Spaß und spielerisches Lernen - in den Kitas wären im Normalbetrieb die Nerven noch intakt, in Corona-Zeit aber haben manche Eltern die Bodenhaftung verloren, und die Erzieher müssen viele Probleme lösen.
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Spaß und spielerisches Lernen - in den Kitas wären im Normalbetrieb die Nerven noch intakt, in Corona-Zeit aber haben manche Eltern die Bodenhaftung verloren, und die Erzieher müssen viele Probleme lösen.

Usinger Kitas und die Corona-Planungen

Unberechenbare Lage macht der Stadt das Leben schwer

  • vonAndreas Burger
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Bei manchen Eltern liegen die Nerven blank, und die Mitarbeiter bekommen es zu spüren

Ein Jahr Corona hat in der Kinderbetreuung der Stadt deutliche Spuren hinterlassen. Personell, konzeptionell - und vor allem menschlich.

Amtsleiter Reiner Greve gab im Gespräch mit dieser Zeitung eine kurzen Rückblick. "Wie alle gesellschaftlichen Bereiche überraschte uns das Virus mit allen Folgen. Wir standen vor einem Problem, das in diesem Ausmaß niemand kannte und für das es schon gar keine Konzepte in Schubladen gab."

Dass die Pandemie Auswirkungen auf die Betreuung hatte, hat und haben wird - das steht außer Frage. Leise Kritik aber ist übers Land zu vernehmen. "Montags war die Konferenz der Länder, dann hat Hessen die Lage analysiert und den Kommunen freitags mitgeteilt, was montags zu passieren hat", sagte Greve. Und das habe für alle Beteiligten zu sehr vielen Wochenend-Arbeitstagen geführt.

Absprache mit Elternbeirat

Und bereits Mitte des Jahres kam dazu, dass die Planer die Nase voll hatten und Usingen als erste Kommune Hessens die Kitas wieder komplett öffnete. "Wir haben dann auch in 2020 entschieden, den Empfehlungen des Landes erst einmal nicht zu folgen und die Kinder streng getrennt in Gruppen zu betreuen. Das hätten wir zu diesem Zeitpunkt personell nicht geschafft, ohne die Betreuungszeiten drastisch einzudampfen", sagte Greve. Dies habe man mit dem Elternbeirat abgesprochen und Rückendeckung erhalten.

Doch der gute Wille ist das eine, die Realität eine andere. Als die zweite Welle Ende des Jahres bedrohliche Ausmaße annahm und das Land "dringend" den Kitas eine Trennung empfahl, hat auch Usingen mitgezogen. In der Kita Eiskaut hat's nicht geholfen, dort musste geschlossen werden. In der Kita Kransberg schon, hier musste nur eine Gruppe für kurze Zeit dicht machen.

Und nun kommt die dritte Welle, mit ihr das am Montag beschlossene Maßnahmenpaket der Bundesländer, wobei die Stadt noch auf die Empfehlung der hessischen Landesregierung wartet. "Ich gehe davon aus, dass wir am Freitag wieder erfahren, wie es am Montag auszusehen hat", schmunzelt Greve. Der komplette Lockdown von Gründonnerstag bis Ostermontag ist ja jetzt erst einmal vom Tisch. "Dann hätten wir eben alle Einrichtungen schließen müssen", so Greve. Nach Stand Mittwoch ist also erst einmal keine Änderung geplant.

Bisher konnten fast alle Entscheidungen der Stadt mit dem Elternbeirat im Einvernehmen getroffen werden. "Ich bin wirklich dankbar, dass die überwiegende Zahl der Eltern völlig normal reagiert und Verständnis zeigt", sagt der Amtsleiter. "Wir müssen immer wieder zeitlichen Angebote reduzieren oder Gruppen schließen, denn die Mitarbeiter werden ja auch mal krank ohne Corona. Es gibt ja auch noch andere Krankheiten. Und deshalb kommt es regelmäßig zu Änderungen in der Betreuung."

Allerdings gibt es eine kleine Zahl der Eltern, die eben nicht normal reagiert und anerkennt, dass die Stadt als letztes Glied der Befehlskette lediglich Vorgaben des Landes zu erfüllen hat. "Es gab schon eine Klage wegen Freiheitsberaubung, weil eine Familie in Quarantäne musste", schildert Greve.

Oder eine Klage, weil die Kitas obligatorisch Schnelltests einführten. Es sei klar festzustellen, dass bei immer mehr Eltern die Nerven blank liegen. !Wir versuchen täglich, die Entlastung der Eltern hinzubekommen, indem die Betreuung möglichst stabil angeboten werden kann. Aber am Virus trägt eben keiner die Schuld."

Die meisten Eltern ziehen mit

So wie zu attestieren sei, dass die überwiegende Zahl der Eltern sehr gut mit der Situation umgehe und sich auch im Ton gegenüber den Mitarbeitern nicht vergreife, so ärgerlich sei auch festzustellen, dass es eben Ausnahmen gebe. "Wir haben Verständnis für alle, die in der Situation mal die Nerven verlieren und versuchen, im Gespräch die Situation zu klären. Aber es gibt eben auch Corona-Leugner, Masken-Verweigerer und teils aggressive Elternteile. Und dies zu bereits belastenden Situation addiert, bedeutet für die Mitarbeiter eine extreme Belastung." Und: "Wenn jemand ein Einzelproblem hat, wird es inzwischen auf den digitalen Kanälen sofort gepostet und so getan, als ob das ein generelles Problem sei. "Und es melden sich nie diejenigen, die unsere Anstrengungen honorieren, sondern die, die aus irgendeinem Grund unzufrieden sind." Diese Minderheit belaste den Arbeitsalltag in den Kitas extrem und zusätzlich. "Wir haben alle die Nase voll. Aber die Situation kann niemand ändern, außer, indem sich alle an die Schutzmaßnahmen und das Kontaktverbot halten."

Nun wartet die Kommune also erst einmal auf die Vorgaben des Landes. Und in der Zwischenzeit werden die Mitarbeiter seit dieser Woche durchgeimpft. "Das kann natürlich die personelle Situation erneut belasten", sagte Greve. Denn es gebe auch Menschen, die nach der Impfung Symptome zeigten und sich dann krank meldeten. Auch wenn alle geimpft sind: Die Mitarbeiter sind dennoch Überträger des Virus. Und so lange nicht alle geimpft sind, müssen Masken getragen, Abstand gehalten und die Schutzvorkehrungen durchgezogen werden. Denn die Impfung schützt ja nicht zu 100 Prozent vor einer Ansteckung, aber die Auswirkungen der Infektion sollen viel leichter ausfallen.

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