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Liane und Matthias Göttlich sowie Klaus-Dieter Bernert und Ehefrau Monika Bernert treten als "Fröhliche Buchfinken" auf und veranstalten seit drei Wochen die Montagskonzerte.

Usingen

Usingen: Fröhliche Buchfinken singen für ihre Nachbarn

Die Musiker aus Usingen proben im Freien. Beschwerden von Anwohnern und Diskussion mit der Stadtpolizei bleiben nicht aus.

Usingen -Derzeit müssen die Menschen überall auf Kunst und Kultur verzichten. Sänger proben für sich, Musiker spielen online über Streaming-Dienste, doch all das ersetzt nicht den Charme von live gespielter Musik. Davon sind Klaus-Dieter Bernert und seine Ehefrau Monika Bernert sowie Liane und Matthias Göttlich überzeugt. Als "Fröhliche Buchfinken" sind sie die Haus- und Hofband des Usinger Carneval-Vereins (UCV) und proben einmal in der Woche im Bernertschen Haus in der Albert-Franke-Straße.

Doch seit drei Wochen haben die vier Musiker ihren kleinen Probenraum nach draußen in den heimischen Garten verlegt. "Die Menschen spielten von Kirchtürmen Trompete, andere musizieren vor Altenheimen, einfach weil Musik in den einsamen Zeiten Trost und Kraft spendet", weiß Monika Bernert.

Deshalb haben sich die Buchfinken seit Ostern entschieden, ihre wöchentliche Probe in den heimischen Garten zu verlegen. "Da können wir bequem genügend Abstand halten", sagt Monika Bernert.

Eine besondere Auszeit vom Alltag

Eine weitere Intention daran sei, auch den nächsten Nachbarn eine Freude zu bereiten. Denn gerade in ihrer Straße würden einige ältere Menschen auch alleine leben, sie kämen nicht mehr vor die Tür.

"Mein Mann ist krank und kann nicht raus", erzählte eine direkte Anwohnerin am Montagabend. Die Musik sei für ihn jede Woche etwas Besonderes, und auch sie selbst erfreue sich an den Liedern.

Ebenso begeistert zeigten sich auch die unmittelbaren Nachbarn in der Straße, die ans Fenster gingen und zusahen, Platz in ihrem Garten nahmen oder auf dem Gehweg in gebührendem Abstand die halbe Stunde genossen, in der die Buchfinken spielten. "Das ist für uns beide immer etwas Besonderes", so die Meinung. Nahezu die ganze Albert-Franke-Straße entlang standen Menschen in Gärten, um zu lauschen.

Dass sie jeden Montag um 18.05 Uhr nach dem Glockenläuten spielen, daraus machen die Buchfinken keinen Hehl. Im Gegenteil. UCV-Pressesprecher Roman Streifinger filmte die Probe in gebührendem Abstand, um sie live ins Netz zu stellen. "Bei uns muss niemand vorbeikommen, das sagen wir auch ganz explizit", betont Klaus-Dieter Bernert. In den Genuss der Live-Musik würden so ausschließlich die Nachbarn kommen und auch immer nur maximal eine halbe Stunde. Doch die besten Absichten sind nicht jedermanns Sache.

Das zeigte sich bereits vor einer Woche, "da kam die Polizei, weil sich Anwohner über die Lautstärke beschwert haben", erzählt Monika Bernert. Also hieß es die Lautstärke drosseln, und sie durften weiter spielen. Um aber künftigen Stress zu vermeiden, haben sich die Buchfinken bei Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) um eine Ausnahmegenehmigung bemüht. "Doch so etwas im Rahmen des Emissionsschutzes kann nur der Hochtaunuskreis erteilen", sagt Wernard auf Nachfrage dieser Zeitung.

Grundsätzlich gelte es Lärm zu vermeiden, und vor allem dürfe kein Veranstaltungscharakter entstehen. Die gute Absicht hat aber auch der Bürgermeister erkannt, denn er riet zum leisen Weitermachen. Doch was heißt leise? Da wird's dann schon schwierig, weshalb sich die Buchfinken nun an einem Rasenmäher orientiert haben. Der bringt es auf 80 Dezibel "und genauso laut haben wir die Boxen eingestellt", versichert Klaus-Dieter Bernert. Um so überraschter aber auch verärgerter waren die Buchfinken und Nachbarn, als am vergangenen Montagabend nach zwei Minuten Spielzeit das Ordnungsamt um die Ecke kam. Und schnell entwickelte sich ein Wortduell zwischen Zaungästen, Stadtpolizei und den Buchfinken, die ihr Spiel erst einmal unterbrechen mussten. Am Ende blieb es bei dem Hinweis, leiser zu spielen und der Aufnahme von Personalien.

Doch noch gut gemeistert

Magistratsmitglied Gerd Seidenstücker (FDP) zeigt kein Verständnis für das Vorgehen der Stadtpolizei, die dieses Mal "in der Gegend war", wie Wernard erklärt, aber keine Beschwerden von Anwohnern vorliegen hatte. Und so gab es dann am Ende mit einiger Verspätung dann doch noch eine halbe Stunde Musik und Freude, wobei die Buchfinken zeigten, dass sie viel mehr können als Karneval. Und obgleich der Puls deutlich angestiegen war, meisterten sie die 30 Minuten ganz professionell.

"Wir bitten die Menschen, zu Hause zu bleiben und nicht zu kommen", sagt Klaus-Dieter Bernert. Deshalb gebe es den Live-Stream über den UCV-Kanal, wo ihn Zuschauer von überall her verfolgen können, das nächste Mal am kommenden Montag um 18.05 Uhr. Von Tatjana Seibt

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