Verwaltungsleiter Michael Herden (rechts) und Pfarrer Tobias Blechschmidt erläutern die neuen Immobilienpläne der Pfarrgemeinde St. Franziskus und Klara.
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Verwaltungsleiter Michael Herden (rechts) und Pfarrer Tobias Blechschmidt erläutern die neuen Immobilienpläne der Pfarrgemeinde St. Franziskus und Klara.

Finanzen in der Kirche

Verkauf mit Augenmaß

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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Gemeinde St. Franziskus und Klara trennt sich von einigen Gebäuden

Usinger Land -Es war, ist und bleibt ein sehr komplexes Thema, wenngleich sich inzwischen die heftigen Wogen aus dem vergangenen Jahr deutlich gelegt haben. Das Sparpaket der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus und Klara betrifft alle elf Kirchorte. Nachdem bei der ersten Planung 2020 nur noch drei "Kirchtürme" im Gespräch waren, tagten nun seit Februar die kirchlichen Gremien mit Vertretern aus allen Gemeinden, um ein tragfähiges Konzept zu erstellen. Das scheint gelungen, wie Verwaltungsleiter Michael Herden und Pfarrer Tobias Blechschmidt im Gespräch mit der TZ ausführlich erläutern (Lesen Sie dazu auch den unten stehenden Artikel).

Nach den Protesten aus den Kirchorten selbst zum ersten Streichungs-Plan habe man ausgiebig und sehr sachlich über die einzelnen Standorte und Gebäude diskutiert, erzählen die beiden. Vorgabe dabei war, dass die Kirchengemeinde das ihr zugeteilte Budget nicht überschreiten durfte. Und hier sei dann schnell die Grenze zwischen Machbarem und Unvermeidbarem gezogen worden. Denn der Investitionsstau bei Gebäuden sowie Unterhaltungskosten und Personal würde die Gemeinde innerhalb von sechs Jahren mit 1,4 Millionen Euro ins Minus katapultieren. "Der jetzige Plan bringt uns eine schwarze Null", so Blechschmidt.

Breite Diskussion

Sehr detailliert haben die Planer in den Diskussionen alle Zahlen und Fakten herangezogen. Das beginnt bei der tatsächlichen Zahl von Nutzern von Kirchen oder Gemeindehäusern sowie Pfarrhäusern, notwendigen Investitionen, monatlichen Unterhalts- oder Personalkosten. Demgegenüber steht immer der tatsächliche Nutzen - also "lebt" die Gemeinde und nutzt sie die Gebäude auch. "In den ganzen Debatten wurde immer fair über jeden Standort gesprochen, wir haben Alternativen gefunden und neue Möglichkeiten. Natürlich ist es immer ein schwerer Prozess, wenn die Kirche Gebäude aufgibt - etwa wenn man dort getraut wurde -, aber Kirche muss hier im lokalen Bereich zukunftssicher sein", sagt Blechschmidt. Und er sowie seine Kollegen stünden auch weiterhin für Gespräche bereit. "Und ich werde in allen kommenden Gottesdiensten am Ende auf das Thema eingehen."

Der Beschluss vom Pfarrgemeinderat von St. Franziskus und Klara "Kirchlichen Immobilien-Strategie", kurz KIS, steht also. "Kirchliches Leben vor Ort bleibt demnach in der gesamten Fläche der Großpfarrei St. Franziskus und Klara Usinger Land möglich", sagt Pfarrer Blechschmidt.

Seit 2018 wird nun über die Immobilien diskutiert. Die bisherigen Planungen wurden kritisch hinterfragt und auf Basis der gegebenen Notwendigkeit zum Handeln Entscheidungen getroffen. "Alle Kirchorte haben sich im aktuellen Prozess aktiv in die Diskussion eingebracht und zu einem schlüssigen und nah an den Menschen ausgerichteten Konzept für die Zukunft beigetragen", erklärt der Seelsorger. Zwei Gremien waren dabei beteiligt - zum einen aus den einzelnen Kirchorten, zum anderen aus Mandatsträgern der Gremien und Mitgliedern des Pastoralteams. "In beiden Gremien herrschte eine extrem gute und offene Gesprächsatmosphäre, in der alle Denkmodelle erlaubt waren. Das hat Mut gemacht und begeistert", berichtet Verwaltungsleiter Herden.

Nach den Beratungen wurden die Ergebnisse dem Pfarrgemeinderat und dem Verwaltungsrat zur Abstimmung vorgelegt. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Manfred Koch bezeichnet das entsprechende Dokument passend als einen Koalitionsvertrag. Denn schlussendlich handelt es sich um eine Willenserklärung, da alle anstehenden Maßnahmen formal einzeln beschlossen und umgesetzt werden müssen.

"Wir haben jetzt noch die Chance, mit finanzieller Unterstützung des Bistums kirchliches Leben vor Ort zu gestalten. Diese wollen wir aktiv nutzen", bestärkt der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Ingo Ley und weist damit auf die Offensive hin, in die die Pfarrei bei diesen Maßnahmen mit Pfarrer Blechschmidt geht.

Schmerzhafte Einschnitte

Klar sei aber auch: "Ohne schmerzhafte Entscheidungen wird ein Weg der Veränderung nicht funktionieren. Deshalb möchte der Vorstand des Pfarrgemeinderates auch Trauerarbeit leisten und die Menschen vor Ort begleiten, wo Umbrüche sichtbar werden. Der Perspektivwechsel vom reinen Blick auf die Immobilien hin zu den Menschen, um dabei Gestaltungsräume zu ermöglichen, soll in dieser Umbruchszeit helfen." Immobilien seien nicht der Fokus kirchlichen Lebens, sondern ermöglichten ein Zuhause von Kirchengemeinde und einen räumlichen Bezug. Am Ende spiele aber nicht nur ein Verkauf hier eine Rolle. Auch andere Modelle, wie Erbpacht oder kooperative Gebäudenutzungen würden mitgedacht. An verschiedenen Orten hätten Gemeindemitglieder bereits innovative Ansätze, wie die Zukunft vor Ort gestaltet werden könne.

Ein Beispiel soll deutlich machen, wie die Debatten zu einem Ergebnis führten. In Kransberg etwa wird das Gotteshaus aufgegeben, da die große Kirche von nur wenigen Gläubigen genutzt wird. Dafür bleibt die Pfarrscheune erhalten, in der auch künftig Gottesdienste gehalten werden und die weiter als Treffpunkt dient. Denn in die Kirche müssten 200 000 Euro investiert werden.

Und von 198 Gemeindemitgliedern kamen im Schnitt nur 43 in die Messen. Da hier auch Denkmalschutz greift, ist ein Verkauf genau zu prüfen. Allerdings ist der Denkmalschutz weitgehend auf "beweglichen" Elementen, sprich, diese könnten etwa auch in einem Museum erhalten werden.

Alle Maßnahmen stellt die Gemeinde bis Ende der Woche auf ihrer Homepage vor.

An jedem Kirchort gibt es auch künftig einen Treffpunkt für Gottesdienste

Einfach gemacht haben es sich die Zukunfts-Planer für die Großgemeinde St. Franziskus und Klara wahrlich nicht. Dass an jedem Kirchort auch künftig ein Treffpunkt respektive ein Gebäude für Gottesdienste vorhanden sein soll, war Grundlage der Diskussion. Dennoch gibt es einschneidende Maßnahmen, die teils kurzfristig, teils längerfristig geplant sind.

In fünf Kategorien wurden alle Gebäude - ob Kirchen, Gemeindehäuser, Wohnhäuser oder Kitas - eingeteilt. A bedeutet bleibt erhalten, D ist für pastorale Entwicklung nicht notwendig, Standort wird aufgegeben. Bei C wäre der Standort zukünftig nicht unbedingt notwendig, eine Abgabe kann vorbereitet werden. Und bei Kategorie B wird der Standort erhalten, solange Geld oder Rücklagen dies zulassen. Aufgeben heißt aber nicht nur verkaufen - Erbpacht, Vermietung oder Umnutzung sind auch möglich - nur eben pastoral wird es nicht mehr genutzt.

Kategorie D

Diese gibt es nach der Planung sieben Mal.

In Pfaffenwiesbach stehen das Wohngebäude St. Georg und das Pfarrhaus zur Disposition.

In Schmitten-Oberreifenberg werden Pfarrhaus und Wohngebäude abgegeben und sollen verkauft werden.

In Usingen-Kransberg ist die Kirche St. Johannes der Täufer auf der Verkaufsliste, genauso wie das Pfarrhaus. Die Kreuzkapelle gehört sowieso dem Landesforst.

Kategorie C

Zu der Kategorie C gehören gleich mehrere Immobilien auf der Liste. Da wäre das Gemeindehaus St. Georg in Pfaffenwiesbach. Die dort stattfindenden Termine könnten auch in die Kirche verlegt werden.

Auch das Pfarrhaus St. Michael ist hier eingeordnet und soll verpachtet werden.

Ein klares C hat auch das Pfarrhaus St. Karl Borromäus in Schmitten, das abgegeben wird unter "Sicherstellung einer unter kirchlichen Gesichtspunkten verantwortbaren Nutzung".

Das Gemeindehaus St. Georg in Oberreifenberg steht auch zur Disposition, allerdings will man abwarten, wie es mit den Kitas in der Gemeinde weitergeht, das Ergebnis ist also offen.

Ein C hat auch das Gemeindehaus in Usingen, das in Erbpacht abgegeben oder verkauft werden kann. Denn die gegenüberliegende Kirche hätte auch Platz für Gemeindetreffen. Und ein C bekommt auch das Pfarrhaus St. Konrad in Grävenwiesbach, das in zwei Wohnungen umgewandelt werden könnte.

Kategorie B

Dass in der Kategorie B die ebenfalls einer gründlichen Überprüfung unterzogenen Gebäude erhalten werden sollen, heißt nicht, dass deren Zukunft langfristig gesichert ist.

Etwa die Kirche St. Pankratius in Wernborn, die einen hohen Sanierungsbedarf hat. Hier soll erst die Kostenfrage geklärt sein vor weiteren Entscheidungen. Das gilt auch fürs Gemeindehaus dort. Solange aber eine intensive Nutzung besteht, bleibt das Haus in Gemeindehand. Langfristig ist eine Aufgabe möglich. Für die Kirche St. Kasimir in Schmitten-Seelenberg gilt ähnliches. Bei 150 Gemeindemitgliedern im Ort, davon rund 30 auch Kirchgänger, sollen die pastoralen Zukunftsstrukturen erst geklärt werden. Nutzen, so lange möglich und durch Zahlen auch belegt, so die Devise. von Andreas Burger

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