Nicht nur in den Klassenräumen, sondern auch auf dem Weg dorthin halten diese Schülerinnen an der Saalburgschule in Usingen Abstand zueinander.
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Nicht nur in den Klassenräumen, sondern auch auf dem Weg dorthin halten diese Schülerinnen an der Saalburgschule in Usingen Abstand zueinander.

Rückkehr zum Schulalltag

Usinger Land: Mit dem nötigen Abstand zum Unterricht

Leiter von weiterführenden Schulen sind froh, dass ihre Schüler zurückkommen und stellen ihre Konzepte dafür vor.

Usinger Land - Nicht nur Grundschülern im Usinger Land hat der Corona-Lockdown zu schaffen gemacht, sondern auch den älteren Schülern an den weiterführenden Schulen. Alle vermissten ihre Lehrer und Mitschüler. Gemeinsam ist allen, dass sie seit Dienstag wieder in die Schule dürfen. "Es ist nicht anders als bei den Kleinen; unsere Schüler freuen sich, ihre Freunde, Kollegen und Lehrer wiederzusehen. Es ist gut, dass es wieder Präsenzunterricht gibt, hätte es nur Homeschooling (Hausunterricht) gegeben, wäre das Schuljahr total zerfleddert worden. So kommen noch mal alle zusammen, man kann gemeinsam ein Resümee ziehen", sagt Heike Weber, Leiterin der Usinger Saalburgschule.

Jetzt sind viele Schüler wieder an den Schulen - halten sie sich auch an die Corona-Abstandsregeln und Hygiene-Vorgaben? "Auf dem Schulgelände klappt das ziemlich gut, aber nach dem Verlassen des Schulgeländes verringern sich die Abstände schnell", hat Hans-Konrad Sohn, Leiter der Christian-Wirth-Schule in Usingen, beobachtet.

Benedikt Hennegriff, stellvertretender Leiter der Helmut-Schmidt-Schule (GHS), erläutert, wie man die Schüler in den Pausen auf Abstand hält: "Der Pausenhof ist in 15 Bereiche aufgeteilt worden, der jeweils einzelnen Klassen zugeordnet wurde, die Fünften haben einen eigenen Bereich, dem ist immer ein Lehrer zugeteilt, der darauf achtet, dass sich die Schüler nicht zu nah kommen. Grundsätzlich müssen Schüler die Mund-Nasen-Maske nur aufsetzen, wenn die 1,5 und 2 Meter Abstand unterschritten werden." Jeder Schüler sei verpflichtet, mit einer Maske zur Schule zu kommen, Ausreden lässt der stellvertretende Schulleiter nicht gelten; zur Not werde auch mal ein Schüler heimgeschickt.

"Bei uns kommen einzelne Gruppen schon seit 27. April wieder, die Einhaltung aller Vorgaben ist ein Lernprozess. Dazu kommt, dass der Kreis sehr viel macht, am Eingang eine Desinfektion anbietet, aber auch ständig Griffe und andere Gegenstände abwischt, die berührt wurden. Klausurräume werden immer vollständig desinfiziert. Bei uns dürfte sich also keiner anstecken", so Heike Weber. Vorsicht sei das oberste Gebot, auch wenn es natürlich traurig für die Schüler sei, die jetzt die Schule nach den Prüfungen verlassen, denn Abibälle und Freisprechungsfeiern müssen ausfallen. "Den Abiturienten habe ich versprochen, dass ich sie nach der Corona-Krise einlade, aber auch dafür ist es jetzt noch zu früh."

Schwierige Suche nach einem Ausbildungsplatz

Bis zu den Sommerferien werden rund 400 Schüler pro Tag die Berufsschule besucht haben, insgesamt sind es 1421 Schülerinnen und Schüler an der Saalburgschule. Zwei junge Leute befinden sich mit Corona-Verdacht momentan in Quarantäne, es gehe ihnen aber gut, berichtet Weber. Beide hätten sich wahrscheinlich in ihren Ausbildungsbetrieben mit dem Virus angesteckt. In einem Fall war es eine Zahnarztpraxis, die später geschlossen wurde.

Die Frage, welche Fächer unterrichtet werden, erübrigt sich an der Berufsschule, die ja verschiedenste Abschlüsse anbietet. "Wir haben alle Klassen herbestellt und für Blockunterricht eingeteilt", so Weber. Die Gymnasiasten kämen 14-tägig, das Ziel bei den Berufsschülern sei es, dass jede Klasse vor den Ferien mindestens eine Woche da war.

Schüler in den Bildungsgängen der Berufsvorbereitung (Ziel: Hauptschulabschluss) und der Berufsfachschule (Ziel: Realschulabschluss) unterstütze die Schule gerade dabei, einen Anschluss hinzubekommen, also zum Beispiel einen Ausbildungsplatz zu finden. Benotet würden die Schüler auf Grundlage der bisher erreichten Noten in diesen Bildungsgängen, Prüfungen entfielen wegen Corona jedoch, so Weber (Homeschooling fließt nur ein, wenn es gut lief). "Es wird schwierig, einen Anschluss zu finden, weil viele Betriebe nicht mehr ausbilden."

Erfolg ist abhängig vom Elternhaus

Auch Benedikt Hennegriff ist froh, dass die Schüler wieder zurückkommen. "Die Sprachvermittlung über ein Onlineportal ist schwierig. Außerdem ist es auch nicht einfach, darüber Rückmeldungen zu geben", so Hennegriff auf die Frage, warum Präsenzunterricht wichtig ist. Nichtsdestotrotz habe die Schule bei den Fünft- bis Siebtklässlern positive Erfahrungen beim Hausunterricht gemacht, "da haben Eltern mithelfen können. Wenn das nicht der Fall ist, wird es schwierig."

Aufgeteilt wurden die Schüler an der Usinger Gesamtschule in zehn Gruppen zu 15 Personen. Zwischen 100 und 150 Schüler kommen bis zu den Sommerferien jeden Tag an die Schule, hat Hennegriff ausgerechnet.

Unterrichtet würden die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch, für die Nebenfächer gibt es weiterhin die Online-Angebote.

Für Hans-Konrad Sohn gibt es 1000 Gründe, warum Präsenzunterricht so wichtig ist. "Einer der wichtigsten ist: Die unmittelbare soziale Interaktion ist durch nichts adäquat zu ersetzen."

Bis zu den Sommerferien, die am 6. Juli beginnen, werden alle 1070 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium besucht haben, so Sohn. Aufgeteilt werden sie wie folgt: Je zwei Jahrgangsstufen der Unter- und Mittelstufe (entspricht elf Klassen) kommen für jeweils fünf Stunden an jedem Vormittag, das heißt, jede Klasse an jedem dritten Unterrichtstag, erläutert Sohn. "Die Oberstufenjahrgänge vier (E 2) beziehungsweise (Q 2) fünf Mal pro Woche am Nachmittag. Während der Phase der mündlichen Abiturprüfungen ist der Präsenzunterricht reduziert."

Unterrichtet würden alle Fächer außer Sport, Ausnahme: Sporttheorie im Leistungskurs und Religion/Ethik, "weil hier alle Lerngruppen aus verschiedenen Klassen gemischt sind". Von Nina Fachinger

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