Voll ist was anderes. Zur Mittagszeit der neuen Bezahl-Ära am Hattsteinweiher fanden sich nicht viele Badegäste ein.
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Voll ist was anderes. Zur Mittagszeit der neuen Bezahl-Ära am Hattsteinweiher fanden sich nicht viele Badegäste ein.

Neue Regelung am Usinger Badeweiher stößt auf gemischte Reaktionen

Verständnis für die Benutzer-Gebühr - aber auch Verbesserungsvorschläge

  • VonMonika Schwarz-Cromm
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Badegäste müssen fürs Parken fünf Euro bezahlen, der Eintritt zum See kostet noch mal drei Euro

Die Sonne schien. Die Temperaturen kletterten in die Höhe. Die Anzeige am Hattsteinweiher zeigte in der Mittagszeit am gestrigen Freitag eine Außentemperatur von 23,7 Grad und eine Wassertemperatur von immerhin schon 22,3 Grad an. Allerdings sonnten sich nur wenige Leute am "Usinger Meer".

"Ich war gestern auch hier, und da waren es um die Zeit schon jede Menge Badegäste", berichtete eine Rentnerin aus Rosbach, die seit Jahren gerne zum Hattsteinweiher kommt, wie sie sagte. Sie sei schon mit der Mutter zum Schwimmen hergekommen. Später mit den eigenen Kindern und nun mit den Enkelkindern - und das seit 62 Jahren, betonte sie. Allerdings sei es in den beiden vorangegangenen Jahren nicht mehr schön gewesen.

Uneinsichtige Besucher

"Die Leute hockten trotz Corona-Maßnahmen viel zu dicht aufeinander und wurden auch noch böse, wenn man sie darauf aufmerksam machte." Das ist auch der Grund, warum sie die seit gestern erhobenen Gebühren am Weiher begrüße. Im Klartext heißt das: Jeder, der sein Auto im Bereich des Hattsteinweihers abstellt, zahlt fünf Euro pro Parkplatz.

Und das gilt auch für Spaziergänger, Jogger und Walker. Wer auf die Liegewiese möchte, muss noch mal drei Euro pro Person berappen. Rentner und Kinder zahlen nur einen Euro. Letzteres sei ja nicht so schlimm, meinte die Rosbacher Rentnerin. Komme aber jemand wie sie an vielen Tagen zum Weiher, weil das Schwimmen wie bei ihr gesundheitsförderlich ist, dann wachsen die Parkgebühren schnell auf 150 bis 200 Euro im Monat an. "Und das kann sich manch einer einfach nicht leisten", sagte sie.

Ihr Vorschlag: Aus gesundheitlichen Gründen oder für Geringverdiener die Parkgebühr niedriger gestalten. Vorschläge hatten auch andere Besucher. An der Kasse bemängelte einer das stark blendende Dach der Kassenhütte. Ein anderer schlug vor, den Poller zu versetzen, damit Autofahrer, die nicht zahlen wollten, wieder kehrtmachen könnten.

Melanie Liebrecht, die Sicherheitschefin der Firma Asguard-Sicherheit aus Bad Camberg, unterstützte am Freitag die beiden jungen Mitarbeiter an der Kasse. "Wir bekommen hier alles ab", berichtete sie. So einige hätten sich am Freitagmorgen schon ihren Frust wegen der neuen Entgelte am Weiher von der Seele gebrüllt. Die resolute Frau erklärt all diesen Gästen, dass Corona alle hart getroffen habe, auch die Betreiber von Schwimmbädern. Das sei die eine Seite. Die andere sieht sie im Einhalten der Corona-Regulierungen. Und um die zu kontrollieren, brauche es eben Mitarbeiter, die auch dafür bezahlt werden müssten.

Die Sicherheitsfirma, die ansonsten im Eventbereich tätig ist, stellt von freitags bis sonntags jeweils vier Mitarbeiter für den Weiherbereich. In den Sommerferien sind sie jeden Tag da. Robin Broicher ist für das Nutzungsentgelt auf der Liegewiese zuständig und wartet neben dem Kassenhäuschen darauf, dass die Besucher freiwillig ihr Armbändchen abholen und bezahlen.

Der Platz der Ordnerhütte ist so zentral gewählt, dass er die Besucher stets im Blick hat. "Ich laufe aber auch rum und spreche die an, die nicht bezahlt haben", erklärte er.

Pro und contra bei Besuchern

Und wenn es nötig werde, rufe er auch die Stadtpolizei. Doch keine Angst, wem der Ordner mit seinen Tattoos, den muskelbepackten Armen, der schwarzen Kleidung und der dunklen Brille verwegen erscheint, dem ist nicht so. "In meinem Job muss man zwar ab und zu auch zupacken können", berichtete er. Dennoch sei zuallererst immer Höflichkeit angesagt. "So kann man viel Aggressivität runterspielen."

Doch aggressiv kam ihm bis zur Mittagszeit niemand entgegen. So wie die Rentnerin aus Rosbach durchaus die Beweggründe der Stadt für die Erhebung der Gebühren am Weiher verstehen konnte und damit persönlich den Weiher als Kleinod gerettet sieht, empfanden das auch zwei junge Frauen aus Karben und Bad Homburg. "Man muss doch überall, wo man schwimmen will, bezahlen", argumentierten sie. Und die fünf Euro für den Parkplatz könne man beim Essen wieder einlösen. Einen weiteren Vorteil sahen sie darin, dass auf diese Weise nicht wie so oft der ganze Müll liegen bleibe.

Das Rentnerehepaar aus Oberems hatte die kleine Enkeltochter dabei. "Wir sind regelmäßige Besucher hier", sagten sie, "und wir finden das mit der neuen Gebühr gut." Es gefalle ihnen so gut am Hattsteinweiher, dass sie auch schon des öfteren mit dem Wanderclub dagewesen seien. Nein, mit dem neu erhobenen Nutzungsentgelt hätten sie keinerlei Schwierigkeiten. Bleibt also abzuwarten, ob die Mehrheit das ebenso sieht. MONIKA SCHWARZ-CROMM

Noch unterhalb der Zufahrt zum Tennisareal werden die Autos schon zum bezahlen für den Parkplatz am Hattsteinweiher abgefangen.

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