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Feuerwehrleute mussten am Sonntag Teile des Dachs der Shell-Tankstelle in Usingen demontieren. Sie hatten sich durch den Sturm gelöst.

Unwetter

Umgestürzte Bäume, losgelöste Dächer, Zugausfälle: So wütete Sturmtief "Eberhard" im Usinger Land

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Orkanböen haben am Sonntag auch im Usinger Land Schäden angerichtet, der Schwerpunkt der Feuerwehreinsätze lag in Usingen. Dort rückte die Wehr elf Mal aus – und begegnete unterwegs deutlich mehr Menschen, als ihr lieb gewesen wäre . . .

Usinger Land - Das Sturmtief Eberhard hat am Sonntagnachmittag und -abend zahlreiche Bäume im Usinger Land auf Straßen, Gehwege und Hausdächer umstürzen lassen. Auch das Dach der Shell-Tankstelle an der Bundesstraße 275 in Usingen hielt dem Wind mit einer Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde nicht stand.

Ähnlich wie bei einem Autohaus an der A 45 bei Herborn lösten sich auch in Usingen Teile des Tankstellen-Dachs und drohten herabzufallen. Die Freiwillige Feuerwehr Usingen montierte die losen Teile ab. Anders als in Herborn, wo die Autobahn mehrere Stunden gesperrt war, musste die Bundesstraße jedoch nicht gesperrt werden.

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Allerdings lag dort ein Baum teilweise auf der Fahrbahn und musste weggeschafft werden. Die Freiwilligen Feuerwehren waren in allen Usinger Stadtteilen außer Michelbach im Einsatz, berichtet Stadtbrandinspektor Michael Grau. Insgesamt gab es elf Alarmierungen.

Großes Glück hatte ein 32-jähriger Autofahrer auf der Kreisstraße 739, der von Usingen-Wilhelmsdorf nach Niederlauken fuhr. Unmittelbar vor dem Pkw des Weilroders stürzte ein Baum auf die Straße, der Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr gegen den Baum, wurde durch den Zusammenstoß jedoch nicht verletzt. Die Feuerwehr Niederlauken sicherte die Unfallstelle ab und zerkleinerte den Baum anschließend mit einer Kettensäge, berichtet die Wehr auf ihrer Internetseite. Den an dem VW Bora entstandenen Schaden schätzt die Polizei auf rund 2000 Euro.

Strumtief im Usinger Land: Züge fallen aus

Das Sturmtief Eberhard beschäftigte auch die Feuerwehren in Schmitten, wo es sieben Einsätze gab.  Schwerpunkt war Oberreifenberg mit mehreren Einsätzen im Ort. Unter anderem stürzten Bäume in der Königsteiner und in der Siegfriedstraße um, berichten die Brandbekämpfer. In der Galgenfeld-Siedlung fiel gegen 17 Uhr ein Baum auf ein Hausdach. Und auch die L 3279 zum Sandplacken in Arnoldshain wurde am Sonntagnachmittag durch umgestürzte Bäume versperrt. Auch die Züge der Hessischen Landesbahn (HLB) waren von dem Sturm betroffen. Auf der Strecke der Regionalbahn (RB) 15, Brandoberndorf – Bad Homburg – Frankfurt, gab es wegen der Orkanböen sowohl am Sonntag als auch im gestrigen Berufsverkehr zwischen Grävenwiesbach und Usingen Verspätungen und Zugausfälle.

Dieser Lkw schaffte die Kurve kurz hinter dem Wanderparkplatz Hoher Berg bei Usingen nicht. Die Polizei gab am Montagmorgen für das gesamte Usinger Land Glatteis-Warnmeldungen heraus.

Nicht nur auf der Bahnstrecke, sondern auch auf den Straßen im Usinger Land gab es gestern Behinderungen, die jedoch durch den in der Nacht einsetzenden Schneefall verursacht wurden. Einige Lkw hatten damit Probleme, zum Beispiel verlor ein Fahrer auf der B 275 Richtung Grävenwiesbach, kurz hinter Usingen, am Wanderparkplatz Hoher Berg die Kontrolle über sein Fahrzeug und geriet auf die Gegenfahrbahn. Verletzt wurde laut Ingo Paul, Sprecher der Polizeidirektion Hochtaunus, im gesamten Usinger Land sowohl am Sonntag als auch am Montag niemand.

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Das ist für Michael Grau, Stadtbrandinspektor von Usingen, übrigens ein kleines Wunder. „Wenn der Sturm zugelegt hätte, wäre deutlich mehr passiert“, ist er überzeugt.

Genervte Autofahrer wegen Sturm

Viele Menschen hätten sich am Sonntag selbstmörderisch verhalten, findet Grau. „Es gibt Leute, die bei diesem Sturm bewusst in den Wald fahren.“ Personen mit Kindern und auf Fahrrädern seien unterwegs gewesen, was unverantwortlich sei. „Niemand hat bei einem Sturm etwas auf der Straße und im Wald zu suchen.“

Er selbst war am Sonntagnachmittag auf der Bundesstraße 275 kurz hinterm dem Parkplatz Meerpfuhl bei Merzhausen im Einsatz, wo eine umgestürzte Fichte die Straße blockierte. Diese Flachwurzler am Straßenrand böten dem Wind besonders viele Angriffsflächen. „Wir haben uns zurückgezogen und auf Hessen Mobil gewartet, weil für uns die Situation, in der überall Bäume umgefallen sind, zu gefährlich war.“ Da es eine Bundesstraße sei, sei Hessen Mobil für die Räumung verantwortlich, so Grau.

Eine Fichte stürzte auf die Bundesstraße 275 bei Merzhausen. Sie musste von Mitarbeitern von Hessen Mobil und Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehr zersägt und von der Straße geräumt werden.

Wie der Brandbekämpfer außerdem berichtet, seien er und seine wartenden Kollegen mehrfach von Autofahrern angesprochen worden, die die Straße nicht mehr nutzen konnten und wissen wollten, wie sie denn nun auf die Autobahn kommen könnten. „Dann bleibt man eben noch zwei Stunden bei seinem Besuch oder in einem Gasthaus und fährt später los“, findet der Usinger. Und: „Eigentlich hätten wir großflächig absperren und warten müssen, bis der Sturm vorbei ist.“ Er habe schlicht Angst um seine Kameraden gehabt, die sich bei so einem Sturm-Einsatz selbst in große Gefahr begäben. Da sei es vielleicht besser, einen umgestürzten Baum liegenzulassen – sofern Menschen dadurch nicht gefährdet seien. „Wir werden künftig eine Vorausmannschaft mit zwei Einsatzkräften rausschicken, die eine Einschätzung abgibt, ob wir reagieren oder abwarten“, so Grau.

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