Katastrophenübung II

So hat unser Reporter die Übung in der Bad Homburger Klinik erlebt

Am Unglücksort der Taunusbahn bei Usingen sind die Retter vollauf beschäftigt, die Verletzten der Explosion zu bergen. Was bedeutet: Die Kliniken haben ihrerseits Großalarm.

Am Unglücksort der Taunusbahn bei Usingen sind die Retter vollauf beschäftigt, die Verletzten der Explosion zu bergen. Was bedeutet: Die Kliniken haben ihrerseits Großalarm. Unser Reporter Tobias Wieck war Zaungast in der Bad Homburger Klinik:

1.30 Uhr: Wir treffen ein. Vereinzelt kommt uns ein Rettungswagen entgegen, der in vollem Tempo Richtung Hintertaunus jagt. Noch ist es still, die Ruhe vor dem Sturm. Wir laufen schnellstmöglich zum Haupteingang und suchen nach Antworten auf so viele Fragen. Auf uns zu kommt Dr. Julia Hefty, kaufmännische Geschäftsführerin der Klinik. Sofort halten wir sie auf. Keine Zeit wird verschwendet und umgehend bekommen wir die neusten Infos. „Soeben kam der Notruf rein. Hier handelt es sich um einen MANV 100, also einen Massen Anfall von 100 Verletzten. Darauf sind wir natürlich vorbereitet. Bei mindestens 10 Verletzten verlegen wir den Einsatzort von der zentralen Notaufnahme ins Foyer. Hier unten sind es etwa 60 Mitarbeiter, also Ärzte, Pflegekräfte, Radiologie, der Empfang und die EDV.“

Langsam füllt sich das Foyer. Die ersten Wagen halten am Eingang. Es sind keine Rettungsfahrzeuge. 50 zusätzliche Mitarbeiter der Klinik wurden soeben aus ihren Betten geklingelt und treffen nach und nach ein. „Je nach Vorfall drückt die Technik einen Knopf im System und entsprechend werden die zuständigen Mitarbeiter alarmiert“, erklärt Dr. Hefty.

In der Zwischenzeit koordiniert die Krankenhauseinsatzleitung alle Abläufe. Panik? Fehlanzeige. Allmählich müssten doch mal die ersten Einsatzwagen eintreffen? Sylvia Woeste läuft uns über den Weg. Sie sollte uns weiterhelfen können. „Alle eintreffenden Patienten werden per Farben in Kategorien eingeteilt. Jeder erhält einen Aufkleber entsprechend seiner Verletzung. Grün sind leichte Verletzungen, die wir der Caféteria zuweisen. Gelb sind schon ernstzunehmendere und rot wirklich schwere Verletzungen. Gelb kommt in die Aufnahmestation im Erdgeschoss, rot umgehend in die Zentrale Notaufnahme. Wie kategorisiert wird, entscheide ich.“

Blau ist schlecht. Blau bekommt ein Patient, für den jede Hilfe zu spät kommt, man seinen Tod also nicht verhindern kann. „Da dürfen Emotionen keine Rolle spielen, der Verletzte mit der höheren Überlebenschance hat Vorrang“ , erklärt uns die leitende Oberärztin der Notaufnahme.

Endlich, Blaulicht am Eingang. Der erste Patient erreicht die Klinik. Definitiv nicht grün, so wie er aussieht. Das Gesicht eine Mischung aus Verbrennungen und Blut. Kein schöner Anblick. Sofort bildet sich ein Kreis um ihn. Die Sanitäter geben seine Beschwerden durch, sein Verletzungsgrad wird bestimmt. Gelb! Umgehend machen sich Ärzte und Pflegekräfte mit ihm auf den Weg zur Station. Jetzt geht es wohl richtig los.

Alles steht bereit, jeder auf seinem Posten, der Wille zum Helfen ist in jedem einzelnen Augenpaar klar zu sehen. Doch nichts. Es vergehen Minuten, eine ganze Stunde, doch nichts passiert. Schon 3.30 Uhr. Das nervenaufreibende Warten geht weiter. Waren es nicht 100 Personen?

Bis 5 Uhr sind es zwar etwa 12 Patienten, aber das kommt niemals hin. Irgendwas muss schief gegangen sein. Nicht in der Bad Homburger Klinik, alles verlief mit höchster Sorgfalt. Hut ab!

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