+

Handelsroute

Verbindung zu Weilburgs Residenz

  • schließen

Vom Ortseingang bis in den Stadtkern wird die Bundesstraße erneuert. Doch die Verbindung war schon immer eine wichtige Route – als heutiger Abschnitt der B 275 war die Straße nach Wiesbaden eine bedeutende inner-nassauische Infrastruktur.

Die Autofahrer haben es derzeit schwer, durch die Innenstadt zu kommen, denn eine der Hauptverkehrsadern ist gesperrt. Vom Ortseingang Kreuzung Stockheimer Hof bis zur Egerländer Straße geht zurzeit gar nichts, stadtauswärts weisen mehrere Baken auf die Sperrung hin, auf die Zufahrtsmöglichkeit zu den Geschäften bis zur Fritz-Born-Straße ebenfalls.

Betroffen von der Straßenerneuerung ist die Bundesstraße 275. Diese ist rund 160 Kilometer lang und verbindet den Vogelberg mit dem Rheintaunus. Sie durchquert die Wetterau, die ehemalige Reichsstadt Friedberg und führt als Ost-West-Verbindung mitten durch den nördlichen Taunus. Sie schlängelt sich durch Täler, überwindet Höhen und dürfte zu den ältesten Taunusstraßen gehören.

An Kreuzung gegründet

Wenn ein Usinger heute in den modernen Routenfinder Wiesbaden als Zielort eingibt und dabei Autobahnen ausklammert, der bekommt sie bis Taunusstein-Neuhof angezeigt und dann folgte die Route weiter der B417 bei der Platte über den Taunuskamm in die Landeshauptstadt. Bei Neuhof stieß die alte West-Ost-Verbindung auf die sogenannte Hühnerstraße, die als Nord-Süd-Verbindung von Wiesbaden über Limburg nach Nassau an der Lahn führt. Eine zweite Bundesstraße führt heute durch Usingen, und diese verbindet den Vordertaunus und Frankfurter Raum mit Weilburg, führte aber ehemals über Heinzenberg und durch das Weiltal.

Das Wegekreuz wird besonders in Hinblick auf die Südanbindung von Ortshistorikern als Etappenort zwischen Frankfurt und Wetzlar für die Gründung Usingens ins Spiel gebracht. Die Zusammenhänge zeigen auf jeden Fall, dass die Verkehrsachsen gerade in der Topographie Nassaus eine wichtige Rolle einnahmen, denn sie verbanden das Usinger Land mit der Mutterresidenz Weilburg, als auch mit der Schwesterresidenz Idstein sowie seinem „Ableger“ Wiesbaden, das die älteren Residenzen schließlich an Bedeutung überholen sollte. Da die Ämter beziehungsweise Oberämter des Fürstentums Nassau-Usingen, nämlich Wiesbaden, Idstein und Usingen unmittelbar aneinander grenzten, war der B-275-Vorläufer eine infrastrukturell wichtige Landesstraße. Auch in vornassauischer Zeit spielte die Ost-West-Achse schon eine Rolle als Verbindung des Gaus Wetterau und des Lahngaus, aus denen die territorialen Kräfte ins Usinger Land drängten.

Ein Postweg

In Nassauer Zeit, das heißt, seit spätestens dem 13. Jahrhundert, dominierte die Verbindung zwischen den nassauischen Residenzen, und sie diente Bauern, Handwerkern, Beamten und nicht zuletzt der nassauischen Höfen als Weg für Boten und schließlich der Post.

Noch im 18. Jahrhundert reiste der Hof zumeist über die „B 275“ an und wie besondere Ankömmlinge empfangen wurden, zeigt eine Schilderung aus dem Jahre 1772 als Fürst Carl Wilhelm, der in Biebrich residierte seine beiden Töchter Caroline Polyxena und Louise Caroline Henriette nach Usingen schickte, um sie hier in der Obhut des Pfarrers erziehen zu lassen.

Man bereitete ihnen ab dem Stockheimer Hof einen Empfang: Mädchen im Alter der Prinzessinnen sollten sie weiß gekleidet empfangen, eine Eskorte mit Fahnen und Musik sie in die Stadt geleiten, wo am Marktplatz die Jungen salutierten. Entlang der Straße bis zum Schloss standen die Bürger Spalier, und am Schloss wurden sie vom Rat der Stadt empfangen. Zwischen Stockheimer Hof und Stadt waren damals nur Felder und Wiesen, aber die Achse der späteren Chaussee war bereits angelegt. Die Stadt begann am Neutor, das ihr seinen heutigen Namen gegeben hat.

Wie dieses ausgesehen hat, ist leider nicht überliefert. Die alte mittelalterliche Stadtbefestigung umschloss nur die Altstadt, nur das Untertor war davon noch vorhanden. Die barocken Stadterweiterung waren nicht mehr massiv umbaut, und so wird es am Neutor nur einen Schlagbaum eventuell mit einem kleinen Wachthaus gegeben haben. Die ersten Häuser welche die Straße flankierten sind noch erhalten und entsprechen bis auf eines auf der Nordseite noch weitgehend ihrem alten Zustand. Sie schließen sich direkt an die Amtsapotheke beziehungsweise dem gegenüber Eckgebäude an.

Wie es mit der Entwicklung der Straße weiterging, soll in einem zweiten Teil näher beleuchtet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare