Unbändige Spielfreude

Lebensfroh und mitreißend ist die Musik, die das Joscho Stephan & Helmut Eisel-Quartett zum Abschluss des Musikfestivals Allegro präsentiert. Und das erstmals Open Air im Schlossgarten.

Von Tatjana Seibt

Die Idee Gypsy und Klezmer Musik zu verbinden, klingt zunächst etwas befremdlich. Schließlich wird Klezmer traditionell jiddisch gesungen – und zwar auf Hochzeiten. „Der Ursprung der Gypsy-Musik liegt hingegen bei den Zigeunern und dem fahrenden Volk“, erläutert Helmut Eisel.

Doch der stilistische Unterschied beider Musikrichtungen üben auf den Klarinettisten Helmut Eisel, den Gitarristen Joscho Stephan, Günther Stephan an der Rhythmusgitarre und den Kontrabassisten Volker Kamp gerade den Reiz aus. Das Quartett trägt Rhythmen und Tonleitern beider Musikrichtungen zusammen, „denn die beiden Musikrichtungen sind sehr konzertant“, erklärte Eisel.

„Wir suchen uns aus beiden Musikrichtungen das Beste aus und verbinden es zu etwas Neuem“, erklärt Eisel den ganz eigenen Stil des Ensembles. So verzichtet das Quartett beispielsweise auf den Gesang oder Passagen der Klezmer-Musik, wie sie bei festen Zeremonien während der Hochzeit gerne gespielt werden.

Ein virtuoser Mix aus Gypsy, Klezmer, Swing und Jazz bietet viel Abwechslung im selbst geschriebenen Repertoire, bei dem es auch viele Improvisationen gibt, „so dass wir kein Konzert zwei Mal spielen“, sagt der Klarinettist. Das Besondere ist die große Bandbreite der Musik, die teilweise unbändige Spielfreude und überschäumende Lebenslust zum Ausdruck bringt, dann aber auch tiefgründig, ja geradezu melancholische Melodien zustande bringt.

Vor allem sei den Musikern eines wichtig: „Wir spielen für das Publikum und nicht für uns selbst.“ Die Musiker betrachten sich als eine Art „Gefäß“, durch das die Stimmungen und die Musik erst hindurch müssen, um den Zuschauer zu erreichen. Und die erleben nicht nur mit dieser dennoch nicht ganz alltäglichen Mischung der Musikrichtungen auch gleichzeitig eine Premiere. Denn am Sonntag, 5. Juli, ist das Konzert nicht nur in Usingen zu hören, sondern auch das erste Mal auf den neu gestalteten Flächen im Schlossgarten. Damit dürfte für so manchen Usinger ein kleiner Traum in Erfüllung gehen und die Multifunktionsflächen sich dann auch nicht nur als Sport-, sondern auch Veranstaltungsfläche beweisen. Dafür sind sie auch ursprünglich konzipiert und so erleben die Besucher des Allegro-Festivals bei schönem Wetter einen Abend voller Musik, der sicherlich auch ein gelungener Abschluss zum Stadtfest sein dürfte. Beginn des Konzerts ist um 19 Uhr.

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