Eine wahre Farbenexplosion empfängt den Besucher im Garten in Wernborn. Vielfalt, die naturnahe Pflege und der Verzicht auf Chemie haben nun zu einer Auszeichnung geführt.
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Eine wahre Farbenexplosion empfängt den Besucher im Garten in Wernborn. Vielfalt, die naturnahe Pflege und der Verzicht auf Chemie haben nun zu einer Auszeichnung geführt.

Wernborner Garten wird ausgezeichnet

Verein verleiht Karin Zwermann eine Plakette für naturnahe Vielfalt

  • VonAndreas Burger
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Delegation aus Österreich besucht den Ort und schaut sich das Rosendorf an

Es summt und brummt im weitläufigen Garten, ein wahres Blütenmeer aus einem unglaublichen Pflanzenmix empfängt den Besucher. Und dabei wirkt der Garten nicht steril oder aufgeräumt - er ist im wahrsten Sinn naturnah. Gepflegt, ohne den Eindruck zu erwecken, dass hier jemand mit der Nagelschere an Feinheiten arbeitet.

Das dürfte unter anderem auch der Grund sein, warum Karin Zwermann mit ihrem kleinen Paradies in Wernborn nun eine besondere Auszeichnung erhält. Der Garten wurde mit der Plakette "Natur im Garten" ausgezeichnet.

Der Verein hat seinen Ursprung in Niederösterreich, inzwischen aber auch in Deutschland Fuß gefasst, in Hessen seit 2020. Die Bewegung setzt sich für die Ökologisierung von Gärten und Grünräumen ein. Kernkriterien der Bewegung "Natur im Garten" sind Gärten, die ohne chemisch-synthetische Pestizide und Dünger sowie ohne Torf gestaltet und gepflegt werden. Die Artenvielfalt ist ebenfalls wichtig, ebenso der Blick darauf, dass die Pflanzen auch für die heimische Insektenwelt nützlich sind.

Kleine Helfer im Boden

Der Anfang des Jahres verstorbene Gartenfachmann Karl Zwermann war schon ein profunder Kenner, sein großes Augenmerk lag aber auf dem Rosendorf Wernborn. Die heimischen Gefilde lagen und liegen in den Händen von Karin Zwermann, die ein besonderes Händchen hat. Nicht zuletzt, weil sie im Vertrieb auch die sogenannten Effektiven Mikroorganismen (EM) hat, die kleinen und sehr vielfältigen Helfer, die Gift und Chemie aus dem Garten halten. Die mit Wasser zu verdünnenden Lösung, bestehend aus den Mikroorganismen, setzt Zwermann gegen Krankheiten ein, um den Kompost zu verbessern, Pflanzen zu düngen - und putzt sogar die Fenster damit. Dass die Allzweckwaffe wirkt, zeigt sich im Garten.

Aber es ist auch die ständige Weiterbildung in Sachen Garten, die das Paradies so sehenswert und nun auszeichnenswert macht. Zwermann kombiniert die Flora aus vielfältigen Arten - Rosen mit Clematis etwa. Im Gewächshaus erntet sie in Kürze Inka-Gurken, ein Versuch, der augenscheinlich gelingt.

Gift kommt ihr keines mehr ins Beet, auch wenn ihr Mann vor einigen Jahren, als sie sich in Österreich über den Verein informierten, noch skeptisch zum Verzicht der chemischen Keule stand. Denn zu deutlich waren die Katastrophen im Gedächtnis, als etwa die Rosen dahingerafft wurden und viele Pflanzenarten wegen kaum zu bändigender Schädlinge litten. Auch Karin Zwermann ist keine grundsätzliche Verfechterin der chemiefreien Landwirtschaft oder Gärten. Aber wenn überhaupt, dann mit Augenmaß und nur dort, wo natürliche Mittel nicht reichen. Bei ihr im Garten reichen die Mittel aus der EM-Angebotspalette.

Mitte Juli reist nun eine Delegation aus Niederösterreich vom Verein "Natur im Garten" an - mit viel Prominenz. Darunter der dortige Landesrat Martin Eichtinger. Auch Karl Ploberger, Biogärtner und bekannt aus vielen Gartensendungen, ist dabei, genauso wie die Geschäftsführung des Vereins und eine Delegation des neuen Zweigvereins aus dem Kreisverband Lauterbach.

Bürgermeister Steffen Wernard, Landrat Ulrich Krebs und Landtagsabgeordneter Holger Bellino (alle CDU) begrüßen die illustre Schar und starten danach zu einem Rundgang durch das Rosendorf. Denn auch dieses steht im Fokus, schließlich hat Karl Zwermann hier etwas Einmaliges aufgebaut.

Der Rundgang durch den Garten ist eine Art Kurzurlaub mit Fortbildung. Zwermann erklärt, spricht über Blumen und Stauden, Sträucher und Topfpflanzen. Weiß, was wo Sinn macht und experimentiert. Durch ihr großes Netzwerk in den Bereichen Garten und Natur hört sie stets Neuheiten, die ihr Interesse wecken.

Was sie nicht haben kann, sind sterile Gärten, die aussehen, als wäre ein Planer mit dem Metermaß durchgelaufen. Es darf auch mal wild sein, ohne verwildert zu wirken.

Die Auszeichnung kam überraschend, denn in Deutschland hat der Verein noch keine große Mitgliederschar. Per Anruf wurde sie über die Preisvergabe informiert. Und das entsprechende Schild ist bereits am Eingang befestigt - allerdings ist es noch die für Österreich gedachte Plakette - für Deutschland ist eine entsprechende Variante erst am Entstehen.

Ihre starken EM-Helfer sind übrigens inzwischen auch bei der Stadtverwaltung respektive im Bauhof im Einsatz. Denn die öffentliche Hand darf ja keine Chemie einsetzen, so kam man auf die Mikroorganismen - und hat schon manchem Baum oder einer Grünfläche damit wieder auf die Beine geholfen.

Karin Zwermann liebt ihr Gewächshaus, in dem derzeit auch die Inka-Gurke heranwächst.

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