Die katholische Kirche in Kransberg wird mittelfristig aufgegeben. Das ist eines der Ergebnisse der Projektgruppe "KIS-Kirchliche Immobilien Strategie" des Bistums Limburg, bei dem es auch um die Pfarrei St. Franziskus und Klara - Usinger Land geht.
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Die katholische Kirche in Kransberg wird mittelfristig aufgegeben. Das ist eines der Ergebnisse der Projektgruppe "KIS-Kirchliche Immobilien Strategie" des Bistums Limburg, bei dem es auch um die Pfarrei St. Franziskus und Klara - Usinger Land geht.

Katholische Kirche gibt im Usinger Land Gebäude auf

Untersuchung zeigt: Ohne harte Einschnitte droht finanzielle Misere

  • Nina Fachinger
    vonNina Fachinger
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Alle Immobilien des Usinger Landes stehen auf dem Prüfstand - Kransberger Kirche ist nicht mehr nötig

Große Veränderungen und Einschnitte für die mehr als 11 000 Katholiken in den elf Kirchorten der Pfarrei St. Franziskus und Klara- Usinger Land stehen bevor. Denn die Projektgruppe "KIS" (Kirchliche Immobilien Strategie), die Bistum-weit arbeitet, hat ihre Ergebnisse vorgelegt, es geht um 39 Immobilien. Die besagen zum Beispiel, dass die Kirche in Kransberg "pastoral nicht mehr nötig" sei und somit mittelfristig aufgegeben werde. Für andere Kirchen und Gemeindehäuser kommt die KIS zu dem Ergebnis: "Kirche und das Gemeindezentrum solange erhalten, wie dies finanziell möglich ist". Das hat das Bistum Limburg mitgeteilt.

"Die Umsetzung unseres Strategievorschlages wird nicht von heute auf morgen geschehen. Es wird Jahre brauchen. Die Strategie lebt und wird sich verändern. Was bleibt sind die Grundpfeiler und die Grundrichtung", erklärte Michael Herden, Verwaltungsleiter der Pfarrei St. Franziskus und Klara.

Wo gibt es Potenzial und wo nicht?

Entwickelt werden solle eine Pfarrei mit drei Schwerpunkten. Der erste Schwerpunkt werde Neu-Anspach sein. "Pfarrkirche, Gemeindezentrum und zentrales Pfarrbüro sollen hier erhalten bleiben. In Pfaffenwiesbach sollen die Kirche und das Gemeindezentrum solange erhalten bleiben, wie dies finanziell möglich ist. Das Pfarrhaus und das Wohngebäude sollen aufgegeben werden. In Wehrheim sollen die Kirche, das Gemeindehaus und das Jugendhaus für eine Zeit des Übergangs zunächst erhalten bleiben, da hier pastorales Potenzial durch ein großes Neubaugebiet gesehen wird. Das Pfarrhaus soll aufgegeben werden", heißt es.

Ein zweiter Schwerpunkt der Pfarrei werde Schmitten sein. "Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus sollen langfristig erhalten bleiben. Am Kirchort Seelenberg soll die Kirche erhalten bleiben, solange wie dies finanziell möglich ist. Gleiches gilt für Oberreifenberg. Das Gemeindehaus wird mit Blick auf Niederreifenberg gebraucht und soll daher erhalten bleiben. Das Pfarrhaus und das Wohngebäude hingegen sollen aufgegeben werden. In Niederreifenberg sollen Gemeindezentrum und Pfarrhaus veräußert werden."

Der dritte Schwerpunkt befinde sich in Usingen, wo Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus langfristig erhalten bleiben sollten. "In Grävenwiesbach sollen übergangsweise das Gemeindezentrum und Pfarrhaus erhalten bleiben. Auch hier ist die Finanzierbarkeit ausschlaggebend. Gleiches gilt für die Kirche und das Gemeindehaus in Wernborn. In Kransberg soll das Pfarrhaus aufgegeben werden. Das Gemeindehaus soll erhalten bleiben. Die Kirche ist voraussichtlich pastoral nicht mehr notwendig und wird mittelfristig aufgegeben", so die KIS, die ihre Ergebnisse am Mittwoch in St. Marien in Neu-Anspach vorstellte.

"Was wir heute hören, ist schwer verdauliche Kost, die nicht allen schmecken wird. Doch wir müssen uns der Frage stellen, für wen wir in unserer Pfarrei da sind und was wir im Jahr 2030 als Kirche im Usinger Land brauchen, um unserem Auftrag in der Gesellschaft gerecht werden zu können. Und wir müssen uns fragen, was pastoral notwendig, sinnvoll und finanzierbar ist", erklärte Pfarrer Paul Lawatsch. Es gelte gemeinsam pastorale Ziele zu entwickeln und sich weiter um die Nähe zu Gott und zu den Menschen zu bemühen. "Wir müssen jetzt aktiv die Zukunft unserer Pfarrei gestalten. Wir dürfen nicht passiv werden und uns die Entscheidungen, die nun zu treffen sind, nicht von anderen abnehmen lassen."

Minus von 1,4 Millionen Euro

Bei den 39 Gebäuden sei in den kommenden zehn Jahre ein Instandhaltungsstau von mindestens 6,1 Millionen Euro prognostiziert worden, so Xenia Taubmann, Architektin und Mitarbeiterin im KIS-Projekt des Bischöflichen Ordinariats in Limburg. Zudem sei eine Finanzplanung für die Pfarrei mit Blick auf die kommenden sechs Jahre erstellt worden. "Die freien Liquiditätsmittel der Pfarrei werden dann mit einem Minus von 1,4 Millionen Euro mehr als defizitär", so Taubmann.

Dazu komme, dass sich in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Gottesdienstteilnehmenden halbiert habe, 2000 seien noch elf Prozent der Gläubigen in den Gottesdienst gegangen, heute seien es noch sieben Prozent.

In den kommenden zehn Jahren werde sich diese Zahl ebenfalls halbieren, heißt es. Diese Entwicklung sei nicht zu verurteilen oder eine Kritik an der Pfarrei. Sie sei vielmehr nicht zu stoppen.

Noch vor den Herbstferien werden sich Vertreter der Ortsausschüsse mit der Strategie befassen, heißt es. Am 26. Januar 2021 werde dann der Pfarrgemeinderat und der Verwaltungsrat der Kirchengemeinde die Beschlüsse für eine Umsetzung fassen, eine Entscheidung fällt im Verwaltungsrat. In fünf Jahren solle die Umsetzung überprüft und eventuell nachjustiert werden. nni

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