Neun Brücken gehören zur Nord-Ost-Umgehung Usingen. Die Anschluss-Stellen Nordwest (Richtung Grävenwiesbach), Nord (Richtung Eschbach) und Ost (Richtung Bad Nauheim) werden Kreisel. Die Anschlussstelle Süd (Frankfurter Straße) wird in beide Richtungen geöffnet.
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Neun Brücken gehören zur Nord-Ost-Umgehung Usingen. Die Anschluss-Stellen Nordwest (Richtung Grävenwiesbach), Nord (Richtung Eschbach) und Ost (Richtung Bad Nauheim) werden Kreisel. Die Anschlussstelle Süd (Frankfurter Straße) wird in beide Richtungen geöffnet.

Usinger Land

Usinger Nord-Ost-Umgehung auf der Zielgeraden: Das Ziel von Hessen-Mobil und Stadt Usingen: Baurecht 2023, Spatenstich 2024

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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250 Einwendungen gegen das Bauvorhaben werden gerade beantwortet

Usingen -"Das Planfeststellungsverfahren für die Nord-Ost-Umgehung Usingen ist beendet" - nein, diese Nachricht konnten die Mitarbeiter von Hessen-Mobil gestern in der Usinger Hugenottenkirche nicht verkünden. Dafür sei es noch zu früh. "Wir bearbeiten zurzeit die Einwände und Stellungnahmen. Sobald die Erwiderungen abgeschlossen wurden, gehen diese an das RP in Darmstadt, das dann einen Vorlagebericht ans Bundesverkehrsministerium schickt - der Bund muss die Planfeststellung herausgeben", erläuterte Fachdezernatsleiter Thomas Ramolla.

Es gab 250 Einwendungen gegen das Bauvorhaben, informierte Bürgermeister Steffen Wernard (CDU). Deren Abarbeitung dauere weiter an. Das Ziel sei es nichtsdestotrotz, im Dezember 2023 Baurecht zu haben, so Ramolla. Sollte dann tatsächlich 2024 Spatenstich sein, dann wäre die Nord-Ost-Umgehung zwei bis drei Jahre später, also spätestens 2027, fertig. Es wäre das Ende einer fast unendlichen Geschichte (mehr lesen Sie in der Infobox) - aber ein Ende ist nach Wernards Überzeugung in Sicht: "Wenn der Spatenstich 2024 ist, wäre das ein riesiger Schritt für Usingen."

Die geplante Trasse soll eine Länge von knapp sechs Kilometern haben und die Bundesstraße 275 westlich von Usingen vor dem Stockheimer Tal verlassen. Südöstlich, bei Wehrheim, soll sie dann in die Bundesstraße 456 einmünden. An der Trassenführung hat sich seit 2017 nichts verändert. Über Bord geworfen wurden wiederum die Pläne von 2007, die viel kritisiert wurden.

Auf die B 456 auf- und abfahren

Bürgermeister Wernard hob gleich zu Beginn hervor: "Die Frankfurter Straße nach und von Bad Homburg bleibt in beide Richtungen offen, der Verkehr wird also nicht durch die Nauheimer Straße, sondern durch den Wehrheimer Wald fahren." Dafür werde die Anschluss-Stelle Süd geöffnet, sagt Mirjam Buballa, bei Hessen-Mobil für das Projekt verantwortlich. Man kann an dieser Stelle sowohl auf die B 456 auf- als auch abfahren. Die Verkehrsbelastung in der Nauheimer Straße soll dadurch deutlich weniger werden. Die B 456 werde vierspurig von der Einmündung nach Wehrheim (Usinger Straße) bis zum Knoten Süd verlängert.

Man habe bei den Planänderungen darauf geachtet, dass die landwirtschaftlichen Wege besser angebunden wurden, sagt Ramolla. Die Trasse verläuft westlich des Usahofes (Knoten Ost/Richtung Ober-Mörlen). Außerdem sei die Länge der Brücke in diesem Bereich der Trasse deutlich um etwa die Hälfte auf 125 Meter Länge reduziert worden (weniger Flächenfraß).

Angebot an Landwirte und weniger Lärm

An drei Anschlussstellen (Nordwest, Nord und Ost) gelte, dass die Fläche überall optimiert wurde, indem nun Kreisel gebaut werden sollen, statt sogenannter "Ohren" mit Auf- und Abfahrten an jeder Straßenzufahrt. Auf Wunsch von Landwirten hat Hessen-Mobil zwei neue Möglichkeiten eingeplant, wo man die Umgehung überqueren kann. Sie befinden sich im Bereich Wernborner Weg und Schlappmühler Pfad ("Einschnittsbereiche").

Das dient einerseits dazu, die Wirtschaftsquerung zu vereinfachen. Andererseits soll dadurch der Lärm reduziert werden. Immer wieder ging es in der Vergangenheit darum, dass die Lärmbelastung mit dem Bau der Nord-Ost-Umgehung in einigen Wohngebieten stark zunehmen werde, so die Kritiker. Wernard hob hervor, dass auch diesem Kritikpunkt der Wind aus den Segeln genommen wurde. Im Bereich der Wohnbebauung Schlappmühler Pfad werde die Trasse verlagert (abgesenkt). "Die Einschnittstiefe beträgt dort mindestens 18,5 Meter", sagte Michael Eichmann von Hessen-Mobil. Sonst liege diese bei um die zehn Meter. Diese Absenkung sorge dafür, dass dort der Lärm reduziert werde, so Wernard.

Bestehende Gewässer müssen sich verbessern

Das ganze Vorhaben kostet 47 Millionen Euro, die vollständig der Bund zahlt. "Er beginnt erst mit den Bauvorbereitungen, wenn Baurecht vorliegt", sagte Ramolla.

Mirjam Buballa, Thomas Ramolla und Michael Eichmann (von links, es fehlt Jens Arnold) bilden das neue Team für die Nord-Ost-Umgehung bei Hessen-Mobil. Sie stellten in Anwesenheit von Steffen Wernard (rechts) den Trassenverlauf vor, der sich aber nicht verändert hat.

Zwischen 2007 und 2017 liegen zehn Jahre, natürlich frage man sich als Bürger, was so viel Zeit kostet. "Die Wasserrahmenrichtlinie beschäftigt uns am meisten", berichtete Ramolla. Diese sei in den Planungen von 2007 nicht berücksichtigt gewesen, "die mussten wir erst nachliefern". Positiv sei, dass die in diesem Kontext erstellten Gutachten keine neuen "Aufgaben" ergeben hätten; die Messungen laufen allerdings noch. Jedes Monitoring über die Gewässergüte laufe ein Jahr. "Für alle bestehenden Gewässer gibt es bei so einem Projekt ein Verbesserungsgebot und ein Verschlechterungsverbot", so Ramolla.

Am Nachmittag präsentierte Hessen-Mobil dann noch den Usinger Magistratsmitgliedern den aktuellen Stand der Planung für die Nord-Ost-Umgehung.

Lange Planungszeit

Die Planung der Usinger Umgehung dauert schon 50 bis 60 Jahre, 1976 wurde - nach mehreren Jahren Planung - das erste Planfeststellungsverfahren zur Usinger Nord-Umgehung eingeleitet. Diese Pläne wurden 1977 von der CDU-Mehrheitsfraktion abgelehnt. Immer wieder kam es zu Verzögerungen, ausgearbeitete Planungen wurden wieder aufgehoben. Später wurde aus der Nord- die Nord-Ost-Umgehung. 1998 wurde der Usinger Stadtverordnetenversammlung ein Vorentwurf der "Nord-Ost-Umgehung Usingen" vorgestellt. Einen Einschnitt gab es im Jahr 2012. Die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung HSVV wurde in eine Spartenorganisation umgewandelt. Damit änderte sich auch der Name in Hessen Mobil. Hessen Mobil führte die Planung der Nord-Ost-Umgehung weiter.

2016 gab es einen kleinen Eklat: Die Umgehung tauchte, anders als es von der Politik kommuniziert worden war, nicht im Bundesverkehrswegeplan 2030 auf - die Ursache war eine Datenpanne. Nach dem Intervenieren der hessischen Landesregierung wurde dieser Fehler behoben und das Vorhaben sogar als "Vordringlicher Bedarf" eingestuft.

2018 leitete das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt ein erneutes Planfeststellungsverfahren ein. Die Pläne wurden in den Usingen, Neu-Anspach und Wehrheim zwischen dem 23. April und dem 23. Mai ausgelegt. Personen, deren Belange durch das Vorhaben berührt werden, konnten bis zum 25. Juni beim Regierungspräsidium oder bei den Kommunen Usingen, Neu-Anspach und Wehrheim Einwendungen gegen die Änderungen erheben.

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