sein Studium zum Wirtschaftsingenieur im Masterstudiengang Produktionstechnik und will nach seiner im Juni abgeschlossenen Prüfung noch Erfahrungen in anderen Betrieben sammeln. Das gibt auch den Zeitplan vor. „Frühestens 2021 ist an Bauen überhaupt zu denken“.

In Brombach wäre die Firma aus Müllers Sicht unter den jetzigen Voraussetzungen nicht zukunftsfähig. Deshalb sucht er auch in den umliegenden Gemeinden eine geeignete Fläche, um sein Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Bereits im Jahr 2001wollte er den Betrieb nach Neu-Anspach umsiedeln. Auch in Usingen fand Müller in den Folgejahren keine entsprechend große Fläche, die einigermaßen eben ist. „Wenn es nur Hanglagen gibt, macht es keinen Sinn hier wegzugehen.“ Wehrheim könnte eine Chance sein.

Am Freitag haben die Wehrheimer Gemeindevertreter die Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans auf den Weg gebracht und den Bebauungsplan aufgestellt, damit die Fläche als Gewerbegebiet überhaupt bebaubar ist (lesen Sie dazu weiter auf Seite 18).

Es geht um eine Fläche von zirka drei Hektar unterhalb der Bahnlinie direkt gegenüber vom jetzigen neuen Gewerbegebiet. Diese Fläche sei einmal vorgehalten worden als Schulfläche für ein sogenanntes „Hochbegabten-Gymnasium“, so Wehrheims Bürgermeister Gregor Sommer (CDU). Diese Pläne seitens des Hochtaunuskreises hätten sich aber zerschlagen. Erst jetzt können weitere Schritte angegangen werden, sagt dazu Müller-Chef Bernd Müller.

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