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Derzeit blühen die Apfelbäume, und es bleibt zu hoffen, dass viele Bienen sie bestäuben und der Apfelertrag gut wird. Allerdings mögen sie keinen Einheitsfraß, wie ihn Rapsfelder bieten.

Viele Bienen, viele Äpfel

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Die Obstwiesen sind nicht nur ein Refugium für die Bienen und viele andere Insekten, sondern ein ebenso nützliches Kulturgut für den Menschen, an dem sein Wohl und Weh doch mehr hängt, als er im Allgemeinen denkt.

„Viele Bienen, viele Äpfel“, brachte Imker Dieter Skoetsch die Beziehung zwischen Obstwiese und Imkerei auf den Punkt. Aber diese direkte Beziehung ist nur ein Aspekt innerhalb des großen Gleichgewichts der Natur auf dessen Funktionieren der Mensch angewiesen ist. Das wurde auf dem Hessischen Obstwiesen-Kongress deutlich, der im Rahmen der Streuobsttage 2015 in einer Zusammenarbeit von der Naturschutz-Akademie Hessen, dem Landesverband Hessen für Obstbau, Garten und Landschaftspflege sowie dem Freilichtmuseum Hessenpark im Hessenpark gestern veranstaltet wurde.

„Der Hessenpark möchte nicht nur Themen darstellen, sondern auch aktiv vorantreiben“, sagte Museumsleiter Jens Scheller, der die Tagung in der Scheune aus Gottstreu eröffnete. Grußworte an die rund 120 Teilnehmer richtete auch der Landesvorsitzende des Landesverbandes Hessen für Obstbau, Garten und Landschaftspflege, Kurt Kunz, sowie der Leiter der Naturschutz-Akademie Hessen, Albert Langsdorf, der die Veranstaltung und die regen Diskussionen, die sich an die Vorträge anschloss, moderierte.

Die Grundlage lieferte der Leiter der Abteilung Historische Landwirtschaft im Hessenpark, Volker Weber, der „Die Kulturgeschichte der Streuobstwiesen“ beleuchtete. Sie begann, nachdem der Apfel hierzulande Einzug gehalten hatte, aber wann das genau war, sei nicht sicher. Er könne – im Zuge der Völkerwanderung – aus der Kaukasus-Region eingewandert sein, er könne aber auch schon von den Römern mitgebracht worden sein, gab Weber den unsicheren Kenntnisstand wieder.

Wie dem auch sei, der Apfel machte ein steile Karriere, genoss mal mehr und mal weniger die Gunst des Menschen, stieg aber bis heute zum Lieblingsobst der Hessen auf. Besonders im 17. Jahrhundert wurde er von Landesherren und Experten entdeckt und sein Anbau systematisch erforscht und gefördert. Einer von diesen war der in der Wetterau und in Kronberg wirkende Johann Ludwig Christ, den Volker Weber exemplarisch nannte und der auch ein Bienen-Kenner und Imker war.

Weber betreut die Streuobstwiesen und den Baumbestand im Hessenpark. Es sei wichtig, einen Genpool alter Sorten zu erhalten, vor allem auch für die Züchtung neuer Sorten, so der Fachmann.

Ein guter Imker sei auch Freiherr von Berlepsch gewesen, erinnerte Imker Dieter Skoetsch die Zuhörer an den preußischen Sozialreformer, nach dem eine im Jahr 1880 gezüchtete Apfelsorte benannt wurde.

Als Refugium sowohl für Bienen und als auch für den Menschen bezeichnete Skoetsch, der auch dem Vorstand des Landesverbandes Hessischer Imker angehört, die Obstbaumwiesen. Sie seien für Bienen nicht nur wegen der Bäume wichtig, sondern auch wegen der Blumen auf den Wiesen darunter. Die blühten nämlich zu unterschiedlichen Zeiten und stellten den Bienen damit ein Vielfalt an Blüten bereit. Raps sei zwar auch eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen, aber nur „Einheitsfraß“ sei für sie halt doch nicht gut.

„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, habe Albert Einstein gesagt, so Skoetsch, der das „Refugium Obstwiese“ in vielen Details unter die Lupe nahm.

Dass Menschen bei den Arbeiten im „Refugium Obstbaumwiese“ oder auch allgemein im Obst- und Gartenbau durchaus auch Gefahren ausgesetzt sind, das erläuterte Dr. med. Reinhold Merbs, der Leiter des Ressorts Gesundheit und Gefahrenabwehr beim Wetteraukreis. Denn Infektionen lauerten auch in der Natur und im Garten, etwa durch Zecken oder infizierten Staub von Geflügelexkrementen und zum Beispiel in Form von Mäusekot. Der Referent schärfte das Bewusstsein für solche Gefahren, gab Tipps zur Vorsorge und sprach sich für einen angemessenen Impfschutz aus.

Tenor der lebhaften Diskussionen war neben der Förderung und dem Erhalt der Obstbaumwiesen auch, ein ständiges Forum für die Experten zu schaffen, und dazu bietet sich das Freilichtmuseum nach dem ersten Obstwiesenkongress dort förmlich auch in der Zukunft an.

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