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Im Sommer war die Außenrestauration des "esswebers" gut besucht. Für die kalte Jahreszeit setzt Chef Ulrich Spranger auf die gute Raumaufteilung, die eine Trennung der Gäste ermöglicht.

Corona

Gastronomen setzen auf Kundentreue

  • Nina Fachinger
    vonNina Fachinger
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Restaurants und Cafés bereiten sich auf die kalte Jahreszeit vorUsingen - Für Gastronomen wird es immer schwerer, den Kopf über der finanziellen Kante zu halten. Und mit der kalten Jahreszeit fällt auch die Außengastronomie weg, wenn keine entsprechenden Angebote gemacht werden können. Wie sich die Restaurants über Wasser halten wollen, fragen wir in einer Serie nach. Heute geht's um "esswebers" am Alten Marktplatz und das Rathauscafé.

Usingen – Usingen macht bereits, was auch Frankfurt und Darmstadt tun: Gastronomen können Flächen im Außenbereich unbürokratisch und ohne zusätzliche Kosten betreiben. Der Gaststättenverband Dehoga empfiehlt diesen Schritt über den Winter ausdrücklich. In einer Mitteilung heißt es: "Kommunen können Gastronomiebetriebe unterstützen, indem sie Außengastronomieflächen automatisch verlängern und temporär auf Gebühren verzichten, geeignete Maßnahmen zum Schutz gegen kalte Witterung dulden und Beheizungsvorrichtungen erlauben."

Günter Grandt, Inhaber des Rathaus-Cafés, hat den Innenhof gemietet, die Fläche außen vor dem Café habe ihm die Stadt schon im Sommer kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dennoch habe das kleine Café natürlich ein Platzproblem, denn wo früher noch 20 Gäste Platz hatten, passen durch die Corona-Bestimmungen nun noch maximal 8 bis 10 Gäste hin. Der Außenbereich werde nur stückweise eingedeckt; "bei 10 Grad sitzt keiner draußen", so Grandt. Und von Heizpilzen hält er nicht viel: In 3 bis 4 Stunden würden sie 12,5 Kilogramm Gas verbrauchen, "und die Leute frieren trotzdem". Diese Technik könne im Winter helfen, tue es aber nicht, "es sind andere Maßnahmen nötig".

Grandt kann nur bestätigen, was Dehoga-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner jüngst in einem Radiointerview sagte: Es werden nicht alle überleben, aber jene, die schon in den vergangenen Monaten das Vertrauen der Gäste gewinnen konnten, werden es schaffen. "Die Kunden vertrauen sich uns an und wollen, dass es uns weiter gibt", sagt Grandt und ergänzt: "Wir wollen unsere Gäste vor der Krankheit schützen."

Er habe noch nie so viel Kuchen und Torten verkauft wie in der Corona-Krise. Er schätzt, dass sich die Zahl zumindest an den Wochenenden verdoppelt habe. Aber auch das Mittagessen zum Mitnehmen laufe gut - insbesondere Vegetarisches. Gerade die Stammgäste würden jetzt den Kuchen öfter Mal mit nach Hause nehmen. Gäste, die sich sonst zum mehrstündigen Kaffeeklatsch bei ihm getroffen hätten, würden sich nun aus eigener Entscheidung auf 45 Minuten beschränken.

Perspektive bis Ende des Jahres

Der kleine Familienbetrieb habe bis vor rund zwei Wochen zunächst mit acht Aushilfen gearbeitet, mittlerweile seien es noch vier. Das liege daran, dass er viel mit Schülern und Studenten arbeite, die nun wieder das "normale Leben" aufgenommen hätten.

"Wir können so gut bis zum Ende des Jahres weiterleben", antwortet Grandt auf die Frage, welche Perspektive es für den Winter 2020/21 gibt. So weit gehe seine Planung aber noch nicht, sondern bis zum Ende dieses Jahres. "Wir sind beide 60 Jahre alt", so der Gastronom, der das Café mit seiner Ehefrau betreibt. Damit spielt er darauf an, dass sie auch nicht mehr die jüngsten sind und es daher wichtig sei, selbst gesund zu bleiben.

Auch dem Restaurant "essWebers", dessen Geschäftsführer Ulrich Spranger (zugleich Geschäftsführer der Jarltech Europe GmbH) seit diesem Jahr ist, wurden die Kosten für den Betrieb der Außenfläche vor dem Lokal am Alten Marktplatz erlassen. Und sogar eine Erweiterung der Außenfläche wurde erlaubt, was man im Sommer dann auch gemacht habe, so Spranger.

"essWebers" ist zuversichtlich

Das Restaurant sei für die Corona-Krise besonders gut gerüstet. "Die Terrasse war im Sommer oft voll, und für den Herbst und Winter können wir sechs getrennte Räume anbieten. Wer also bei der Reservierung angibt, dass er eigenen Raum möchte - egal ob für zwei oder zehn Personen - bekommt den Raum auch. Da kann dann auch jeder lüften und heizen, wie er möchte", so Spranger.

Doch Catering ist ebenfalls ein wichtiges Standbein, der Wegfall von etlichen Geschäftsessen und Veranstaltungen habe sich bemerkbar gemacht. "Wir haben aber eine gute Nachfrage von Gästen, die sich von uns verwöhnen lassen möchten, wenn sie schon nicht oder nur eingeschränkt in den Urlaub fahren können."

Anders als vielfach in Gastronomiebetrieben anzutreffen, habe es beim "essWebers" keine Kurzarbeit gegeben. "Es gab auch keine coronabedingten Entlassungen. Im Gegenteil, wir haben mehr Fachkräfte fest eingestellt", betont Spranger.

Die bevorstehende Wintersaison 2020/21 sieht er optimistisch, auch ohne eine Außengastronomie anzubieten. "Wir wollten den Marktplatz nicht mit einem Zelt verschandeln, und Heizpilze ergeben keinen Sinn auf dem Marktplatz. Wir haben ja unsere Lösung mit den vielen verschiedenen Räumen." Das Unternehmen sei sehr zuversichtlich, und im Team herrsche gute Stimmung mit Blick auf den Winter. Die neue Herbst-Speisekarte werde sehr lecker, verspricht Spranger.

Und welche Unterstützung erhofft er sich von der Stadt oder höheren Stellen? "Die Beschäftigten der Stadt können gerne öfter essen kommen", so Spranger mit einem Augenzwinkern, und er ergänzt: "Im Ernst, wir können in der aktuellen Lage nicht wirklich profitabel arbeiten, wollen aber unser Service- und Qualitätslevel aufrechterhalten. Wir sind glücklicherweise entspannter als viele Kollegen, weil wir ja nun einen Konzern im Hintergrund haben." Nina Fachinger

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